Auto
Fahrtenbuch

Aggression im Straßenverkehr

Rad ab!?

DPA

Radfahrer überquert in Köln eine Straße (Symbolbild)

Von Jens Tanz
Montag, 05.02.2018   11:46 Uhr

Fahrradfahrer waren immer schwächer als Autofahrer. Daraus leiten sie offenbar das Recht ab, Verkehrsregeln zu brechen - wie in dieser sonderbaren Begegnung.

Es ist dunkel, es regnet, und die Konturen der anderen verwischen hinter den Schlieren auf der Scheibe. Als ich noch täglich mit dem Fahrrad zur Lehrstelle oder zur Uni fuhr, war ich bei so einem Wetter alarmiert. Autofahrer konnten einen schlicht nicht sehen. Innenstadt-Vorfahrthaber, die sich permanent im Recht wähnten, entwickelten sich zu gefährlichen Feinden in massiven Burgen. Also fuhr ich umsichtig, passiv und ließ den Blechkisten häufiger mal den Vortritt, man hängt ja an seinem Leben.

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An einem Abend mit genau diesem Schietwetter fuhr ich so umsichtig Auto, wie ich damals auf meinem Fahrrad gefahren bin. Noch aus dem Augenwinkel sah ich beim Abbiegen einen schwarzen, unbeleuchteten Schatten über die rote Fußgängerampel auf mein Auto zurasen.

RUMMS!

Ich hielt sofort an und sprang hilfsbereit aus meinem Wagen heraus. Doch was sahen meine regennassen Augen? Einen auf Krawall gebürsteten jungen Mann mit Wachsjacke und Strickmütze, der sich geschickt wieder auf die Beine stellte, nachdem er mir in die hintere Tür getreten hatte. Sein Fahrrad mit erhöhtem Rahmen und erhöhtem Lenker lag theatralisch auf der Straße. Dabei war er es, der ohne Licht über eine rote Ampel gefahren war.

Sporthelmträger brechen sämtliche Verkehrsregeln

Während ich noch versuchte, das alles zu verstehen, bemerkte ich, dass der Gute ununterbrochen auf mich einschrie. Seine nicht zitierfähigen Sätze wirkten ebenso einstudiert wie seine verletzungsfreie Rolle über mein Auto. Passanten kamen langsam näher, erste Autos hupten, weil meines noch immer mit Warnblinker auf dem dunklen Abbieger stand. Ich ging mit friedlich ausgebreiteten Armen auf ihn zu und rief ihm in angemessener Lautstärke ins Gedächtnis, dass er rasend schnell bei Dunkelheit ohne Licht über eine rote Ampel gefahren war und ich ihn gar nicht sehen konnte! Als Antwort erhielt ich Satzfragmente wie "… auf die Fresse" oder "… krieg dich noch!" in meine nassen Ohren. Ein gut gebauter Mittfünfziger stieg aus seinem 7er BMW aus und fragte: "Gibt's ein Problem?" Dann stieg der Kamikaze-Pilot auf sein Rad und setzte seine Fahrt schnell fort, weiterhin unbeleuchtet, schimpfend und laut fluchend.

Ich bedankte mich bei dem BMW-Fahrer für seinen Beistand und stieg tropfnass zurück in mein Auto. Was war denn das? Werden die Innenstädte heimgesucht von Selbstmord-Pedalierern? Leben wir Autofahrer gefährlich? Immer mehr gehetzte Fahrradkuriere und Sporthelmträger brechen sämtliche Verkehrsregeln und fühlen sich dabei im Recht. Weil sie ja die armen Fahrradfahrer sind. Vielleicht sollte ich selbst mal wieder Fahrrad fahren und mir ein Bild von der "anderen Seite" machen? Die noch immer vorhandene Beule in der Tür wird mich täglich daran erinnern….

insgesamt 173 Beiträge
konib 05.02.2018
1.
Oh ja bitte! Jetzt geht hier gleich wieder die Diskussion los über Kapfradler und rücksichtslosen Autofahren. Alle werden reflexartig die Schuld beim anderen suchen, wie schon so oft in diesem Forum. Man sollte vielleicht als [...]
Oh ja bitte! Jetzt geht hier gleich wieder die Diskussion los über Kapfradler und rücksichtslosen Autofahren. Alle werden reflexartig die Schuld beim anderen suchen, wie schon so oft in diesem Forum. Man sollte vielleicht als erstes feststellen, dass die meisten Auto- und Radfahrer sich an Verkehrsregeln halten.
MisterD 05.02.2018
2. Ich hoffe Sie haben die Polizei wegen Unfallflucht informiert...
damit dieser Irre nicht morgen den nächsten Autofahrer behelligt. Sie mag die Beule ja nicht stören, ich für meinen Teil habe hingegen keinen Bock auf Beulen und Ärger mit Leuten, die nur noch rum fahren, weil keiner sie [...]
damit dieser Irre nicht morgen den nächsten Autofahrer behelligt. Sie mag die Beule ja nicht stören, ich für meinen Teil habe hingegen keinen Bock auf Beulen und Ärger mit Leuten, die nur noch rum fahren, weil keiner sie anzeigt, wegen Gleichgültigkeit...
hans-rai 05.02.2018
3.
Ja, so kann es auch gehen. Niemand bestreitet, dass es solche Typen unter den Radfahrern gibt. Aber die Mehrzahl der gefährlichen Begegnungen zwischen Rad und Auto, denke ich, ist es nicht und wird durch Autofahrer ausgelöst, [...]
Ja, so kann es auch gehen. Niemand bestreitet, dass es solche Typen unter den Radfahrern gibt. Aber die Mehrzahl der gefährlichen Begegnungen zwischen Rad und Auto, denke ich, ist es nicht und wird durch Autofahrer ausgelöst, vor allem beim Abbiegen - auch durch unübersichtliche Situationen. Alle sollten aufpassen und defensiv fahren. Dann passiert das nicht.
g_bec 05.02.2018
4.
Nun ja, bei uns in der mitteldeutschen Landeshauptstadt brechen immer mehr Autofahrer so simple Verkehrsregeln wie Rote Ampel, Überholverbote, Tempolimits insbesondere in Fußgängerzonen ("Spielstraßen") und [...]
Nun ja, bei uns in der mitteldeutschen Landeshauptstadt brechen immer mehr Autofahrer so simple Verkehrsregeln wie Rote Ampel, Überholverbote, Tempolimits insbesondere in Fußgängerzonen ("Spielstraßen") und Mindestabstände. Und jetzt?
sam-berlin 05.02.2018
5.
Vorab der Hinweis, dass ich Rad- und Autofahrer bin, aufgrund der langen Wegstrecke in Berlin in der Stadt eher mit dem Auto unterwegs (wenn ich nicht öffentlich fahre). Bei meinen herbstlichen und winterlichen Fahrten durch [...]
Vorab der Hinweis, dass ich Rad- und Autofahrer bin, aufgrund der langen Wegstrecke in Berlin in der Stadt eher mit dem Auto unterwegs (wenn ich nicht öffentlich fahre). Bei meinen herbstlichen und winterlichen Fahrten durch Neukölln und Kreuzberg begegnet mir die beschriebene Sorte Radfahrer mit schöner Regelmäßigkeit. Mit dunklen Klamotten bei Regen ohne Licht über eine rote Ampel - diese Radfahrer kann man tagtäglich erleben. Ich verstehe es einfach nicht: Wie wenig muss ich an meinem bisschen Leben hängen?! Oder sind es nur verminderte kognitive Fähigkeiten? Es bleibt mir ein Rätsel. Neulich habe ich einen Radfahrer gesehen, der am Kottbuser Tor bei Rot quer über den Platz gefahren ist. Von einem Autofahrer angehupt zeigte er den Mittelfinger. Passiert dann etwas, sind die Autofahrer automatisch die Bösen, da ja Radfahrer per se Gutmenschen sind. Aber verstehen muss ich das nicht!
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