Mobilität

75 Jahre Jeep

Vorwärts im Rückwärtsgang

Jeeps ließen sich von nichts aufhalten, weder von den Nazis noch von der Wildnis. Jetzt feiert die Marke, die als Synonym für Geländewagen gilt, ihren 75. Geburtstag - und wirkt irgendwie steckengeblieben.

Jeep
Von Jürgen Pander
Freitag, 29.07.2016   10:56 Uhr

"Freiheit!", ruft Stefan Moldaner, "Jeep ist wohl die einzige Marke der Welt, die aus dem Streben nach Freiheit entstanden ist." Man kann das auch weniger pathetisch formulieren als Moldaner, aber der Mann ist nun mal Markenchef von Jeep in Deutschland.

Auf was er mit der Freiheitserklärung hinaus will: Die US-Army benötigte im Zweiten Weltkrieg dringend ein "leichtes Aufklärungsfahrzeug mit Vierradantrieb". Die Wahl fiel schließlich auf ein Modell des Herstellers Willys-Overland, das ab 1941 zur Ikone wurde: GIs im Willys MB als Kaugummi verteilende Befreier von der Nazi-Diktatur - ein Symbolbild.

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Zwei US-Army-Soldaten mit einem Willys MB im April 1945 in Leipzig

Dieser Wagen war die Basis für die Marke Jeep, deren Name zum Gattungsbegriff für Geländewagen avancierte - wie Tesa für Klebeband oder Tempo für Papiertaschentücher. Warum aus der Modellbezeichnung Willys MB überhaupt Jeep wurde, dazu gibt es mehrere Theorien. Die gängigste geht so: Bei der Entwicklung des Allradlers handelte es sich um einen Regierungsauftrag, ein "Governmental Project" oder kurz GP, und die Ingenieure mussten ständig Änderungswünsche der Militärs berücksichtigen. Diese wurden durchnummeriert nach dem Muster GP1, GP2 und so weiter. Und irgendwann hatte sich das GP (gesprochen: Dschipie) zu Jeep abgeschliffen. 1955 tauchte das Wort Jeep - nachdem es schon längst gebräuchlich war - erstmals als Markenname auf den Autos auf.

Geburtshelfer des SUV-Segments

Die robusten Allradler waren in der zivilen Welt angekommen, es gab neben dem kompakten Viersitzer einen siebensitzigen Kombi und einen Minilaster. Jeep wuchs, und der Hersteller Willys-Overland fusionierte mit der Kaiser-Frazer Corporation. Es war der erste von bislang sechs Eigentümerwechseln. Heute gehört Jeep zu Chrysler und damit zum Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA).

Foto: Jürgen Pander

So wechselhaft die Unternehmensgeschichte auch war: die Modellpolitik von Jeep ist ein einziges Beharren. Der Jeep CJ-5 wurde mehr als 30 Jahre lang fast unverändert gebaut. Im Prinzip ist auch der aktuelle Jeep Wrangler zumindest optisch noch sehr eng an dieses Auto angelehnt: Siebenschlitziger Kühlergrill, runde Scheinwerfer, trapezförmige Radhäuser, Haken zur Motorhaubenverriegelung, Kastendesign - kaum ein anderes modernes Serienauto ähnelt so stark einem Ur-Modell.

Das gleiche gilt für den Jeep Wagoneer, mit dem die Marke 1963 sozusagen das moderne Sports Utility Vehicle, kurz SUV, begründete - jenen Fahrzeugtyp, um den in der Autobranche ein Hype ausgebrochen ist. Der luxuriöse Familien-Geländewagen, der ab 1974 vom nahezu baugleichen, etwas sportlicher positionierten Modell Cherokee flankiert wurde, blieb bis 1993 kaum verändert im Angebot. Der Wagoneer war der erste Allradler mit Automatikgetriebe und der erste mit selbsttragender Karosserie - mit einem Starrachsen-Fahrwerk, das vorn mit Schraubenfedern und hinten mit Blattfedern bestückt war.

Unveränderliche Gestaltungselemente, extreme Geländegängigkeit, robuste Technik - diese Merkmale prägten die Marke Jeep in den vergangenen 75 Jahren. Für die Zukunft wären allerdings ein paar Ideen zu den Themen Effizienz, Nachhaltigkeit oder Vernetzung nicht schlecht. Doch da hat Jeep nicht viel zu bieten.

Fotostrecke

75 Jahre Jeep: Karriere als Zivilist

Immerhin koppelt das Allradsystem inzwischen automatisch den Hinterachsantrieb ab, wenn er nicht benötigt wird. Das senkt den Verbrauch. Der 6,4-Liter-V8-Motor des Grand Cherokee schaltet bei moderater Beanspruchung außerdem vier seiner acht Zylinder ab, um Sprit zu sparen. Doch von Hybridisierung oder gar Elektrifizierung ist noch keine Rede. Die Technologien seien alle im Konzern vorhanden, heißt es, konkrete Ansagen jedoch gibt es nicht.

Erst einmal will Jeep weiter vom SUV-Boom profitieren. "Im Jahr 2018 wollen wir weltweit zwei Millionen Autos verkaufen", sagt Stefan Moldaner. Im vergangenen Jahr waren es 1,2 Millionen. Auf Deutschland entfielen 14.819 Jeep-Neuzulassungen, was einerseits sehr bescheiden ist, andererseits aber eine Absatzsteigerung von gut 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Moldaner peilt für 2018 einen Marktanteil von einem Prozent in Deutschland an. Das wäre eine Verdopplung des aktuellen Werts.

Man bleibt sich treu - und das ist ein Problem

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn im kommenden Jahr wird Jeep einen neuen Kompakt-SUV im Format des VW Tiguan vorstellen. Anschließend soll eine neue Generation der Markenikone Wrangler erscheinen, unter anderem auch als Pick-up-Variante, und eine Neuauflage des Flaggschiffs Grand Cherokee ist ebenso geplant.

Zum Markenjubiläum gibt es jetzt aber erst einmal die "75th Anniversary Special Edition": Limitierte Sondermodelle aller Jeep-Baureihen mit üppiger Ausstattung, bronzefarbenen Zierelementen und Sonderfarben. "Man kann sich als Marke treu bleiben und dennoch innovativ sein", sagt Moldaner. Recht hat er, an Treue fehlt es bei Jeep nicht. Eher an Innovationen.

insgesamt 57 Beiträge
Nocheinmensch 29.07.2016
1. Der 6.4 Apache Motor, Jeep SRT8
Der 6.4 Apache Motor ist sehr Sparsam und im Gegensatz zu allen Deutschen Motoren sauber. Der Verzicht auf Benzin Direkt- Einspritzung eliminiert NOx und Feinstaub. Dopelzündung, voll variable Nockenwelle, lange und kurze [...]
Der 6.4 Apache Motor ist sehr Sparsam und im Gegensatz zu allen Deutschen Motoren sauber. Der Verzicht auf Benzin Direkt- Einspritzung eliminiert NOx und Feinstaub. Dopelzündung, voll variable Nockenwelle, lange und kurze Ansaugwege und riesige Ventile Dank Hemi Zylinderkopf erlauben viel Drehmoment und Leistung. Bei 1'000 U/Min liegen 450Nm vor, bei 4'300 U/Min 624Nm. Mit 467Ps ist er gut im Futter und er säuft wenn er immer brav warm gefahren wird kein oder kaum Öl. Eingefahren ist so ein Motor aber erst ab 50'000km. Super Plus braucht es nur unter 300m über Meereshöhe sonnst genügt 95 Ron. Was er nicht mag ist E10, da steigt der Verbrauch um 10%. Dieser liegt bei einhalten der Richtgeschwindigkeit bei 12.1L auf der Autobahn, 9.9L bei Tempo 100. Im Stop and Go sind es aber 17.8 Liter. Bei Tempo 190/Tempolimit sind es nur 15.8 Liter im Durchschnitt . Jeep verzichtet auf eine miese Elektro Lenkung beim SRT8. Die Bremsen sind gut 35m Bremsweg sind es bei Tempo 100. Am meisten profitiert der SRT8 von Continental Reifen, diese eliminieren die Jagd nach Spurrillen vom Pirelli Pzero Runflat. Der neue ZF 8 Gang Automat ist jedoch nicht so fix bis 140 wie der der alte 5 Gang mit High Stall Wandler spart aber 1.4L auf 100km außer in der Stadt, da ist der alte 5Gang etwas sparsamer so um die 0.4L pro 100km. Das beste ist die Beschleunigung auf Tempo 50, es hat einfach keine anfahrschwäche. Der Motor ist auch sehr zuverlässig weil es keine Turbos hat. Das beste ist die Leistung bei über 30°, von weniger Leistung ist nichts zu spüren. Am lustigsten ist der SRT8 im Platzregen und im Schnee, hab aufgehört zu zählen wie viele Audi RS4/6 ich mit meinem schon locker überholt habe. Die Traktion Dank automatischer speren vorne und hinten ist fabelhaft und die Lammelenkuplung verteilt die Leistung zwischen den Achsen besser als alles aus Deutscher Produktion. Ich hab zwei, ein 8Gang und ein 5Gang. Die neuen 8Gang sind zivilisierter die 5Gang machen einfach mehr Spaß bis Tempo 140. Mein 5Gang braucht 4.8 Sekunden auf Tempo 100, aber bis Tempo 50 sind es gerade 2 Sekunden. :-)
alsterherr 29.07.2016
2.
War es nicht GP -> General Purpose, aus dem dann Jeep wurde?
War es nicht GP -> General Purpose, aus dem dann Jeep wurde?
laxness 29.07.2016
3. bei meinem Cherokee 4.0 LTD....
....hat der Motor (Reihensechser) grad mal 70 Tkm gehalten. Dann Zylinderkopf durch, Wasser im Öl. Die Lenkradnabe war (auf dem ersten Blick) mit dutzenden Inbusschrauben festgemacht. Bei genauerem Hinsehen war das alles [...]
Zitat von NocheinmenschDer 6.4 Apache Motor ist sehr Sparsam und im Gegensatz zu allen Deutschen Motoren sauber. Der Verzicht auf Benzin Direkt- Einspritzung eliminiert NOx und Feinstaub. Dopelzündung, voll variable Nockenwelle, lange und kurze Ansaugwege und riesige Ventile Dank Hemi Zylinderkopf erlauben viel Drehmoment und Leistung. Bei 1'000 U/Min liegen 450Nm vor, bei 4'300 U/Min 624Nm. Mit 467Ps ist er gut im Futter und er säuft wenn er immer brav warm gefahren wird kein oder kaum Öl. Eingefahren ist so ein Motor aber erst ab 50'000km. Super Plus braucht es nur unter 300m über Meereshöhe sonnst genügt 95 Ron. Was er nicht mag ist E10, da steigt der Verbrauch um 10%. Dieser liegt bei einhalten der Richtgeschwindigkeit bei 12.1L auf der Autobahn, 9.9L bei Tempo 100. Im Stop and Go sind es aber 17.8 Liter. Bei Tempo 190/Tempolimit sind es nur 15.8 Liter im Durchschnitt . Jeep verzichtet auf eine miese Elektro Lenkung beim SRT8. Die Bremsen sind gut 35m Bremsweg sind es bei Tempo 100. Am meisten profitiert der SRT8 von Continental Reifen, diese eliminieren die Jagd nach Spurrillen vom Pirelli Pzero Runflat. Der neue ZF 8 Gang Automat ist jedoch nicht so fix bis 140 wie der der alte 5 Gang mit High Stall Wandler spart aber 1.4L auf 100km außer in der Stadt, da ist der alte 5Gang etwas sparsamer so um die 0.4L pro 100km. Das beste ist die Beschleunigung auf Tempo 50, es hat einfach keine anfahrschwäche. Der Motor ist auch sehr zuverlässig weil es keine Turbos hat. Das beste ist die Leistung bei über 30°, von weniger Leistung ist nichts zu spüren. Am lustigsten ist der SRT8 im Platzregen und im Schnee, hab aufgehört zu zählen wie viele Audi RS4/6 ich mit meinem schon locker überholt habe. Die Traktion Dank automatischer speren vorne und hinten ist fabelhaft und die Lammelenkuplung verteilt die Leistung zwischen den Achsen besser als alles aus Deutscher Produktion. Ich hab zwei, ein 8Gang und ein 5Gang. Die neuen 8Gang sind zivilisierter die 5Gang machen einfach mehr Spaß bis Tempo 140. Mein 5Gang braucht 4.8 Sekunden auf Tempo 100, aber bis Tempo 50 sind es gerade 2 Sekunden. :-)
....hat der Motor (Reihensechser) grad mal 70 Tkm gehalten. Dann Zylinderkopf durch, Wasser im Öl. Die Lenkradnabe war (auf dem ersten Blick) mit dutzenden Inbusschrauben festgemacht. Bei genauerem Hinsehen war das alles Plastik-Imitation. Genau wie der Kühlergrill.... Das Unterdrucksystem war so liederlich verlegt und völlig ungesichert, dass sich die Schläuche bei jedem Geländeeinsatz von den Rohren lösten. Die (170?) PS hat man überhaupt nicht gemerkt, sind anscheinend zu 90% von der Automatik weggefressen worden. Genug gesagt zu Jeep. Oder das noch: bei flotter Fahrt (200 auf AB) gingen locker 20-25 L/100 km durch :-((
chrismuc2011 29.07.2016
4. @alsterherr
Das GP als Kurzwort für General Purpose kenne ich auch seit Jahren. Zur Bildunterschrift: Schmiernippel werden nicht mit Öl, sondern mit Fett befüllt.
Das GP als Kurzwort für General Purpose kenne ich auch seit Jahren. Zur Bildunterschrift: Schmiernippel werden nicht mit Öl, sondern mit Fett befüllt.
hzj 29.07.2016
5. Der Jeep ist ein Geländewagen, kein Rennwagen
@ laxness Wer mit einem für die USA und die dortigen Geschwindigkeitsbegrenzungen gebauten 4x4 Geländewagen in Deutschland mit Dauervollgas auf der Autobahn unterwegs ist, darf sich nicht über den hohen Verbrauch und vorzeitige [...]
@ laxness Wer mit einem für die USA und die dortigen Geschwindigkeitsbegrenzungen gebauten 4x4 Geländewagen in Deutschland mit Dauervollgas auf der Autobahn unterwegs ist, darf sich nicht über den hohen Verbrauch und vorzeitige Motorschäden wundern. Das könnte man aber wissen, bevor man sich einen Jeep kauft. Vor dem Kauf schaut man eigentlich auch mal auf die Inneneinrichtung. Dann erkennt man auch Pseudo-Imbussschrauben. Also: Selber schuld!

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