Mobilität

Streit um Dieselnachrüstung

VW-Chef fordert zu sachlicherer Debatte auf

Die Diskussion über Dieselfahrverbote in deutschen Städten werde "zu emotional" geführt, sagt VW-Chef Herbert Diess. Man spreche sich nicht gegen Hardware-Nachrüstung aus - werde Kosten aber nur zu 80 Prozent tragen.

AP

Herbert Diess

Freitag, 26.10.2018   11:25 Uhr

Im Streit um mögliche Dieselfahrverbote wegen zu schmutziger Luft in deutschen Städten hat VW-Konzernchef Herbert Diess eine zu emotionale Diskussion kritisiert. "Wir sehen da schon Verantwortung für uns, gerade bei Volkswagen", sagte er am Donnerstag in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Dennoch halte ich die Diskussion, die wir jetzt führen, für zu emotional."

Gleichzeitig betonte Diess, dass Volkswagen sich nicht gegen die Hardware-Nachrüstung ausspreche. Wenn es entsprechende gesetzeskonforme Lösungen gebe, werde VW sich daran beteiligen - "wenn's denn der Kunde dann auch will". Allerdings wolle VW die Kosten weiterhin nur zu 80 Prozent tragen. Darüber hinaus seien die betroffenen Dieselfahrzeuge nach den Software-Updates zu "100 Prozent gesetzeskonform".

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) war ebenfalls Gast der Illner-Talkrunde und sagte dabei: "Es gibt die klare Erwartung, dass die Diesel-Kunden nicht zur Kasse gebeten werden." Die Konzerne müssten sich um die Autobesitzer kümmern - und auch die Kommunen hätten mit Blick etwa auf intelligente Verkehrssteuerung eine Aufgabe.

In Deutschland wird vielerorts der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten. Es kann Atemwege und Augen reizen, die Lungenfunktion stören oder zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Gerichte haben deshalb zum Beispiel für Stuttgart, Hamburg und Berlin streckenweise Fahrverbote für ältere Diesel für 2019 angeordnet.

Dieselstreit als hessisches Wahlkampfthema

Am Donnerstag übten Kanzlerin Angela Merkel und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (beide CDU) weiter Druck auf die Autoindustrie aus. "Es ist so unglaublich ärgerlich, dass die deutsche Automobilindustrie so viel Vertrauen verspielt hat, weil das ein so wichtiger Wirtschaftszweig ist", sagte Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Fulda. "Und deshalb muss die Automobilindustrie endlich auch die Lehren daraus ziehen." Die Firmen müssten den Schaden, den sie angerichtet hätten, wieder gutmachen.

Mehr zum Thema

In Hessen wird am Sonntag gewählt. Ministerpräsident Bouffier kritisierte in Fulda, wie unterschiedlich etwa Volkswagen bei der Schadensbegrenzung vorgehe: Es sei nicht zu akzeptieren, dass in Amerika Milliarden bezahlt würden, "damit da keiner von VW in den Knast geht. Und hier in Deutschland versuchen die sich vom Acker zu machen." Er hoffe, dass VW seine Position in Deutschland überdenke. "Ich möchte nicht, dass der Dieselfahrer der Dumme ist."

aar/dpa

insgesamt 95 Beiträge
janne2109 26.10.2018
1. emotional??
was heißt hier emotional geführt? Die Autofirmen brocken den Bürgern nur Ärger und Stress ein und mokieren sich jetzt? Man kann nicht einmal ein neues Auto bestellen und dabei eine evtl. Auslieferungzeitraum bekommen ( heute [...]
was heißt hier emotional geführt? Die Autofirmen brocken den Bürgern nur Ärger und Stress ein und mokieren sich jetzt? Man kann nicht einmal ein neues Auto bestellen und dabei eine evtl. Auslieferungzeitraum bekommen ( heute versucht bei VW) . Die Verkäufer müssen vertrösten, verdienen sehr viel weniger weil die Kunden sich anderweitig orientieren. Jetzt warte ich noch auf Kurzarbeit der VW Mitarbeiter im Werk or Weihnachten, es ist eine Schweinerei was hier passiert ist und weiterhin passiert. und ja- ich nehme es auch der Regierung sehr übel, gegen jeden Pups wird ein Gesetz erlassen und hier riecht die Schweinerei gen Himmel.
rathat 26.10.2018
2. Gesetzeskonform aber eben nicht sauber!
Man beachte die Wortwahl Diess‘ „gesetzeskonform“ - denn die „geupdateten“ Fahrzeuge sind in der Realität eben keineswegs sauberer. Im Gegenteil: sie verbrauchen mehr, Bauteile verrußen schneller und die Stickoxide steigen [...]
Man beachte die Wortwahl Diess‘ „gesetzeskonform“ - denn die „geupdateten“ Fahrzeuge sind in der Realität eben keineswegs sauberer. Im Gegenteil: sie verbrauchen mehr, Bauteile verrußen schneller und die Stickoxide steigen sogar noch. Hier wurden nicht neue Erkenntnisse über die Verbrennung, sondern über den NEFZ eingearbeitet. Dabei sind die Fahrzeuge über mehrere Jahre faktisch ohne Zulassung gefahren und hätten im Jahr 2015ff auch auf den aktuellen Stand der Abgastechnik - also Euro 6 - gebracht werden müssen, und nicht auf den Stand, den sie vor Jahren mal hätten erfüllen müssen. Darauf hätte der damalige Verkehrsminister bestehen können und müssen! Das wäre damals schon nicht ohne Hardwarenachrüstungen und Adblue möglich gewesen. Jegliche aktuelle Diskussionen über Fahrverbote und Hardwarenachrüstungen für alle Hersteller wären dann eben auch beendet, da die Volksverhiftungsmaschinen von Volkswagen endlich in der dessen wären, was man als sauber bezeichnen könnte.
die Stechmücke 26.10.2018
3. Das schwarze Peter Spiel
Seit Jahren werden nun die Bälle hin und her geschoben ohne dass mal ein Tor des Monats geschossen wird. Die Politik steht in der Verantwortung die Rahmenbedingungen festzulegen, die den Notwendigkeiten einer gesellschaftlichen [...]
Seit Jahren werden nun die Bälle hin und her geschoben ohne dass mal ein Tor des Monats geschossen wird. Die Politik steht in der Verantwortung die Rahmenbedingungen festzulegen, die den Notwendigkeiten einer gesellschaftlichen Entwicklung gerecht wird. Diese muß sie dann aber auch kontrollieren. Hier hat die Politik komplett versagt. Das jüngste Schmierentheater der CDU im hessischen Wahlkampf in Bezug auf Abgasgrenzwerte zeigt dies deutlich. Die hessischen Wähler sind " sehr helle". Am Sonntag werden wir es sehen.
Newspeak 26.10.2018
4. ....
"Es sei nicht zu akzeptieren, dass in Amerika Milliarden bezahlt würden, "damit da keiner von VW in den Knast geht. Und hier in Deutschland versuchen die sich vom Acker zu machen."" Tja, klassisches [...]
"Es sei nicht zu akzeptieren, dass in Amerika Milliarden bezahlt würden, "damit da keiner von VW in den Knast geht. Und hier in Deutschland versuchen die sich vom Acker zu machen."" Tja, klassisches Eigentor. Es liegt hier wie dort nicht an VW, sondern nur daran, dass die amerikanische Politik nicht mit VW im selben Bett liegt, und die amerikanische Justiz unabhängig ist. Würde man in Deutschland VW genauso behandeln, würden die schon spuren. So tanzen sie uns auf der Nase herum.
meinungsmacher 26.10.2018
5. Ja, nee, is klar...
...den Rest von 20% soll gefälligst der Steuerzahler berappen, schließlich haben wir ja alle an den durch die Betrügerei eingesparten Kosten beteiligt! Und die Luftverschmutzung ist schließlich authentisch geblieben, ganz [...]
...den Rest von 20% soll gefälligst der Steuerzahler berappen, schließlich haben wir ja alle an den durch die Betrügerei eingesparten Kosten beteiligt! Und die Luftverschmutzung ist schließlich authentisch geblieben, ganz retro-Style, dafür hätten wir eigentlich 3000 € pro Fahrzeug aufschlagen müssen! (Sarkasmusmodus aus). Was für ein Zyniker, der ohne mit der Wimper zu zucken derartige Forderungen zu stellen wagt!
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