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Audi A7 im Test

Plattgemacht

Mit dem A7 Sportback bringt Audi die flachere Variante des A8 auf den Markt. Trotz gleicher Technik unterscheiden sich die Luxusmodelle stark - besonders beim Fahrspaß.

Audi
Von
Donnerstag, 08.02.2018   00:02 Uhr

Der erste Eindruck: Fließend schön. Mit der zweiten Generation hat der A7 seine Linie gefunden. Dank eines neuen Kühlergrills sowie den stechenden Scheinwerfern kann man den Wagen nun auch von anderen Audi-Modellen unterscheiden.

Das sagt der Hersteller: "Das Beste aus drei Welten" - so umschreibt Projektleiter Stefan Einsle das Wesen des A7. Zu der Eleganz eines Coupés und dem Platzangebot einer Limousine geselle sich beim A7 noch die Variabilität eines Kombis. Eine gewisse Lässigkeit schwinge auch noch mit. Während der auf der gleichen Plattform basierende Audi A8 vergleichsweise streng und förmlich daherkommt, nennt Einsle den A7 einen Gran Turismo, bei dem das Fahren auch mal wieder Selbstzweck sein dürfe.

Foto: AUDI

Das ist uns aufgefallen: Wo ist der beste Platz? Vorne links oder hinten rechts? Hinter dem Lenkrad, natürlich.

Dort spürt man am deutlichsten, wie lässig der stattliche Wagen über die Landstraße cruist, um wie viel leichter er sich dabei anfühlt als ein A8 und wie entspannt es sein kann, einen Umwege abseits der Autobahn einzuplanen. Zwar fehlen dem A7 die 48-Volt-Steller in der Federung, mit denen der A8 ausgestattet ist und sich gegen die Fliehkraft und andere Gesetzmäßigkeiten der Fahrphysik stemmt. Doch mit einer gut ausbalancierten Stahl- oder Luftfeder, einem hecklastig ausgelegten Allradantrieb und einer Hinterachslenkung mit dem bislang größten Einschlag (bis zu sechs Grad) fühlt sich der A7 leichter und handlicher an, als er eigentlich ist. Die lenkende Hinterachse etwa reduziert den Wendekreis um mehr als einen Meter. Und mit 1890 Kilo Gewicht ist der A7 einen Zentner leichter als der A8.

Nach dem A8 ist der A7 das zweite Audi-Modell mit einer neuen Generation von Cockpit- und Bediensystem. Statt Schaltern und Tasten gibt es fast nur noch Touchscreens und Sensorfelder. Selbst der Warnblinker verbirgt sich hinter schwarz glänzendem Glas und aus dem Lichtschalter ist ebenfalls ein berührungsempfindlicher Bildschirm geworden. Anders als bei den meisten Konkurrenten zwingt Audi den Fahrer aber nicht zu einem gefühllosen Gefinger, sondern quittiert jede Eingabe mit einem sanften Klicken und einem Kribbeln in den Fingerspitzen. Das ist praktische Sinnlichkeit - und obendrein Garantie für eine treffsichere Bedienung.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Audi A7 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Dem Tastsinn wird geschmeichelt, das Gehör im A7 geschont. Wenn man nicht die teure B&O-Anlage kauft oder wenigstens das Radio beherzt aufdreht, herrscht Stille an Bord. Schaltbare Motorlager, wie man sie von Porsche kennt, eine steifere Anbindung des Fahrwerks in Vorderwagen und Heck und doppelt verglaste Scheiben drücken das Geräuschniveau im A7 trotz der rahmenlosen Türen auf ein rekordverdächtiges Niveau. Der A7 wird zu einer Oase der Ruhe.

Fotostrecke

Autogramm Audi A7: Der schönere A8

Das muss man wissen: Der Verkauf des A7 beginnt im März und die Preise starten zunächst bei 67.800 Euro für den 55 TFSI mit einem drei Liter großen V6-Benziner (340 PS) oder bei 66.500 Euro für den TDI 50, der von einem V6 mit ebenfalls drei Liter Hubraum und einer Leistung von 286 PS angetrieben wird. Damit ist er 24.000 Euro billiger als der A8 und zugleich eine Referenz für den nächsten A6, der im März beim Autosalon in Genf enthüllt wird und die neue Oberklasse-Familie von Audi abrundet.

Beide Motoren schaffen locker Tempo 250 und sind gemessen an den Leistungsdaten und dem Format des Autos mit Normwerten von 6,8 und 5,5 Litern vergleichsweise sparsam. Das liegt nicht zuletzt am neuen Starter-Generator mit 48-Volt-Technik und einem Pufferspeicher mit Lithium-Ionen-Zellen. Das Mildhybrid-System lässt zwar kein rein elektrisches Fahren zu, doch verhilft es dem A7 damit bei ausgeschaltetem Motor zu einer Segelfunktion, leistet sich längere und komfortablere Start-Stopp-Phasen und es kann effektiver rekuperieren. "Unterm Strich spart das im Alltag bis zu 0,7 Liter Treibstoff", sagt Projektleiter Einsle und rühmt den A7 als zweites Audi-Modell mit durchgehend elektrifizierter Motorpalette. Auch alle weiteren Aggregate werden diese Technik erhalten. Und das könnten noch eine ganze Menge sein, deuten die Audi-Leute an: Ein S7 oder RS7 sind gesetzt, ebenso wie weitere Sechs- und billigere Vierzylinder. Nur der Plug-in-Hybrid-Antrieb und der W12-Motor bleiben wohl dem A8 vorbehalten.

Ob der A7 elegant ist wie ein Coupé, liegt im Auge des Betrachters. Und selbst wenn er unbestritten das geräumigstes Auto seiner Art ist, nimmt Projektleiter Einsle den Mund mit dem Versprechen vom Platzangebot einer Limousine vielleicht ein bisschen voll. Doch zumindest die Sache mit der Variabilität eines Kombi stimmt. Denn die Klappe des A7 reicht bis ins Dach und ist damit größer als bei jedem Standard-Kombi. Mit mindestens 535 Litern Gepäckvolumen kann es die Coupé-Limousine tatsächlich mit vielen Lademeistern aufnehmen.

Das werden wir nicht vergessen: Die spektakuläre Inszenierung von Frontscheinwerfern und Rücklichtern zur Begrüßung und zum Abschied. Falls man den A7 tagsüber tatsächlich übersehen sollte, wird er zumindest bei Dunkelheit endgültig zum Blickfang.

Hersteller: Audi
Typ: A7 55 TFSI
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Benzindirekteinspritzer mit Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 340 PS (250 kW)
Drehmoment: 500 Nm
Von 0 auf 100: 5,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,8 Liter
CO2-Ausstoß: 154 g/km
Kofferraum: 535 Liter
Preis: 67.800 EUR
insgesamt 95 Beiträge
d.selle 08.02.2018
1. 1900kg Edelschrott
zum Wucherpreis, Verbrauchswerte wer es denn glauben mag. Die Realität dürfte 2-3 Liter darüber liegen. Netter Elektronikspielkasten spätestens nach 10 Jahren wertlos. So definiert die Industrie sieht ökologisch korrekte [...]
zum Wucherpreis, Verbrauchswerte wer es denn glauben mag. Die Realität dürfte 2-3 Liter darüber liegen. Netter Elektronikspielkasten spätestens nach 10 Jahren wertlos. So definiert die Industrie sieht ökologisch korrekte Fortbewegung.
A.L.6767 08.02.2018
2. Touchwahn!
Es ist zu hoffen, daß die unbestreitbaren haptischen Vorteile von Drehknöpfen, Schaltern und Tasten wieder entdeckt werden von den aktuell offenbar überbezahlten Interieurdesignern. Wir brauchen nicht noch mehr potentielle [...]
Es ist zu hoffen, daß die unbestreitbaren haptischen Vorteile von Drehknöpfen, Schaltern und Tasten wieder entdeckt werden von den aktuell offenbar überbezahlten Interieurdesignern. Wir brauchen nicht noch mehr potentielle Ablenkungen im Straßenverkehr! Vibrierendes Feedback vom Bildschirm ist ein Witz und kann doch nur bestätigen, daß irgendeine Aktion erfolgte...
einza 08.02.2018
3. nur ein Wort:
Traumhaft. Das ist blechgewordene Kunst. Träumen und auf den Ersten im Straßenverkehr warten. Danke Audi.
Traumhaft. Das ist blechgewordene Kunst. Träumen und auf den Ersten im Straßenverkehr warten. Danke Audi.
widower+2 08.02.2018
4. Warnblinker?
Ein Warnblinker hat sich nicht zu verbergen, sondern deutlich sichtbar zu sein. Ein No Go, das eigentlich nicht zulassungsfähig sein sollte.
Ein Warnblinker hat sich nicht zu verbergen, sondern deutlich sichtbar zu sein. Ein No Go, das eigentlich nicht zulassungsfähig sein sollte.
Speedwing 08.02.2018
5. Alles Killkriterien
Mäusekino, Lightshow, usw. nach ein paar Jahren fangen die Reparaturen an und dann...viel Spaß noch mit der Karosse.
Mäusekino, Lightshow, usw. nach ein paar Jahren fangen die Reparaturen an und dann...viel Spaß noch mit der Karosse.
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