Auto

Autogramm Dacia Duster

Er hat sich schick gemacht!

Einfach nur billig sein, das reicht Dacia nicht mehr. Wenn im Januar die zweite Generation des Duster vorfährt, funkelt der Schnäppchen-SUV wie die Super-Bombette an Silvester. Der Preis: bleibt trotzdem heiß.

Dacia
Von
Mittwoch, 06.12.2017   04:45 Uhr

Der erste Eindruck: Glänzend!

Das sagt der Hersteller: "Mit der zweiten Generation des Duster beweisen wir einmal mehr, dass SUV-Fahren kein Luxus sein muss", sagt Dacia-Produktmanager Benjamin Blanke. Einerseits. Andererseits bewegt sich der neue Duster gleichzeitig doch ein kleines Stück in Richtung Opulenz. "Früher haben wir die niedrigen Preise vor allem durch die Nutzung bewährter Technik und das Weglassen vieler Extras erreicht", sagt Blanke. "Jetzt nutzten wir die modernste Konzerntechnik und haben es geschafft, eine Reihe wichtiger Optionen anbieten zu können, die man von Dacia so vielleicht nicht erwartet hätte - und das, ohne groß an der Preisschraube zu drehen."

Das ist uns aufgefallen: Duster bleibt Duster - daran ändern auch das Lametta am Kühlergrill und die neuen Plastikplanken an der Flanke nichts. Auch, weil der neue die Plattform des Vorgängermodells aufträgt. Die Größen- und Platzverhältnisse sowie die Architektur des Innenraums blieben deshalb nahezu unverändert. Man sitzt vorne sehr ordentlich, der Platz in der zweiten Reihe reicht auch für Kinder jenseits des Grundschulalters, und wer halbwegs vernünftig packt, der kann bei 478 bis etwa 1500 Liter Kofferraum mit dem Duster auch in den Urlaub fahren.

Foto: DER SPIEGEL

Dass sich der Wagen trotzdem ein bisschen anders anfühlt als bislang, liegt an einigen Feinheiten. Die Sitze zum Beispiel sind straffer gepolstert, haben eine längere Beinauflage und sind deshalb endlich so bequem, dass einem nicht schon nach einer halben Stunde das Sitzen zur Qual wird. Für hörbar mehr Ruhe an Bord sorgen eine um vier Millimeter dickere Frontscheibe und mehr als doppelt so viele schallabsorbierende Oberflächen in der Kabine wie bislang. Und weil das Cockpit jetzt ein bisschen dem Fahrer zugeneigt wurde, fühlt man sich hinter dem Steuer gleich viel ernster genommen.

Allerdings - ein Fahrer-Auto ist der Duster deshalb noch nicht. Gemütlich Ankommen ist eher seine Devise, weswegen die Entwickler die Lenkung eher weich und das Fahrwerk entsprechend komfortabel ausgelegt haben. Wer um Kurven räubern oder über die Autobahn brennen will, der sollte ein anderes Auto kaufen oder - auch mal eine Idee - einfach selber Sport treiben. Zum Beispiel etwas Krafttraining an der Heckklappe des Duster, denn eine elektrische Öffnung wird nach wie vor nicht angeboten.

Das muss man wissen: Der Duster ist das erfolgreichste Dacia-Modell in Deutschland und verdankt das vor allem dem vergleichsweise günstigen Preis. So war das Vorgängermodell für zuletzt 10.690 Euro der mit Abstand billigste SUV im Land. Diese Position verteidigt auch der Nachfolger, wenn er ab 13. Januar in den Handel kommt. Selbst wenn auch Dacia der Versuchung nach Mehrerlös nicht widerstehen kann und den Grundreis auf 11.290 Euro anhebt.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Dacia Duster - mit unserem 360-Grad-Foto:

Angeboten wird der Duster mit vier Motorisierungen. Es gibt zwei Benziner, einen mit 1,6 Liter Hubraum und 114 PS und einen mit 1,2 Liter und 125 PS. Zudem zwei Diesel, die bei 1,6 Liter Hubraum auf 90 oder 109 PS kommen. Bis auf den schwächeren Diesel bietet Dacia alle Varianten auch mit Allradantrieb an; und für den starken Diesel mit Frontantrieb gibt es auch ein Automatikgetriebe mit Doppelkupplung. Egal welche Variante man nimmt, richtig schnell ist man mit keiner unterwegs - spätestens bei 171 km/h ist Schluss. Dafür fährt man aber relativ sparsam.

Während man die Motoren aus den bisherigen Duster-Typen und aus anderen Dacia-Modellen kennt, bietet die Ausstattungsliste ein paar Überraschungen. So kann man den SUV erstmals mit Klimaautomatik und einem Funkschlüssel bestellen, weiterhin ist eine imposante 360°-Rundumsicht auf dem großen Touchscreen verfügbar, die mit Weitwinkel-Kameras an allen vier Fahrzeugseiten arbeitet; es gibt sogar einen Totwinkelwarner und erstmals Fenster-Airbags - letztere sind sogar serienmäßig an Bord. Selbst wenn der Preis mit allen Extras in die Höhe schnellt, der Duster bleibt dennoch ein Schnäppchen. Mit allen Optionen kommt er auf kaum mehr als 20.000 Euro und ist damit, voll ausgestattet, noch immer günstiger als der billigste und einfachste VW Tiguan.

Das werden wir nicht vergessen: Es sind nur Kleinigkeiten, und sie kosten nicht viel, doch schon die paar Chromkleckse auf den Lüfterklappen, der Metallring auf dem Schaltknauf und die Digitaldisplays in den Drehrädchen der Klimaautomatik bedeuten einen großen Unterschied: Das bisschen Gefunkel reicht aus, um den Fahrer zu blenden und ihn über die triste Plastikwüste drum herum hinwegsehen zu lassen.

Hersteller: Dacia
Typ: Duster (2017)
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.461 ccm
Leistung: 109 PS (80 kW)
Drehmoment: 260 Nm
Von 0 auf 100: 11,8 s
Höchstgeschw.: 171 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 115 g/km
Kofferraum: 445 Liter
umgebaut: 1.478 Liter
Preis: 15.700 EUR
insgesamt 120 Beiträge
was-zum-teufel... 06.12.2017
1. Lieber ein gebrauchter Mercedes,
als ein neuer Dacia. Dieser kann soviel BlingBling enthalten, wie er will. Er bleibt immer eine billig zusammengeschusterte Kiste mit Design von 1992. Furchtbar. Ach ja: Ersatzteile sind bei Mercedes wirklich viel günstiger.
als ein neuer Dacia. Dieser kann soviel BlingBling enthalten, wie er will. Er bleibt immer eine billig zusammengeschusterte Kiste mit Design von 1992. Furchtbar. Ach ja: Ersatzteile sind bei Mercedes wirklich viel günstiger.
Herr Bayer 06.12.2017
2. Immer die Plastikwüste
die so unerträglich sein soll. Beim T-ROC wird ebenfalls Hartplastik verbaut - das sei aber "angemessen" - so VW.
die so unerträglich sein soll. Beim T-ROC wird ebenfalls Hartplastik verbaut - das sei aber "angemessen" - so VW.
kiwi.pro 06.12.2017
3. Kein Fahrer-Auto
Wie nennt Herr Grünweg denn Menschen, die einfach nur preisgünstig, bequem, sicher und in akzeptabeler Zeit von A nach B kommen wollen. Menschen die ausreichen private und berufliche Anerkennung erhalten und sich nicht über [...]
Wie nennt Herr Grünweg denn Menschen, die einfach nur preisgünstig, bequem, sicher und in akzeptabeler Zeit von A nach B kommen wollen. Menschen die ausreichen private und berufliche Anerkennung erhalten und sich nicht über Hubraum, PS, Höchstgeschwindigkeit und straffes Fahrwerk bzw. Lenkung definieren müssen? Übrigens sind schon die Sitze des Vorgängers völlig ausreichend bequem für das tägliche Pendeln und auch Mal 12 stündige Urlaubsfahrten.
barlog 06.12.2017
4.
Wie jetzt, eine elektrisch betriebene Heckklappe ist heutzutage so selbstverständlich, dass das Bedienen einer nicht so Ausgestatteten als "Sporttreiben" bezeichnet wird?
Wie jetzt, eine elektrisch betriebene Heckklappe ist heutzutage so selbstverständlich, dass das Bedienen einer nicht so Ausgestatteten als "Sporttreiben" bezeichnet wird?
Überfünfzig 06.12.2017
5. Nicht schnell, ....
....keine automatische Heckklappe, eine softe Federung und Lenkung die bestimmt alles alltagstauglicher macht, als diese verkappten Pseudorenner mit Sportirgendetwas. Hartplastik! So what, aber pflegeleicht. Wäre ich eine [...]
....keine automatische Heckklappe, eine softe Federung und Lenkung die bestimmt alles alltagstauglicher macht, als diese verkappten Pseudorenner mit Sportirgendetwas. Hartplastik! So what, aber pflegeleicht. Wäre ich eine Autokäufer der Venunft wäre dieser Wagen die erste Wahl, auch weil man daran noch schrauben kann und nicht eine ständige Provokation seitens der Hersteller ist, für jedes Wehwechen sein Geld zum Kundenservice tragen zu müssen. Das Teil ist viel mehr Volkswagen, als der doppelt so teure Golf und unglaublich wertstabil als Gebrauchtwagen. Woran das wohl liegt?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP