Mobilität

Autogramm Jeep Compass

Auf Kurs

Mini-SUV boomen, aber ausgerechnet Jeep, quasi Erfinder des SUV, hatte in dem wichtigen Segment bislang wenig Attraktives zu bieten. Jetzt will die US-Marke der Konkurrenz mit dem neuen Compass wieder zeigen, wo es langgeht.

Jeep
Von
Freitag, 31.03.2017   05:11 Uhr

Der erste Eindruck: Western trifft Zeichentrick - die dritte Generation des Jeep Compass sieht aus wie ein Cowboyheld aus einem Cartoon.

Das sagt der Hersteller: Der Compass soll Jeep weiter den Weg aufwärts weisen. Schon jetzt verkauft die amerikanische Fiat-Tochtermarke, vor allem dank des Modells Renegade, mehr Autos als je zuvor. Weltweit hat Jeep seit 2010 in jedem Jahr eine neue Bestmarke an Zulassungen erzielt. In Europa habe man allein im vergangenen Jahr ein Plus von 19 Prozent erzielt, sagt Regionalleiter Dante Zilli. Und das, obwohl ausgerechnet im wichtigsten Segment des SUV-Marktes, in dem Autos wie der Opel Mokka oder der Seat Ateca zu Hause sind, eine Lücke klaffte. Die will Zilli mit dem neuen Compass schließen und geht davon aus, dass der kompakte Geländewagen deshalb schon bald zum meistverkauften Modell der Marke avancieren wird.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Jeep Compass - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das ist uns aufgefallen: Die Richtung stimmt. Man steigt in den Compass ein und fühlt sich sofort wie zu Hause. Zwar könnten die Sitze etwas mehr Beinauflage und Seitenhalt bieten, aber man hat bequem Platz auf allen Plätzen, der Kleinkram verschwindet wie von selbst in knapp einem Dutzend Ablagen und wohin man auch schaut, gibt es Strom fürs digitale Infotainment. Ob via USB, 12- oder 220-Volt-Anschluss - im Compass gibt es immer elektrische Energie.

Foto: Tom Grünweg

Dabei braucht man eigentlich gar kein Smartphone in diesem Auto. Weil die Entwickler begriffen haben, dass sich auch ein Jeep eher im Stadtverkehr als in der Steppe bewähren muss, erhält der Compass nicht nur jede Menge Assistenzsysteme vom Abstandstempomat bis zum Toter-Winkel-Warner, sondern auch ein richtig gutes Infotainment-System. Auf dessen 8,4 Zoll großem Touchscreen kann man navigieren, durch zahlreiche Apps surfen, das Smartphone (sowohl Apple als auch Android) spiegeln und fast alle Fahrzeugfunktionen ansteuern. Deshalb gibt es sonst auch kaum noch Knöpfe im Cockpit.

Vom Spagat zwischen Abenteuer und Alltag zeugt auch die Abstimmung des Compass. Zwar kann man das Fahrwerk mit einer speziellen Programmierung für die Traktionskontrolle - ähnlich wie bei Land Rover - für Sand, Schlamm, Schnee oder steinigen Untergrund optimieren. Doch genauso gut wie im Gelände schlägt sich das Auto auf Asphalt, weil es angenehm wendig ist, die Lenkung auf erfreulich straffe Art zielführend wirkt und weil man dank hoher Sitzposition und großzügiger Aussicht einen guten Überblick behält.

So gut der erste Eindruck auch sein mag, so praktisch und geräumig sich das Auto gibt und so modern seine Elektronik-Ausstattung ist, richtige Begeisterung bleibt aus. Ausgerechnet Jeep, der selbst ernannte Erfinder des Geländewagens, hat mit dem Compass ein SUV auf die Räder gestellt, das mit der Masse fährt und kaum Akzente setzt. Schon möglich, dass der Wagen im Gelände mehr kann als die Konkurrenz, besonders gilt das wohl für die Variante Trailhawk mit größerer Bodenfreiheit, stabilen Schutzplanken und einem aufwändigen Allradantrieb. Doch alles, was der Compass auf dem Asphalt und im Alltag kann, ist nicht mehr als gehobener Durchschnitt: Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, aber eben nicht wegweisend.

Fotostrecke

Autogramm Jeep Compass: Da geht's lang

Vorreiter sind mittlerweile andere: Der Opel Mokka ist mit OnStar besser vernetzt. Der Renault Captur hat pfiffigere Details im Innenraum. Kia Niro oder Toyota C-HR bieten mit ihren Hybridmotoren den zukunftsweisenderen Antrieb. Land Rover gibt es mit der elektronischen Wasserstandsmeldung oder dem Gelände-Tempomaten die intelligentere Offroad-Technik. So spricht für den Jeep erst mal der Außenseiter-Bonus. Denn obwohl die Marke das SUV quasi miterfunden hat, ist sie im aktuellen deutschen Straßenbild eher selten.

Das muss man wissen: Technisch basiert der 4,40 Meter lange Wagen auf dem Jeep Renegade, von dem er auch die Motor- und Antriebskonfigurationen übernimmt. Bei uns gibt es den Wagen deshalb mit Front- oder zwei unterschiedlichen Allradsystemen, mit Handschaltung sowie zwei Automatikgetrieben mit sechs oder neun Gängen und drei Motoren: Einem 1,4-Liter großen Benziner mit 140 oder 170 PS, einem 1,6-Liter-Diesel mit 120 sowie einem 2,0 Liter-Diesel, mit ebenfalls 140 oder 170 PS. Weil es bis zur Markteinführung im Juli noch mehr als ein Vierteljahr dauert, hat Jeep die technischen Daten noch nicht komplett beisammen. Doch zumindest den Grundpreis haben die Verantwortlichen schon kalkuliert. Bei exakt 25.000 Euro geht es los. Damit kostet der Compass etwa 1700 Euro mehr als der kleinere Renegade und 500 Euro weniger als der billigste und deutlich schwächere Opel Mokka.

Das werden wir nicht vergessen: Die vergebliche Suche nach den sogenannten Ostereiern, die Jeep sonst immer in seinen Modellen versteckt - kleine, augenzwinkernde Details wie die Spinnengrafik im Tankdeckel oder die Silhouette des Willys Jeep im dunklen Rahmen der Frontscheibe. Beim Compass waren solche Details auch nach Stunden nicht zu entdecken. Entweder weil sie zu gut versteckt sind. Oder weil die Entwickler bei einem derart wichtigen Auto für solche Nebensächlichkeiten einfach keine Zeit hatten.

Hersteller: Jeep
Typ: Compass (2017)
Karosserie: SUV
Motor: Vierzlinder-Turbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.368 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 230 Nm
Kofferraum: 490 Liter
Preis: 25.000 EUR
insgesamt 25 Beiträge
gummiball2 31.03.2017
1.
Seit Fiat die Marke Jeep übernommen hat sehen deren Autos...nun ja...nicht besonders toll aus. Aber über Geschmack lässt sich streiten.
Seit Fiat die Marke Jeep übernommen hat sehen deren Autos...nun ja...nicht besonders toll aus. Aber über Geschmack lässt sich streiten.
ardbeg17 31.03.2017
2.
werden dann auch die NOX- Messergebnisse veröffentlicht?
werden dann auch die NOX- Messergebnisse veröffentlicht?
DerBlicker 31.03.2017
3. wo stehen denn die Fahrleistungen des Jeep?
Sind wohl nicht so berauschend. Guter Durchschnitt ist daher vermutlich nett ausgedrückt.
Sind wohl nicht so berauschend. Guter Durchschnitt ist daher vermutlich nett ausgedrückt.
bart001 31.03.2017
4. Schade, die grossen Benziner werden in D wieder nicht angeboten
In den USA gibt es auch 2,0l und 2,4l zur Auswahl. Da wir in D aber alle zu Klimarettern erzogen werden sollen dürfen diese Motoren hier nicht angeboten werden :-( Ansonsten ein netter Wagen. Mir gefählt der helle Innenraum, den [...]
In den USA gibt es auch 2,0l und 2,4l zur Auswahl. Da wir in D aber alle zu Klimarettern erzogen werden sollen dürfen diese Motoren hier nicht angeboten werden :-( Ansonsten ein netter Wagen. Mir gefählt der helle Innenraum, den man bei deutschen Anbietern ja leider kaum erhalten kann. Technisch alles verfügbar was man üblicher Weise erwarten würde, es sei denn man braucht wirklich ein volldigitales Armaturenbrett, Gestensteuerung und Head-Up-Display. Und UConnect ist eines der besten Infotainment-Systeme auf dem Markt. In dieser Fahrzeugkategorie sicher eine Alternative zu den üblichen Verdächtigen.
GuWi 31.03.2017
5. Klimaschutz ?
Das Bild ist wahrlich treffend! Nach uns die Sintflut
Das Bild ist wahrlich treffend! Nach uns die Sintflut
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP