Mobilität

Autogramm Renault Mégane RS

Provokation ab Tempo 250

Renault ist bekannt für Kleinwagen wie den Twingo und Familienkutschen wie den Scénic, aber auch für sein Engagement in der Formel 1. Das wiederum schlägt sich jetzt im neuen Kompaktwagen Mégane RS nieder.

Foto: Renault
Von
Donnerstag, 19.07.2018   04:42 Uhr

Der erste Eindruck: Wie Asterix kurz vor der Konfrontation mit den Römern - Dieser Eindruck entsteht durch aggressiv blickende Scheinwerfer und ein muskulöses Karosseriedesign.

Das sagt der Hersteller: Renault sieht den Mégane RS als ideales Spielzeug für Menschen mit Benzin im Blut und Digital Natives gleichermaßen. In dem Wagen stecke reichlich Erfahrung aus dem Motorsport, teilt der Hersteller mit. Mit seinem Infotainmentsystem und dem virtuellen Fahrertraining böte der Wagen aber auch alles, was die Generation iPhone von Renn-Simulationen kenne. Der Mégane RS steigere das Selbstbewusstsein der Marke. Denn während der normale Mégane gegen den Klassenprimus VW Golf keinen Stich macht, soll der Mégane RS der bessere Golf GTI sein.

Fotostrecke

Autogramm Renault Mégane RS: Le Kraftmeier

Das ist uns aufgefallen: Während man früher mit hochgezüchteten Kompaktautos auffallen und dadurch auch anecken konnte, ist der neue Mégane RS äußerlich eher zahm geworden. Zwar haben die französischen Ingenieure ihren Kompakten zum Muskelaufbau geschickt und die Karosserie im Vergleich zum normalen Mégane um sechs Zentimeter verbreitert. Die LED-Elemente der Zusatzscheinwerfer erinnern nicht von ungefähr an eine Zielflagge. Doch weil man angesichts des Neupreises eines Mégane RS zum Establishment gehören muss, wenn man so ein Auto fahren will, wirkt das Sportmodell vergleichsweise etabliert und arriviert. Auch innen bleibt der RS lieber unauffällig. Die Sitze sind zwar stärker konturiert, das Lenkrad griffiger, die Pedale tragen Auflagen aus Aluminium und ringsum gibt es neue Zierkonsolen im Race-Look - dennoch taugt der RS nach wie vor als Familienauto.

Doch es braucht nur einen Knopfdruck, dann verändert der RS den Charakter: Im eingeschalteten "Sport"-Mode schaltet das Doppelkupplungsgetriebe dann rasend schnell und überspringt beim Runterschalten auch mal einen Gang, die Lenkung wirkt steifer und präziser und der Motor spricht schneller auf das Gaspedal an. Im "Race"-Mode schaltet auch noch das Stabilitätsprogramm ESP ab, sodass man ein wenig das Heck des Wagens kommen lassen kann. Außerdem ist der Drehzahl-Begrenzer deaktiviert und der 1,8-Liter-Vierzylinder lässt sich willig über 6000 Touren jubeln. Allerdings klingt er dabei längst nicht mehr so wild und ungehobelt wie das Aggregat des Vorgängermodells. Und die Fehlzündungen, die die Elektronik einstreut, entlarvt man schnell als Fake-Sounds.

Mithilfe der Launch-Control, die einen perfekten Rennstart des Autos ermöglicht, jagt man in 5,8 Sekunden auf Tempo 100, und wer danach auf dem Gas bleibt, dem zeigt der Tacho dann bald 255 km/h an. Egal ob GTI oder Cupra, RS, ST oder Type-R - schnell und stark sind die kompakten Kraftmeier alle, ihre Fahrwerke sind härter abgestimmt als üblich und die Lenkungen direkter. Dass Renault den Mégane RS, anders als VW den Golf GTI, nicht bei 250 km/h abregelt, ist eher eine politische Provokation denn technische Überlegenheit. Denn lange Zeit gab es eine Selbstverpflichtung vieler Autohersteller, die Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h zu beschränken.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Renault Megane RS - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der kompakte Renault wartet im Vergleich zur Konkurrenz mit einer Besonderheit auf: dank Allradlenkung schlagen bei Fahrten mit Landstraßentempo die Hinterräder entgegen der Vorderräder ein, verkürzen so künstlich den Radstand und lassen den ohnehin sauber ausbalancierten und gut beherrschbaren Mégane noch leichter um die Ecken fahren. Bei Autobahntempo dagegen schlagen sie parallel mit den Vorderrädern ein und erleichtern den Spurwechsel bei hohem Tempo.

Das muss man wissen: Der Renault Mégane RS ist bereits im Handel und kostet mindestens 33.690 Euro. Dafür gibt es den Fünftürer mit einem neuen 1,8-Liter-Motor, der auch im Alpine verbaut wird. Im Mégane kommt er allerdings schon in der Grundversion auf 280 PS Leistung und 390 Nm Drehmoment und wird später im nachgeschärften Mégane RS Trophy mit 299 PS und 400 Nm angeboten.

Die Entwickler von Renault Sport rühmen sich des Einbaus zahlreicher Motorsport-Komponenten. Das jedoch gilt beim RS nicht nur für die Hardware wie das optionale Cup-Fahrwerk, die entkoppelte Lenkachse oder die Stoßdämpfer mit hydraulischem Endanschlag, sondern auch die Software wurde getunt. So läuft auf dem senkrecht installierten Touchscreen auf der Armaturentafel nun eine Experten-Version des sogenannten RS-Monitors. Mit der kann man nicht nur Motordaten auslesen wie in der Formel 1, sondern es lässt sich auch über Bluetooth das Smartphone oder eine Action-Cam einbinden, um die Fahrt aufzuzeichnen und später, zusammen mit den Motordaten, zu analysieren.

Das werden wir nicht vergessen: Die eigenwillige Geräuschkulisse im Mégane RS. Während der Motor bisweilen klingt, als hätte er Kreide gefressen, rattert und knattert der Spurhalteassistent umso lauter. Das nervt, ist aber vielleicht trotzdem eine gute Sache. Denn so stellt Renault sicher, dass die Kunden auch mit sehr viel Leistung nicht vom rechten Weg abkommen.

Hersteller: Renault
Typ: Megane RS
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.800 ccm
Leistung: 280 PS (206 kW)
Drehmoment: 390 Nm
Von 0 auf 100: 5,8 s
Höchstgeschw.: 255 km/h
CO2-Ausstoß: 155 g/km
Kofferraum: 384 Liter
umgebaut: 1.247 Liter
Preis: 33.690 EUR
insgesamt 57 Beiträge
ExigeCup260 19.07.2018
1.
Renault hatte mal den R5 Turbo als Homologationsmodell für die damalige Gruppe B im Rallyesport und später mal den Clio Sport V6 im Angebot, beide entfernt von der Serie mit Mittelmotorkonzept... - das waren technisch [...]
Renault hatte mal den R5 Turbo als Homologationsmodell für die damalige Gruppe B im Rallyesport und später mal den Clio Sport V6 im Angebot, beide entfernt von der Serie mit Mittelmotorkonzept... - das waren technisch anspruchsvolle Autos, die jeden Cent wert waren. So ein Megane RS wird ein seelenloses Profitvehikel bleiben, der Entwicklungsaufwand für Renault hält sich in Grenzen. Leider wird es genug Konsumenten geben, die das Gefühl haben werden, mit einem Frontantriebskratzer mit Serienchassis und ein paar Ziernähten einen Rennwagen erworben zu haben.
sekr 19.07.2018
2. der Verbrauch
Wird jetzt gar nicht mehr angegeben? OK, kann man ja über CO2 zurück rechnen. Und dann die üblichen 40% dazu.
Wird jetzt gar nicht mehr angegeben? OK, kann man ja über CO2 zurück rechnen. Und dann die üblichen 40% dazu.
smartphone 19.07.2018
3. Tja früher
So ein Porsche 910 war ein tolles Auto - nur eben nicht Stautauglich .Womit wir beim Hauptübel sind. Heute fährt quasi alles über 200 oder eben noch etwas mehr. Schon ein Audi 4 Kombi traktiert mit nem 300 km/h Tacho ... [...]
So ein Porsche 910 war ein tolles Auto - nur eben nicht Stautauglich .Womit wir beim Hauptübel sind. Heute fährt quasi alles über 200 oder eben noch etwas mehr. Schon ein Audi 4 Kombi traktiert mit nem 300 km/h Tacho ... Krass gesprochn ist das einzig sinnvolle Feature heute ein Automatikgetriebe, was einem diese Stop-anf-Go Rumgekuppel erspart ..... Oder anders formuliert , auf den üblichen Gewichtsgründen reicht die zweitniedrigste Motorisierung völlig. den RS sollte man auch in dezenter Farboptik anbieten - Heutzutage posen nur noch Prollis und ebensolche Neureiche,
Überfünfzig 19.07.2018
4. So ein Auto aus einem Land…..
….wo jetzt mobile private Greiftrupps im Auftrag der Departments zur fröhlichen Jagd auf Temposünder blasen dürfen. Mit einer weiteren Herabsetzung des Tempos auf Landstrassen und Autobahnen können wir uns eigentlich den [...]
….wo jetzt mobile private Greiftrupps im Auftrag der Departments zur fröhlichen Jagd auf Temposünder blasen dürfen. Mit einer weiteren Herabsetzung des Tempos auf Landstrassen und Autobahnen können wir uns eigentlich den ganzen Technikschmu nebst toller Fahrwerke schenken und die Fahrzeuge dadurch billiger machen, das wir wieder auf Starrachse vorne und hinten zurückkommen. Das reicht dann auch für die 95% der deutschen Autofahrer, die ihren befahrenen Straßenabschnitt zur persönlichen Relaxzone erklären. Passend dazu und aus dem wirklichen Leben ein am letzten Sonntag vor mir fahrendes Cabrio mit max. 65 km/h, wo der Fahrer zur Nackenunterstützung noch ein aufblasbares Kissen geklemmt hat. Ich dachte nur, hoffentlich schläft der gute Mann jetzt mal nicht hinter dem Steuer ein
quercusuevus 19.07.2018
5.
Sooo schlecht macht sich der auf der Rennstrecke nicht, oder? https://www.autoevolution.com/news/2018-renault-megane-rs-hits-nurburgring-for-fwd-record-7438-target-in-sight-118742.html Der Exige Cup 380 ist nur unwesentlich [...]
Zitat von ExigeCup260Renault hatte mal den R5 Turbo als Homologationsmodell für die damalige Gruppe B im Rallyesport und später mal den Clio Sport V6 im Angebot, beide entfernt von der Serie mit Mittelmotorkonzept... - das waren technisch anspruchsvolle Autos, die jeden Cent wert waren. So ein Megane RS wird ein seelenloses Profitvehikel bleiben, der Entwicklungsaufwand für Renault hält sich in Grenzen. Leider wird es genug Konsumenten geben, die das Gefühl haben werden, mit einem Frontantriebskratzer mit Serienchassis und ein paar Ziernähten einen Rennwagen erworben zu haben.
Sooo schlecht macht sich der auf der Rennstrecke nicht, oder? https://www.autoevolution.com/news/2018-renault-megane-rs-hits-nurburgring-for-fwd-record-7438-target-in-sight-118742.html Der Exige Cup 380 ist nur unwesentlich schneller ;-)
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP