Mobilität

Autogramm VW Tiguan

Meister Propper

Stadt, Land, Fluss? Von wegen. Der neue Tiguan wird sich vor allem im Alltag bewähren müssen. Die zweite Generation des Kompakt-SUV tritt mit allerlei brauchbaren Verbesserungen an - die mit Offroad nichts zu tun haben.

VW
Samstag, 09.04.2016   09:21 Uhr

Der erste Eindruck: Na also, es geht doch. Aus dem Langweiler der ersten Tiguan-Generation ist aufgrund neuer Proportionen und schärferer Linien doch noch ein Hingucker geworden. Oder so ähnlich.

Das sagt der Hersteller: "Die wichtigste VW-Neuheit in diesem Jahr", nennt Produktmanager Thomas Treptow die zweite Generation des Tiguan und begründet das mit dem Erfolg des Vorgängermodells. Das hat sich seit der Premiere im Jahr 2007 in rund 170 Ländern mehr als 2,8 Millionen Mal verkauft, steht in Deutschland seit Jahren an der Spitze des SUV-Segments und ist neben den VW-Baureihen Polo, Golf und Passat mittlerweile zur vierten tragenden Säule der Marke geworden.

Der neue Tiguan ist noch aus einem anderen Grund wichtig für VW: Er markiert den Beginn einer SUV-Offensive. Es wird eine XL-Version mit drei Sitzreihen geben, ebenso ein Tiguan-Coupé; dazu einen neuen Touareg und auch noch mindestens zwei kleinere SUV-Modelle. "Bis zum Ende der Dekade haben wir in jedem relevanten Segment mindestens einen SUV", sagt Treptow.

Das ist uns aufgefallen: Der Tiguan macht keinen Hehl aus seiner Bestimmung als Kinderkutsche. Kniefreiheit statt Bodenfreiheit, das ist sein Motto. Wichtiger als der angedeutete Unterfahrschutz ist deswegen die niedrige Ladekante, auch über Klapptische für die Hinterbänkler oder größenverstellbare Becherhalter freut sich die Tiguan-Zielgruppe bestimmt. Genau wie über sechs Zentimeter mehr Länge und acht Zentimeter mehr Radstand, aus denen mehr Raum auf allen Plätzen resultiert. Die Rückbank lässt sich um bis zu 18 Zentimeter verschieben, was hilfreich ist, wenn viel Gepäck verstaut werden soll.

Foto: Tom Grünweg
Ungewöhnlich für einen SUV in dieser Klasse ist das Ambiente. Während viele Konkurrenzmodelle mit einem rustikalen Anstrich versehen sind, setzt VW beim neuen Tiguan auf Hightech. Zur vornehmen Materialauswahl und der streng geometrischen Einrichtung kommen jetzt - auf Wunsch und gegen Aufpreis - auch faszinierend animierte Instrumente anstelle der analogen Anzeigen sowie ein großer Touchscreen für Online-Navigation, Infotainment, Smartphone-Integration, Kamera-Überwachung rundum und den App-Store. Nur das Head-up-Display mit der ausklappbaren Plexiglas-Scheibe wirkt in dieser schmucken Welt aus einem Guss wie eine Bastellösung, die nachträglich ins Cockpit geschustert wurde.

Das Einzige, was den Tiguan im Innenraum noch als SUV outet, ist der Drehschalter neben dem 4motion-Schriftzug auf der Mittelkonsole. Mit dem kann man die Elektronik von Allradantrieb und Assistenzsystemen auf das jeweilige Terrain einstellen und dann tatsächlich durch Schnee oder Schlamm kriechen, über Geröll kraxeln, durchs Wasser waten oder Feldwege unter die Räder nehmen. Und wer nur lange genug auf dem Touchscreen herum fingert, findet dort auch die dazu passenden Infografiken und Kamerabilder. Ganz schön viel Aufwand für Eventualitäten, die kaum je ein Tiguan-Kunde erleben wird.

Das muss man wissen: Wenn der Tiguan Ende April in den Handel kommt, wird das billigste Modell für 30.025 Euro angeboten. Dafür gibt es den 150-PS-Diesel mit Frontantrieb, der bei der bisherigen Baureihe das meistverkaufte Modell war. Für 2000 Euro mehr verkauft VW den Tiguan mit Allradantrieb, und als einziger Benziner steht für 34.450 Euro ein 180-PS-Motor zur Wahl. Insgesamt planen die Niedersachsen aber mit einer Motorenpalette von je vier Diesel- und Benzinaggregaten, die im Laufe der Zeit komplettiert wird. Der noch fehlende 125-PS-Benziner und der 115-PS-Diesel werden den Preis jeweils deutlich unter 30.000 Euro drücken, Benziner mit bis zu 240 PS am anderen Ende der Skala Kosten und Fahrspaß treiben.

Natürlich muss man diese Aufrüstung nicht mitmachen. Auch der 190- PS-TDI aus dem Testwagen steht mit bis zu 400 Nm Drehmoment so gut im Futter, dass der Zwischenspurt beim Überholen zum Kinderspiel wird. Da sieht man dem Triebwerk gerne nach, dass es bisweilen ganz schön brummig ist.

VW hat aber nicht nur unter der Haube nachgerüstet, sondern auch bei Ausstattung und Assistenzsystemen. Sieben Airbags sind genauso Standard wie die erste aktive Motorhaube aus Wolfsburg, die bei Zusammenstößen mit Fußgängern deren Verletzungen mindern soll oder die Spurführungshilfe. Und gegen Aufpreis gibt es Extras wie einen Staupiloten oder die Fahrprofile mit verstellbarem Set-up. Obwohl das Auto deutlich größer ist und mehr Technik beinhaltet, wird es nicht schwerer. Im Gegenteil: Der neue Tiguan wiegt um bis zu 50 Kilo weniger.

Das werden wir nicht vergessen: Es bleiben vor allem Details in Erinnerung, die man eher von einem Van oder Kombi erwartet hätte. Die praktische LED-Taschenlampe im Kofferraum zum Beispiel, die verschiebbare Rückbank oder die vielen Ablagen bis hin zu den separaten Steckplätzen für zusätzliche Speicherkarten im Handschuhfach. Damit sammelt ein SUV heute gewiss mehr Punkte als mit großer Wattiefe oder extremem Böschungswinkel.

insgesamt 38 Beiträge
guevara2000 10.04.2016
1. Schönes Auto...
...aber der Preis...
...aber der Preis...
rocknrolf88 10.04.2016
2. Mal wieder nur Verbrenner
Während andernorts schon die Abschaffung von Verbrennungsmotoren beschlossene Sache ist, präsentiert VW seinen "Zukunfts-Tiguan" ausschließlich mit schmutzigen Benzin- und Dieselmotoren. Kein einziger [...]
Während andernorts schon die Abschaffung von Verbrennungsmotoren beschlossene Sache ist, präsentiert VW seinen "Zukunfts-Tiguan" ausschließlich mit schmutzigen Benzin- und Dieselmotoren. Kein einziger Alternativantrieb im Angebot. Nicht mal ein Hybrid. Tolle Leistung. Da bleib ich doch bei meiner alten Kiste aus 2007 - auch wenn ich dann leider noch auf "faszinierend animierte Instrumente" verzichten muss.
nick_neuer 10.04.2016
3. Ein Hingucker?
Sicher in seiner Klasse ein gutes Auto, wird sich auch blendend verkaufen, aber ein Hingucker? Da ist ein Hyundai Tucson wesentlich aufregender. Persönlich finde ich alles von VW einfach nur gähnend langweilig. Aber [...]
Sicher in seiner Klasse ein gutes Auto, wird sich auch blendend verkaufen, aber ein Hingucker? Da ist ein Hyundai Tucson wesentlich aufregender. Persönlich finde ich alles von VW einfach nur gähnend langweilig. Aber offensichtlich gibt es eine Menge Leute, die das mögen und kaufen.
Mäusemelker 10.04.2016
4. Leute faht lieber gleich Golf ...
Golf 7 Rückleuchten? Baukastensystem bei VW aktiviert! Die Autos dort basieren doch dort inzwischen alle auf den gleichen Komponenten, mit mal mehr, mal weniger Blech drum herum. Die Individualität ist dann pure Einbildung. [...]
Golf 7 Rückleuchten? Baukastensystem bei VW aktiviert! Die Autos dort basieren doch dort inzwischen alle auf den gleichen Komponenten, mit mal mehr, mal weniger Blech drum herum. Die Individualität ist dann pure Einbildung. Also Leute, fahrt lieber gleich Golf, denn das ist und bleibt das Basismodel.
olebjoernmose 10.04.2016
5. Die Optik erinnert mich..
...an eine ziemlich langweilige Kreuzung aus Audi Q3/5 und VW Passat, beides gute Autos aber strunzöde.
...an eine ziemlich langweilige Kreuzung aus Audi Q3/5 und VW Passat, beides gute Autos aber strunzöde.

Mehr im Internet

Anhören

Fahrzeugschein

Hersteller: VW
Typ: Tiguan 2.0 TDI
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 212 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 615 Liter
umgebaut: 1.655 Liter
Preis: 37.475 EUR

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP