Mobilität
Fahrtenbuch

Autobahnraststätten

Essen auf Rädern

Jens Tanz
Sonntag, 15.07.2018   07:08 Uhr

Was tun, wenn auf Autoreisen der Hunger kommt? Entlang des Weges gibt es viele Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme - aber eine ist unattraktiver als die andere, findet unser Autor Jens Tanz.

Auf längeren Touren muss man als Autofahrer auch mal die Gliedmaßen strecken und den Kreislauf beleben. Klassisch geschieht dies schon aus Zeitmangel - nach dem Tanken - im oft unweit der Zapfsäule befindlichen Restaurant. Spätestens mit Betreten der Raststätte fühle ich mich a) wie im Urlaub, b) fern der Heimat und c) wie in einer Zeitblase.

Denn es gibt sie noch diese Rastplatzfutterkrippen, an denen es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben. Draußen riecht es nach Benzin und Urin, drinnen nach Bohnerwachs und uralten Süßigkeiten. Hinter einem echtholzfurnierten Tresen braten Rentner mit Kochmütze Pommes, Nürnberger und Frikadellen. Mit einem Klatsch Sauerkraut werden die mir von einer Kassiererin auf einen Teller mit Blümchendekor befördert. Zusammen mit einer Spezi kostet das dann so rund 14 Euro. Gegessen wird am Tisch aus Kirschholz, gesessen auf Stuhlkissen in neonblauem Neunzigerjahre-Design, modern war das direkt nach der Wende. Es schmeckt irgendwie nicht gut, ist aber schön heiß. Irgendwo dudelt ein mechanischer Spielautomat. Vor 20 Jahren hätten hier noch alle im Zigarettenrauch getafelt. Gestärkt fahre ich weiter.

Auto-Blog "Fahrtenbuch"

Der Triple-Alles-Extrakäse-Barbecue-Burger

Gegen Abend, ich bin fast da, treibt mich mein Hunger erneut an eine Raststätte. Ich folge dem gelben M, die auf Flamme gegrillten Burger oder frittierte Hähnchenschenkel haben klare Vorteile. Fastfood - wie der Name schon sagt - ist schnell zubereitet, schmeckt in jedem Land gleich und ist meistens billig. Das war's dann aber auch schon. Urlaubsgefühle oder Reiselust weckt das nicht, die Läden gibt's schließlich überall. Im Drive-in müsste ich mein Auto gar nicht erst verlassen und würde rosten statt rasten. Außerdem kleckern die viel zu großen Triple-Alles-Extrakäse-Barbecue-Burger immer auf die Sitze. Beides doof, also gehe ich hinein. Im Inneren der Bude toben bunte Kinder, die sich mit Plastikschrott aus dem Happy Meal bewerfen. Ich bin selbst nach drei Burgern mit Pommes und Cola irgendwie unbefriedigt und muss dann auch noch quer durch einen angrenzenden Frikadellen-Rasthof zur überteuerten Toilette laufen. Drei Ausfahrten später bekomme ich irgendwie Bock auf eine Bratwurst und habe stechenden Durst. Ach manno.

Während des Rückwegs am kommenden Tag will ich weder Zeitblase noch Fastfood. Da lobe ich mir die ordinäre Markentankstelle mit dem "Bistrorant", was auch immer das ist. Hier gibt es einen XXL-Kaffee und ein frisch belegtes Baguette (zum Beispiel mit Frikadellen und Kraut) im Gegenwert einer Pauschalreise in die Schweiz. Mayonnaisetriefend und lecker. Auf der warmen Motorhaube meines Autos hält der Kaffee noch lange Zeit seine Temperatur, und ich kann nach ein paar Dehnübungen das fleischige Brötchen mümmeln. Draußen in der Sonne, wo der Verkehr vorbeibrandet wie das Meer und es wieder nach Urlaub riecht. Nach Benzin, Urin und ein bisschen nach glutheißem Vinyldach. Ich glaube, so mag ich es am liebsten.

insgesamt 44 Beiträge
tobi1991 15.07.2018
1. Abzockerei
Ich finde das die Rastätten die Autofahrer abzocken. Nicht nur beim Benzinpreis sondern auch beim Essen und Trinken. Die Preise sind teilweise so absurd hoch und die Qualität dermaßen schlecht.
Ich finde das die Rastätten die Autofahrer abzocken. Nicht nur beim Benzinpreis sondern auch beim Essen und Trinken. Die Preise sind teilweise so absurd hoch und die Qualität dermaßen schlecht.
friemel2000 15.07.2018
2.
Ja, und nu? Was isst man jetzt am besten, wenn man mit den "Rädern" unterwegs ist? Das hier aufgezählte kann doch nicht Gesund sein, oder?
Ja, und nu? Was isst man jetzt am besten, wenn man mit den "Rädern" unterwegs ist? Das hier aufgezählte kann doch nicht Gesund sein, oder?
mazzmazz 15.07.2018
3.
Verstehe ich nicht. Wo sind Sie denn unterwegs? Es gibt mittlerweile haufenweise wirklich gute Raststätten. Landzeit in A. Die Autogrills in I. In D ein paar Autohöfe mit MD oder auch so etwas wie Würzburg Nord. So gut war [...]
Verstehe ich nicht. Wo sind Sie denn unterwegs? Es gibt mittlerweile haufenweise wirklich gute Raststätten. Landzeit in A. Die Autogrills in I. In D ein paar Autohöfe mit MD oder auch so etwas wie Würzburg Nord. So gut war die Situation mit Rasthöfen noch nie.
muskat51 15.07.2018
4.
Wenn Sie das nächste Mal auf der A9 an Hilpoltstein vorbeikommen, fahren Sie am Autohof (nicht Raststätte) raus und gehen in Chocolat. Anders, gut und nicht überteuert.
Wenn Sie das nächste Mal auf der A9 an Hilpoltstein vorbeikommen, fahren Sie am Autohof (nicht Raststätte) raus und gehen in Chocolat. Anders, gut und nicht überteuert.
C.Rainers 15.07.2018
5. Wir haben eine Gaststätte
100m weg von der A7 und in 500m Entfernung von einer im Artikel beschriebenen Autobahnraststätte. Wir leben von LKW Fahrern aus den Niederlanden, die solche Raststätten nicht anfahren.zwar ist unser Parkplatz nicht befestigt, [...]
100m weg von der A7 und in 500m Entfernung von einer im Artikel beschriebenen Autobahnraststätte. Wir leben von LKW Fahrern aus den Niederlanden, die solche Raststätten nicht anfahren.zwar ist unser Parkplatz nicht befestigt, bekommen wir ja auch nicht vom Steuerzahler hingestellt, aber trotzdem immer gut voll und das trotzdem die Landesbauverwaltung uns beim Ausbau unsichtbar gemacht hat. Vorher konnte man uns von der Autobahn sehen.Jetzt haben die einen Wall aufgeschüttet, der zu nichts taugt,als zur Raststätte zu weisen und uns verschwinden zu lassen. Werben an der Autobahn dürfen wir ja nicht , weil wir ja nicht im öffentlichen Interesse arbeiten wie die private Tankstellenbetreiber Firma. Die Firma mit dem großen M und die blaue Tankstelle bauen auch reihenweise Autohöfe und die dürfen schon Schilder an der Autobahn aufstellen lange bevor die Autohöfe gebaut sind. Ja ,ja die sind alle im öffentlichen Interesse unterwegs. Bananrepublik Deutschland ist an keinem Beispiel deutlicher
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