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Elvis Presley

Der einsame Tod des King of Rock

Vor 75 Jahren wurde Elvis Presley geboren - nur 42 Jahre später brach er tot in seinem Badezimmer zusammen. Um die letzten Tage seines Lebens ranken sich die irrsten Mythen. Starb Elvis an Drogen, Fast Food, Einsamkeit? einestages rekonstruiert die letzten Tage im Leben des King of Rock'n'Roll.

AP
Von Ariane Stürmer
Freitag, 08.01.2010   09:57 Uhr

Am frühen Nachmittag hörte Ginger ein Geräusch, als fiele ein schwerer Gegenstand auf den Boden. Elvis Presleys damalige Freundin war müde, sie hatte sich erst in den Morgenstunden schlafen gelegt. Trotzdem stand sie beunruhigt auf, tappte ins Badezimmer - und fand ihren Geliebten auf dem Boden liegend, mit dem Gesicht nach unten in einer Lache von Erbrochenen. Sie rief Bekannte zu Hilfe, die ebenfalls in der 18-Zimmer-Villa übernachteten, diese starteten sofort Wiederbelebungsversuche und alarmierten den Notarzt.

Gegen 14.30 Uhr trafen die Sanitäter ein. Sie wuchteten den 250 Pfund schweren Mann in den Krankenwagen, rasten ins Hospital. Umsonst. Um drei Uhr am Nachmittag des 16. August 1977 konnten die Ärzte des Baptist Memorial Hospital in Memphis schließlich nur noch den Tod von Elvis Aaron Presley feststellen. Der King of Rock'n'Roll war an Herzversagen gestorben. Mit 42 Jahren.

Bis heute kursieren die verrücktesten Gerüchte über seinen Tod - und darüber, dass der King an diesem Tag gar nicht wirklich gestorben ist. Viele können sich nicht vorstellen, dass der King einfach so vom Klo gekippt ist. So mancher, der sich nicht bis ins Detail mit dem Thema beschäftigt hat, malt sich die letzten Tage von Elvis wohl etwa so aus: Presley dämmerte in seiner riesigen Villa einsam und allein in einem nicht endenden Drogenrausch, ballerte mit einer Waffe um sich und stopfte Unmengen von Fast Food in sich hinein.

Die letzten Tage einer Legende

Die Wirklichkeit war weit banaler. Der King hatte Zahnweh, Verstopfung und konnte vor Aufregung wegen seiner unmittelbar bevorstehenden Comeback-Tournee nicht schlafen. Doch in einem haben sie recht: Während seiner letzten Tage hielt sich Elvis Presley hauptsächlich in seiner Villa in Memphis auf. Doch nicht allein. Sein Cousin Billy Smith war da, sein Manager Joe Esposito, seine Freundin Ginger Alden, sein Sicherheitschef Dick Grob und einige andere, die die Maschinerie rund um den Elvis-Hype am Laufen hielten.

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Elvis Presley: Der einsame Tod des King of Rock 'n' Roll

Sonntag, 14. August 1977, zwei Tage vor Elvis' Tod: Billy Smith ging ins Schlafzimmer seines Cousins, um mit ihm Details der geplanten Tour zu besprechen. Am Mittwoch sollte es losgehen. Smith erinnerte sich später, dass Elvis Elvis in einem dunkelblauen Seidenpyjama mit hellblauen Streifen auf seinem Bett saß, Witze riss und herumalberte. Zudem beklagte er sich darüber, dass der neue Bühnenanzug schlecht sitze und er im Übrigen ohnehin zu fett geworden sei. Später an diesem Tag drehte er noch eine Runde mit der Harley.

Montag, 15. August, einen Tag vor seinem Tod: Presley musste zum Zahnarzt. Eine Krone hatte sich gelöst. Und weil Elvis bevorzugt tags schlief und nachts wach war, hatte man ihm einen Termin um 22.30 Uhr eingeräumt. Der Arzt aber konnte das Problem nicht ohne weiteres lösen, Elvis musste sich mit einem Provisorium begnügen.

"Schlaf nicht ein"

Dienstag, 16. August 1977, der Tag seines Todes: Zurück in seiner Villa trieb es Elvis um. Gegen halb eins in der Nacht verlangte er, den Kriegsfilm "MacArthur - Held des Pazifik" mit Gregory Peck in der Hauptrolle im Kino zu sehen. Der Betreiber des nahegelegenen Ridgewood-Kinos versuchte, seine Bediensteten aus dem Feierabend zurückzuholen - ohne Erfolg. Sein Wunsch blieb Elvis verwehrt. Zwischen halb zwei und vier Uhr sprach er mit seinem Security-Chef Dick Grob. Mehrmals erinnerte er diesen daran, auch ja nicht die Notenblätter von vier neuen Songs zu vergessen, die er unbedingt während der Tour spielen wollte. Als Grob ging, soll Elvis sinngemäß gesagt haben: "Ich werde großartig sein, mein Leben fängt noch einmal ganz von vorne an."

Zunächst aber wirkte die Zahnbehandlung nach. Elvis schickte seinen Stiefbruder Rick zur Nachtapotheke. Um halb fünf Uhr morgens schließlich ging der King in seine Sporthalle, um sich bei einer Partie Racquetball mit seinem Cousin, dessen Frau Jo und seiner Freundin Ginger die Zeit zu vertreiben. Es soll ein lasches Spiel gewesen sein, bei dem Elvis hauptsächlich herumalberte und schließlich abbrach. Dann setzte er sich an das Klavier, das in der Sporthalle neben Bar, Flipper, Stereoanlage, Plüschsofas und Stühlen stand und spielte den Countrysong "Blue Eyes Crying In The Rain". Gegen 7.30 Uhr morgens verabschiedete er seinen Cousin mit den Worten "Billy, Junge, das wird meine beste Tour."

Verschwitzt kehrte er in seine Zimmer zurück, duschte und ließ sich von der Frau seines Cousins die Haare fönen. Anschließend legte er sich zu Ginger ins Bett, nicht ohne vorher die tägliche Pillendosis - ein Cocktail, der unter anderem aus Schlaftabletten, Abführmitteln und Beruhigungstabletten bestand - genommen zu haben. Als Elvis dennoch nicht einschlafen konnte, nahm er weitere Schlaftabletten und etwas später wohl noch eine dritte Dosis - nichts half. Schließlich griff er ein Buch über Jesus und ging ins Badezimmer. Ginger soll ihm geraten haben: "Schlaf dort nicht ein". Die letzten Worte von Elvis Aaron Presley waren angeblich: "Das werde ich nicht." Er tat es doch. Für immer. Und machte ein Geräusch, als würde ein schwerer Gegenstand auf den Boden fallen, als sein Körper von der Toilette rutschte und auf den Badezimmerfliesen aufschlug.

Zu Tode massiert?

Warum das Herz des Rock'n'Roll-Titanen allerdings den Dienst versagte, ist umstritten. Die einen sagen, es war die Fettleibigkeit. Andere sagen, es war der Medikamenten-Cocktail. Dem aber wiedersprechen Ärzte, die das Blut des toten Elvis untersuchten. Die Zahl der gefundenen Substanzen schwankt je nach Bericht. Es dürften etwa zehn verschiedene gewesen sein, darunter Codein, Morphin und Valium. Dr. Jerry T. Francisco, der bei der Obduktion der Leiche des King of Rock'n'Roll dabei war, sagte, Elvis Presley wäre auch dann tot vom Klo gefallen, wenn er die Medikamente nicht zuvor geschluckt hätte: Laut Francisco hatte er Bluthochdruck und kranke Herzkranzgefäße.

Dick Grob und andere Elvis nahestehende Personen sagten zudem später aus, Elvis habe an Knochenkrebs im fortgeschrittenen Stadium gelitten - deshalb die vielen Medikamente. Wieder andere Bekannte wollen zudem von Diabetes und einem schweren Leberleiden gewusst haben. Weil eine Untersuchung außerdem ergab, dass der Dickdarm mit einer "lehmartigen Masse" gefüllt war, vermutete die "Tageszeitung" 1999, der King of Rock'n'Roll habe sich während der Stunden vor seinem Tod den Bauch massiert und dabei die Aorta eingeklemmt, was letztlich zum Herzversagen führte. Elvis Aaron Presley hätte sich demnach also selbst zu Tode geknetet.

Und dass er tot war, daran ließ der obduzierende Mediziner keinen Zweifel. Er soll der Australischen Broadcasting Corporation ABC im Jahr 2002 gesagt haben, dass bei einer Autopsie Herz, Gehirn und innere Organe entfernt würden. "Wenn Elvis nicht tot war, bevor ich die Autopsie machte", fügte er lakonisch hinzu, "war er es mit Sicherheit danach."

Der King ist tot - es lebe der King

Das aber wollen viele Menschen nicht glauben. Es gebe zu viele Ungereimtheiten, ist der Tenor. So spross über die Jahre ein ganzer Blumenstrauß wilder Verschwörungstheorien. Da sind zum Beispiel die DNA-Proben, die der Presley-Fan und Baptisten-Prediger Bill Beeny verglichen haben will. Sein Ergebnis: Die Proben von Elvis' DNA von vor und nach seinem Tod stimmen nicht überein. Da gibt es das Gerücht, in dem aufgebahrten Sarg habe gar nicht Elvis gelegen, sondern ein Wachsimitat, das zudem schon bei der Trauerfeier zu schmelzen begonnen hätte. Da ist der Fakt, dass bisher noch niemand die Lebensversicherung von Elvis in Anspruch genommen hat. Da sind die Vermutungen, nach denen der King of Rock'n'Roll angeblich vom KGB entführt worden sein soll, um anlässlich eines Parteitages der KPdSU zu singen. Seither hause er auf einer Datscha nahe Moskau, nenne sich Evgeni Preskov und sei im Übrigen pensioniert. Und da sind natürlich die zahlreichen Elvis-Sichtungen auf der ganzen Welt.

Am Ende lässt es sich nicht mit letzter Sicherheit beweisen, dass Presley wirklich, wirklich, wirklich tot ist. Aber - mal Hand aufs Herz - alles andere scheint ausgesprochen unwahrscheinlich. Letzte Gewissheit dürfte die Welt im Jahr 2027 erlangen: Dann nämlich wird der versiegelte Autopsiebericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

insgesamt 6 Beiträge
Lena Nusselt 08.01.2010
1.
Sehr interessanter Artikel, ich war auch davon ausgegangen, dass Elvis einsam und verlassen im Rausch seine letzten Stunden verbracht hat... Zwei kleine Kommentare: - KPdSU statt KpdSU - "eine Aorta"... Der Mensch hat [...]
Sehr interessanter Artikel, ich war auch davon ausgegangen, dass Elvis einsam und verlassen im Rausch seine letzten Stunden verbracht hat... Zwei kleine Kommentare: - KPdSU statt KpdSU - "eine Aorta"... Der Mensch hat nur EINE - er könnte sich also nur entweder "einen Teil der Aorta" oder "eine "Schlagader" oder aber "die Aorta" bzw. "die Bauschaorta" eingeklemmt haben..
Benjamin Maack 08.01.2010
2.
Sehr geehrte Frau Nusselt, Sie haben natürlich recht. Vielen Dank für Ihren freundlichen Hinweis. Wir haben die Fehler beseitigt. Herzlich. Die einestages-Redaktion
Sehr geehrte Frau Nusselt, Sie haben natürlich recht. Vielen Dank für Ihren freundlichen Hinweis. Wir haben die Fehler beseitigt. Herzlich. Die einestages-Redaktion
Patrick Musial 08.01.2010
3.
Die Bezeichnung "Comeback-Tournee" für die anstehenden Konzerte halte ich für nicht zutreffend, da Presley in den letzten Jahren fast ununterbrochen kürzere Tourneen (meist 2-3 Wochen) absolviert hat. Das letzte [...]
Die Bezeichnung "Comeback-Tournee" für die anstehenden Konzerte halte ich für nicht zutreffend, da Presley in den letzten Jahren fast ununterbrochen kürzere Tourneen (meist 2-3 Wochen) absolviert hat. Das letzte Konzert der vorhergehenden Tournee fand am 26.06.1977 statt, also weniger als zwei Monaten vor Elvis' Tod.
Karl-Heinz Stemberg 10.01.2010
4.
Ich halte den Artikel nicht nur für oberflächlich und despektierlich, sondern - und das wiegt in meinen Augen viel schlimmer - für dumm, weil die immer gleichen Klischees (Elvis' Fettleibigkeit, seine Tablettensucht, seine [...]
Ich halte den Artikel nicht nur für oberflächlich und despektierlich, sondern - und das wiegt in meinen Augen viel schlimmer - für dumm, weil die immer gleichen Klischees (Elvis' Fettleibigkeit, seine Tablettensucht, seine Vorliebe für Fast Food etc.) breitgetreten werden. Klischees, die durch die andauernde Wiederholung zu den passenden Geburts- und Todestagen nur noch langweilen und den Blick auf den Menschen und seine kulturelle Bedeutung verstellen. Wäre es nicht langsam an der Zeit, Elvis den Respekt zu zollen, der ihm zukommt? Muss man wirklich immer wieder und wieder den aufgeschwemmten Körper eines zutiefst traurigen und einsamen Menschen vorführen, der Elvis sicherlich in seinen letzten zwei, drei Lebensjahren gewesen ist? Welche Musik auch immer die Autorin gerne hört, wenn es nicht gerade klassische Musik oder Jazz ist, wäre diese Musik in der gegebenen Form nicht ohne Elvis' Einfluss denkbar. Mehr als dreißig Jahre nach seinem verfrühten Tod sollte man sich doch von diesen ärgerlichen Stereotypen verabschieden.
Patricia Heisler 11.01.2010
5.
>Ich halte den Artikel nicht nur für oberflächlich und despektierlich, sondern - und das wiegt in meinen Augen viel schlimmer - für dumm, weil die immer gleichen Klischees (Elvis' Fettleibigkeit, seine Tablettensucht, seine [...]
>Ich halte den Artikel nicht nur für oberflächlich und despektierlich, sondern - und das wiegt in meinen Augen viel schlimmer - für dumm, weil die immer gleichen Klischees (Elvis' Fettleibigkeit, seine Tablettensucht, seine Vorliebe für Fast Food etc.) breitgetreten werden. Klischees, die durch die andauernde Wiederholung zu den passenden Geburts- und Todestagen nur noch langweilen und den Blick auf den Menschen und seine kulturelle Bedeutung verstellen. Wäre es nicht langsam an der Zeit, Elvis den Respekt zu zollen, der ihm zukommt? Muss man wirklich immer wieder und wieder den aufgeschwemmten Körper eines zutiefst traurigen und einsamen Menschen vorführen, der Elvis sicherlich in seinen letzten zwei, drei Lebensjahren gewesen ist? Welche Musik auch immer die Autorin gerne hört, wenn es nicht gerade klassische Musik oder Jazz ist, wäre diese Musik in der gegebenen Form nicht ohne Elvis' Einfluss denkbar. Mehr als dreißig Jahre nach seinem verfrühten Tod sollte man sich doch von diesen ärgerlichen Stereotypen verabschieden. Ich kann Herrn Stemberg nur Recht geben. Der Beitrag ist voller Klischees und man kann sich durchaus fragen, wieso man hier so einen Beitrag mit wenig Substanz, was die Karriere des Mannes angeht, überhaupt veröffentlicht. Spiegel sollte ein höheres Niveau haben

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