einestages

Mittelfeld mit Mittelfinger

Stefan Effenberg zeigte es allen

Grausame Grätschen, Griffe ins Gemächt, Füße aus Eisen und dazu Manieren von einem anderen Stern - hier kommt die skandalträchtigste Mannschaft der Fußballgeschichte.

Getty Images
Von
Dienstag, 13.02.2018   12:32 Uhr

"Wenn ich einmal aufhöre", blickte ein 22 Jahre alter Stefan Effenberg 1991 in die Zukunft, "dann sollen die Leute, egal ob sie mich mögen, oder nicht, etwas mit mir verbinden. Ich möchte nicht als Unbekannter abtreten."

Weise Worte eines äußerst talentierten Mittelfeldstrategen, der damals noch eine abenteuerliche Frisur und ein noch größeres Ego mit sich rumtrug. Bevor er 1994 den deutschen Fans beim WM-Gruppenspiel gegen Südkorea zweifach den ominösen "Stinkefinger" zeigte und daraufhin rausgeschmissen wurde (DFB-Präsident Braun: "Ich schäme mich in tiefster Seele!"), hatte sich Effenberg längst das Image des heißblütigen Unruhestifters erarbeitet.

Während seiner ersten Station bei Borussia Mönchengladbach soll er mit Kollege Jörg Neun Wetten abgeschlossen haben, wer im Teamhotel mehr Lampen mit dem Luftgewehr ausschießen könne. Er stibitzte auch einen Jeep und fuhr ihn in einer Müllhalde fest.

Später, beim FC Bayern, schwor Mitspieler Klaus Augenthaler im Boulevard Stein und Bein, dass Effe Trainer Heynckes in der Kabine Prügel angedroht habe ("Gehen wir vor die Tür?"). Seinen Spitznamen "Tiger" hat er aufgrund einer bei "Wetten, dass…" entstandenen Frisur ohnehin selbst verschuldet.

Auf dem Platz brodelte und köchelte es in Effenberg stets, und oft genug brach es auch aus. Zu seinen Spezialitäten zählte das "Begrüßungsfoul" - einem neuen Gegenspieler gleich einmal richtig derbe in die Knochen treten, damit klar ist, wer hier das Alphatier ist. Nur folgerichtig, dass Effenberg mit 110 Gelben Karten bis heute den Rekord hält und ihm 1991 gar die Ehre zuteil wurde, als erster Bundesligaspieler die neu eingeführte Gelb-Rote Karte zu sehen.

Mit dem notorischen Nörgler hatten es die Trainer nicht leicht, die Mitspieler schwer, die Gegenspieler ächzten vor Schmerz und viele Zuschauer vor Wut. Insgesamt sechs Jahre spielte er beim FC Bayern München. Und etliche der alten Bayern-Heroen misstrauten danach diesen eloquenten Klassensprecher-Typen à la Mats Hummels oder zuvor Philipp Lahm. Nur zu gern granteln sie sich in nostalgischen Momenten solche Stinkstiefel wie weiland Stefan Effenberg oder den holländischen Stier Mark van Bommel herbei, im Fachbegriff: "Aggressive Leaders".

Als Unbekannter abgetreten ist Stefan Effenberg jedenfalls nicht, zuletzt war er erfolgloser Trainer. Und wie lautete der Titel seiner 2003 erschienenen Biografie? "Ich hab's allen gezeigt". Dicke Finger inklusive.

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