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Abtreibung: "Sachliche Informationen sind keine Werbung"

Getty Images Es ist paradox: Ärzte dürfen Schwangerschaftsabbrüche unter bestimmten Voraussetzungen straffrei durchführen - aber das nicht öffentlich zugeben. Die Vorsitzende des Vereins Pro Familia fordert eine Neuregelung.
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#1 - 16.04.2018, 10:23 von alexandrax

Gesundheitsminister olé!

Unglaublich, dass wir im Jahr 2018 immer noch darüber diskutieren, was Frauen wissen dürfen. Bis dieser lästige Paragraf Geschichte ist, halte ich es tatsächlich für eine gute Idee, wenn der Staat die Aufgabe übernimmt, Frauen sachlich, umfassend, neutral, frei zugänglich und werbefrei über Abtreibung und Anbieter von Abtreibungen zu informieren. Damit wäre das Recht auf Information für Frauen gewahrt und ein finanzielles Interesse könnte nicht unterstellt werden. Das ist doch eine schöne Aufgabe für unseren Gesundheitsminister.

#2 - 16.04.2018, 10:28 von Leblanc

Dilemma

Das Grundgesetz schützt das werdende Kind; die Tötung muss daher "verboten" bleiben, die "Straffreiheit" auf Ausnahmen begrenzt sein. Es wird also nach Gesetz "kriminell" bleiben, aber straffrei in bestimmten Fällen.
Es klingt polemisch, diesen Sachverhalt als "Kriminalisierung" der Ärzte zu bezeichnen.
Eigentlich geht es um die gesellschaftliche Frage, ob (aktuell 100.000) "Tötungen" weiter als "Ausnahmen" oder als "freie Entscheidung" der Kindsmutter angesehen werden sollen.
Wer vertritt dann aber den Schutz des ungeborenen Lebens?

#3 - 16.04.2018, 10:37 von lazyfox

Idiologische Schraube locker

Da sind bei den Verantwortlichen ein paar ideologische Schrauben locker.
Über jeden Müll darf Werbung informieren. Die Alkoholhersteller dürfen über die 'positive' Wirkung ihrer Produkte informieren. Hallo - und Ärzte nicht über Risiken und Folgen von Abtreibungen. Haben wir nur noch Lobbyisten im Parlament. Ach ja, ich vergaß, die Politik wird ja heute in den Parteizentralen bestimmt. Sorry - meine Blödheit.

#4 - 16.04.2018, 10:39 von cs01

Zitat von alexandrax
Unglaublich, dass wir im Jahr 2018 immer noch darüber diskutieren, was Frauen wissen dürfen. Bis dieser lästige Paragraf Geschichte ist, halte ich es tatsächlich für eine gute Idee, wenn der Staat die Aufgabe übernimmt, Frauen sachlich, umfassend, neutral, frei zugänglich und werbefrei über Abtreibung und Anbieter von Abtreibungen zu informieren. Damit wäre das Recht auf Information für Frauen gewahrt und ein finanzielles Interesse könnte nicht unterstellt werden. Das ist doch eine schöne Aufgabe für unseren Gesundheitsminister.
Ich glaube nicht, dass Frauen unbedingt zu einer staatlichen Stelle gehen wollen, um sich über ein so sensibles Thema beraten zu lassen.

Generell kommen mir bei der ganzen Diskussion die Rechte der ungeborenen Kinder zu kurz. Es geht eben nicht nur um die Rechte der Frauen. Klar muss eine Abtreibung unter gewissen Voraussetzungen straffrei sein, man sollte jedoch dafür sorgen, dass die Zahl der Abtreibungen möglichst gering ist. Allerdings sehe ich dort das Strafrecht nicht als beste Mittel, dafür zu sorgen.

#5 - 16.04.2018, 10:41 von labude dolf

Sternstunde des Journalismus

"[...] Sie dürfen ihnen aber nicht sagen, welche Praxen Abtreibungen straffrei durchführen, das dürfen nur die Beratungsstellen wie pro familia. Das gilt auch, wenn die Ärzte selbst Abtreibungen vornehmen. Sie müssen schweigen, als täten sie etwas Verbotenes. Ihre Arbeit wird kriminalisiert. Sachliche Informationen über Schwangerschaftsabbrüche werden zu einer Art Geheimwissen."

Diese Aussage ist so widersprüchlich, dass es weh tut und kann eigentlich nur als Selbstkritik verstanden werden. Informieren die Beratungsangebote derart schlecht, dass die dort vorgehaltenen sachlichen Informationen eine "Art Geheimwissen" bleiben? Es ist falsch, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Patientinnen nicht darüber informieren dürfen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Die Aussage Frau Höblichs ist in ihrer Pauschalität einfach nur irreführend. § 219a Abs. 1 StGB sanktioniert nicht die individuelle Beratung und Information der Patientin, sondern das Angebot (etc), das öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften kundgetan wird. Die Vorschrift, die man verändern möchte, sollte man auch lesen.

"Die Gesetzeslage kommt einem Informationsverbot gleich. [...]"

Das ist nicht richtig und ergibt sich (auch) aus der vorangegangenen Antwort Frau Höblichs (die - zugestanden - widersprüchlich ist, s.o.).

"Eigentlich haben Frauen laut Gesetz das Recht, sich ihren Arzt frei auszuwählen. Doch wie soll das gehen, wenn es keine frei zugänglichen Informationen darüber gibt, welche Ärzte einen Abbruch vornehmen?"

Was meint Frau Höblich mit "frei zugänglichen Informationen"? Sind die bei Beratungsstellen vorgehaltenen Informationen - jedenfalls für informationsbedürftige Frauen - nicht frei zugänglich? Sehen sich Frauen (und Männer), die sich informieren möchten, bei der Inanspruchnahme der Beratungsstellen derart großen Hürden gegenüber, dass die dort bereitgehaltenen Informationsangebote nicht mehr als "frei zugänglich" gelten können?

"Es ist dringend notwendig, Frauen umfassend zu informieren und Ärzte zu entkriminalisieren. Deshalb muss der Paragraf aus Sicht von pro familia abgeschafft oder zumindest so geändert werden, dass Ärzte für sachliche Informationen nicht länger bestraft werden können."

Natürlich müssen Frauen (und Männer) umfassend informiert werden, dieses Anliegen stellt auch das Gesetz überhaupt nicht in Frage. Die Frage ist doch, ob das aktuelle gesetzliche Rahmenwerk dieses Anliegen in ausreichender Weise erfüllt. Diese Frage beantwortet Frau Höblich mit dem Hinweis auf eine Rechtslage, die sie selbst offensichtlich nicht verstanden hat.

#6 - 16.04.2018, 10:46 von lynx999

Gutes Interview

Das unterstreicht in meinen Augen die wesentlichen Punkte:
- wohl kaum eine Frau/Lebenspartnerschaft macht es sich einfach über eine Abtreibung zu entscheiden
- Informationen sind eigentlich keine Werbung
- Für Frauen in Schwangerschaftskonfliktsituationen gibt es heute sehr hohe Hürden, welche künstlich erzeugt werden und dem ausgewogenen Entscheidungsprozess entgegen stehen.
- Der Schutz des ungeborenen Lebens muss weiterhin sehr hoch sein. Allerdings muss man auch immer die Mutter und deren Lebenssituation im Blick haben. Eine Kriminalisierung der Ärzte hilft da leider überhaupt nicht.

#7 - 16.04.2018, 10:48 von lazyfox

Zitat von Leblanc
... Entscheidung" der Kindsmutter angesehen werden sollen. Wer vertritt dann aber den Schutz des ungeborenen Lebens?
Klare Antwort: die Mutter. Die Natur hat das ungeborene Leben in die Hände der Mutter gegeben - dort ist es richtig aufgehoben. Wenn eine werdende Mutter sich für den Schritt entscheidet - sollten wir das als Gesellschaft akzeptieren. Etwas mehr gottvertrauen bitte. ER hat!

#8 - 16.04.2018, 10:51 von stoffi

Sachliche Informationen sollten aber nicht

schon zu Anfang mit einem Link zu einer Abtreibungsklinik beginnen.
Sachliche Informationen sollten auf jeden Fall beraten, auch über Hilfen, sollte sich die Frau entscheiden, das Kind zu behalten. Wer sich informiert, hat sich noch nicht entschieden, und sollte daher auch in beide Richtungen beraten werden.
Frauen, die Abtreibung haben vornehmen lassen, leiden nicht selten seelisch lange und manche ein ganzes Leben lang darunter. Auch das sollte nicht verschwiegen werden. Es ist nicht einfach mal gemacht nach dem Motto: hin und weg.
Fast alle Frauen befinden in einer seelischen Notsituation und sollten behutsam beraten werden und nicht : sieh da, geh hin und weg.
Ich weiss wovon ich rede. Ich bin 66 ,war damals17 und hatte niemandem, dem ich mich hätte anvertrauen können.

#9 - 16.04.2018, 10:52 von Fritz WW

falsche Information

Die Äußerung, dass Ärzte im vertrauten Gespräch den Frauen keine Einrichtungen benennen dürfen, ist falsch. Sie kann auch nicht als Werbung ausgelegt werden, da der Arzt ja aktiv von den Frauen aufgesucht wird und diese ihn fragen. Als Werbung kann nur ungefragt geäußerte Information interpretiert werden. Dass einige Ärzte (wie auch auf dieser Seite geschildert) den Frauen nicht helfen, ist natürlich trotzdem erbärmlich.

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