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Digitalisierung in China: Das autoritäre Erfolgsmodell

Getty Images China ist digital höchst erfolgreich, nicht zuletzt wegen seiner autoritären Gesellschaftsform. In dem Land entsteht gerade unsere Zukunft - und wenn die nicht düster werden soll, muss sich in Deutschland etwas ändern.
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#1 - 11.07.2018, 14:41 von collapsar

Ein wesentliches Kennzeichen ...

... der liberalen Demokratie ist ihre Friedensfähigkeit. Damit hat sie sich mittelfristig bisher von fast allen realweltlichen Ausprägungen autokratischer Systeme unterschieden, nicht nur aber auch auch hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Erfolges, der vom inneren wie äußeren Frieden abhängt.
Ob das chinesische Modell - ob mit oder ohne invasivem Social Score - das leisten kann, könnte letzetn Endes entscheidender sein als technologische Innovation und organisatorisches Durchsetzungsvermögen.

MfG, Carsten

#2 - 11.07.2018, 14:44 von muellerthomas

"Der westliche Inbegriff des Digitalhandels ist Amazon, das Unternehmen erzielte 2017 allein am "Black Friday", dem wichtigsten Rabatt-Tag, eine Milliarde Dollar Umsatz. Das chinesische Äquivalent Alibaba erreichte am "Singles Day" diese Marke in zehn Minuten und landete über den ganzen Tag bei 22 Milliarden Dollar Umsatz. Das ist die digitale Realität zwischen westlichen und chinesischen Plattformen."

Mh, dann macht Alibaba im Rest des Jahres aber massiv weniger Umsatz - der erwartete Jahresumsatz 2018 beträgt 37 Mrd. USD. Amazion macht hingegen pro Quartal mehr Umsatz.

#3 - 11.07.2018, 14:44 von zeichenkette

Es lohnt sich, da mal unvoreingenommen ranzugehen

China hat den Vorteil, da Dinge durchziehen zu können, die bei uns völlig unmöglich wären. Aber kommt man auf Dauer um Dinge wie Punktesysteme herum? Natürlich ist das eine Art von völliger Überwachung, aber andererseits ist das letztlich nur eine Quantifizierung von "Kudos", wie man das auch nennen könnte: Ist jemand verlässlich, produktiv, konstruktiv oder eher nicht? Und wer genug Punkte sammelt, kann sich dann ja auch aussuchen, ob und wann er davon auch welche verbrennen will, indem er z.B. Kritik übt. Die, die immer nur kritisieren UND Leute aufwiegeln UND nix schaffen, werden natürlich blöd dastehen. Im Zuge angewandter Aufklärung jedenfalls kann man sich durchaus auf den Standpunkt stellen, dass das, einen nicht aktiv boshaften und korrupten Staat vorausgesetzt, nicht notwendigerweise eine schlechte Sache ist. Es schränkt dann vor allem die Freiheit derer ein, die ihrer Kritik nichts Produktives entgegenzusetzen haben.

Dass die Idee seinen Reiz hat, heißt natürlich noch nicht, dass sie gut ist. Wie wir in einer (noch) freien Demokratie das ohne solche Mechanismen besser machen wollen, müsste man sich dann aber mal ganz konkret überlegen, und ich sehe da eigentlich überhaupt nichts. Ehrlich gesagt sehe ich die Zukunft in Europa eher in der Art von gelenkter (Schein-)Demokratie wie wir sie schon Russland, der Türkei, Ungarn, Polen oder zunehmend in den USA sehen. Und ob das besser ist, wage ich stark zu bezweifeln.

#4 - 11.07.2018, 14:50 von riedlinger

Richtig, aber...

Die Gedanken sind erschreckend überzeugend. Aber ein Lichtblick bleibt: Leider werden hier - wie so oft - Demokratie und Bürokratie verwechselt. Das europäische Problem ist nicht, dass die Demokratien so langsam wären, sondern die Bürokratien. Warum muss ein albernes Verwaltungsgerichtsverfahren ein Jahrzehnt dauern? Wieso wird BER erst mit mindestens einen Jahrzehnt Verspätung fertig, und dann auch nur gemurkst? Wozu brauchen wir zwölf (!) Sozialgesetzbücher, wenn sie zusammen weniger Paragrafen haben als das eine, aus effizienterer Zeit stammende BGB? Wir haben nicht zuviel Demokratie, wir haben eine viel zu lahme Bürokratie!

#5 - 11.07.2018, 15:09 von mapcollect

China hat erkannt

dass Digitalisierung und KI die größte Revolution der Menschheitsgeschichte wird und hat sich entschieden, vorne mitzumischen, während hier das Thema entweder belächelt wird oder man nur die Gefahren sieht. Mag sein, dass wir und moralisch überlegen fühlen können, wenn wir im Unterricht lieber Gedichte analysieren als Code zu programieren. Wirklich hilfreich ist das allerdings nicht, wenn man technologisch abgehängt wird. Und das wird kommen. Nicht nur dass China als einziger ein Pendant zu Amazon, Google und Facebook geschaffen hat, sie sind inzwischen auch Weltmeister beim anmelden von Patenten. 2016 wurden weltweit 3.1 Mio neue Patente angemeldet, davon 1.3 Mio aus China (+22%), 605K aus USA (+3%), Europa (EPO) 160K (-0.5% !) und 67K aus Deutschland. (Quelle Wipo). Laut einer OECD Studie kommen 2030 von allen weltweiten MINT Absolventen 37 % aus China, 4,2 % aus den USA und 1,4 % aus Deutschland.

#6 - 11.07.2018, 15:09 von jana45

nicht so ein Gegensatz

Unterhalb der Legislative gibt es die Exikutive. Eine gut organisierte Bürokratie und wissenschaftliche Herangehehensweise ist Deutschland und China gemeinsam - das Verwaltungspersonal ist in beiden Ländern gut ausgebildet. China ist jedoch ein größerer Markt und Investitutionen in Zukunftstechnologien werden vorangetrieben - es gibt zum Beispiel Auflagen für die Einrichtung von Ladestationen für E-Autos beim Häuserbau. Deutschland ist auch alt - Führungskräfte oft über 50, sind manchmal noch nicht in der Moderne angekommen - halten zu lange an Kohlekraftwerken oder Dieselautos fest. Außerdem gibt es viele Rentner - mit recht hohen Renten und hohen medizinischen Kosten (was nicht schlecht ist, aber eben einen Faktor für Arbeitskosten darstellt) . China hat sicher das Potential Deutschland in vielen Bereichen technologisch zu überholen. Das heißt jedoch nicht das Deutschland deshalb ein armes Entwicklungsland wird und der Wohlstand verloren geht oder das Demokratie und Rechtstaatlichkeit schlecht sind. Eine Diktatur würde uns keine Vorteile bringen und Demokratie wäre bestimmt auch für die Chinesen gut (kommt aber auch darauf an wer dann gewählt wird).

#7 - 11.07.2018, 15:09 von f-rust

Danke!

Als jemand, der heuer 70 wird, bin ich dankbar für diese einigermaßen allgemeinverständliche Erklärung der digitalen Zukunftstrends, wie sie Hr. Lobo bietet.

#8 - 11.07.2018, 15:11 von behemoth

Das sehen Sie falsch,

wir haben ein Sozialgesetzbuch, bestehend aus 12 Büchern, das BGB besteht aus 5 Büchern. Das ist aber nun wirklich kein Bürokratieproblem.

#9 - 11.07.2018, 15:17 von huz6789

Alibaba

Zitat von muellerthomas
Mh, dann macht Alibaba im Rest des Jahres aber massiv weniger Umsatz - der erwartete Jahresumsatz 2018 beträgt 37 Mrd. USD. Amazion macht hingegen pro Quartal mehr Umsatz.
Ja, das stimmt. Meine Firma handelt in China via Alibaba. An Schlüsseltagen verzigfachen sich die Abverkäufe wie sonst nirgends auf der Welt. Das hängt mit der chinesischen Mentalität zusammen: Einer - ohne Wertung aber passender Begriff - ausgeprägten Art Herdentrieb.

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