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Analyse von 500.000 Titeln: Was macht einen Song zum Top-Hit?

Getty Images Tolle Stimme, eingängige Melodie oder flotter Rhythmus? Forscher haben untersucht, welche Songs in den Charts besonders erfolgreich sind - und Trends ausgemacht.
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#10 - 16.05.2018, 14:45 von postatspiegel

Da kann ich nicht ganz zustimmen.

Zitat von vernunft.vor.ideologie
Interessant wäre hierzu auch, die Erfolgsrezepte über den Verlauf von mehreren Jahrzehnten zu erforschen. Diese sind augenscheinlich unterschiedlich. Oder woher kommt es, dass viele Nummer-1 Hits der 70er, wie z.B. Stairway to Heaven, Locomotive Breath oder Hotel California heute immer noch top-aktuell sind, während die gegenwärtigen 'Top-Hits' nach nur wenigen Wochen oder Monaten sang- und klanglos in der Vergessenheit verschwinden.
Neulich habe ich einen jungen DJ in einer Bar gehört, der sich die 60ger ganz neu erschlossen hatte.
Es war wirklich irre, dass keiner der üblichen Verdächtigen zu hören war. Er hatte sich eine ganz neue "Hitparade" aus dieser Zeit zusammengebastelt. Tolle Stücke, die ich aber alle noch nir gehört hatte. Was also macht nun einen Hit aus? Es scheint komplizierter zu sein.

#11 - 16.05.2018, 15:41 von Lord Menial

Zitat von frau_m_aus_d_an_der_e
Was für Großbritannien gilt, kann für Frankreich schon nicht mehr gelten.
Das ist die Frage! Tatsächlich ist Musik ein kulturübergreifendes Phänomen:
"Universalien der Musik: Musikalischer Ausdruck von Freude, Trauer und Angst wird universell verstanden"
- https://www.mpg.de/582882/pressemitteilung200903192

In der Kulturwissenschaft geht man durchaus davon aus, daß es universelle Prinzipien oder Kategorien der Ästhetik an sich gibt. Es sogar ein eigenes Institut für empirische Ästhetik:
- https://www.aesthetics.mpg.de/

Wenn es solche, für alle Menschen geltenden äthetischen Maßstäbe gibt, ist die Frage nach dem "Rezept" für den perfekten "Hit" nicht so weit hergeholt.

#12 - 16.05.2018, 17:26 von dechi1961

Kindemusik

Was ich mir im Radio alles so anhören muss hat das musikalische niveau von Kinderliedern. Ich glaube, das ist so gewollt, denn kompliziertere Musik setzt einerseits ein gewisses Maß an kognitiven Denkens voraus (um die musik auch zu verstehen), andererseits foerdert sie dieses auch. Und das ist nicht gewollt.

#13 - 16.05.2018, 18:36 von Lord Menial

Zitat von dechi1961
Was ich mir im Radio alles so anhören muss hat das musikalische niveau von Kinderliedern.
Ich bin betrübt zu erfahren, daß du dir das anhören "musst"! Ohne die Ursache des Zwangs zu kennne, hoffe ich, daß dieser Zustand bald aufhört. Es gibt ja zum Glück auch Sender, die ein Programm anbieten, daß über das Niveau von Kinderliedern hinausgeht (zumindest zeitweise). Ich halte die Daumen (auf dem Sendersuchlauf).

#14 - 16.05.2018, 19:40 von frau_m_aus_d_an_der_e

Hits sind mehr als gute Lieder

Zitat von Lord Menial
Wenn es solche, für alle Menschen geltenden äthetischen Maßstäbe gibt, ist die Frage nach dem "Rezept" für den perfekten "Hit" nicht so weit hergeholt.
Sicher gibt es Regeln, die man immer wieder an den Tophits feststellt, z.B. (ganz simple) dass sich im Verlauf des Liedes das Verhältnis Strophe-Refrain umkehrt. Das Befolgen reicht aber nur dazu, ein gutes Lied zu machen - nicht aber einen Hit. Ein Hit lebt nämlich auch von musikalischer Brisanz, er zitiert und rekombiniert aus dem dem Publikum bekannten Fundus auf geschickte Weise. Ein Hit hat Ähnlichkeiten mit einem guten Witz, der mit Erwartungen und auch mit Tabus spielt. Und außerdem: An Noten würde man niemals einen Hit erkennen, Arrangement und Sound sind genauso wichtig - deshalb gibt es ja Coverversionen, die einen "Nichthit" zum Hit machen.

#15 - 16.05.2018, 22:47 von Aberlour A ' Bunadh

Der sichere Weg zur Nr. 1?

Wenn ich "Nr. 1 Hits" höre, denke ich in den 70er Jahren vorzugsweise an Rod Stewart. Ansonsten muss man natürlich immer das jeweilige Land und vor allem die jeweiligen musikalischen Moden berücksichtigen - die durchaus auch länderspezifisch abweichen können. In England war in den der 70er Jahren "Glam-Rock" angesagt. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Sweet, T. Rex, Slade und Gary Glitter viele Nr. 1 Hits hatten. Und zwischendurch immer mal wieder Paule mit den Wings. Erinnert sich noch jemand an das traurige "Mull of Kintyre". Unglaublich lange auf der Spitzenposition. Was haben jetzt "Ballroom Blitz" und "Mull of Kintyre gemeinsam? Gar nichts. Mit den 80er Jahren wird's dann wavig in England. Schließlich ist New Wave angesagt. Human League, Culture Club, The Police etc. Und mittendrin dann plötzlich KC and the Sunshine Band und Rod Stewart (mal wieder oder wie immer) mit "Baby Jean". Was haben KC and the Sunshine Band mit Human League gemeinsam? Gar nichts. Anschließend wird's poppig: Phil Collins, Madonna, Whitney Houston, Wham!, Pet shop Boys etc.. Whitney Houston und die Pet Shop Boys? Wird schwer daraus eine Formel für den sicheren Nr.1 Hit zu generieren. In den 90er Jahren wird dann die Lage komplett unübersichtlich. Das Spektrum reicht von Iron Maiden bis zu den Spice Girls. In Deutschland hatte zumindest in der zweiten Hälfte der 70er Jahre einer den Dreh raus wie der sichere Nr. 1 Hit funktioniert: Daddy Cool Frank Farian (mit Boney M.).

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