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"Wenn das Gericht ehrlich ist, wird es auch noch sagen, dass Lücken geblieben sind. Solange diese Lücken bleiben, können meine Familie und ich nicht abschließen."

Gamze Kubasik, Tochter des in Dortmund ermordeten NSU-Opfers Mehmet Kubasik

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"Der Senat hat Frau Zschäpe gemäß der Maximalanklage zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe verurteilt. Er hat sie insbesondere als Mittäterin der von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt begangenen 10 Morde schuldig gesprochen. Der Senat setzt sich damit aus unserer Sicht über die in der Rechtsprechung wie auch der Lehre seit Jahrzehnten entwickelten Grundsätze zur Täterschaft hinweg. Gegen dieses Urteil werden wir Revision einlegen."

Anja Sturm, Beate Zschäpes Verteidigerin

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"Das Urteil ist falsch! Die Verurteilung wegen Mittäterschaft ist juristisch nicht haltbar. Fakt ist: Frau Zschäpe war nachweislich an keinem Tatort anwesend und hat nie eine Waffe abgefeuert oder eine Bombe gezündet. Die umfangreichen Ermittlungen haben keine stichhaltigen Indizien für das Gegenteil ergeben. Selbst eine unterstellte Mitwisserschaft ist keine strafbare Mittäterschaft. Moralische Erwägungen dürfen bei der juristischen Bewertung gerade keine Rolle spielen."

Mathias Grasel, Beate Zschäpes Anwalt, in einer Mitteilung

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"Dass wir dieses Urteil haben, ist ein Erfolg des Rechtsstaats. Der Senat ist uns in allen entscheidenden Punkten gefolgt."

Herbert Diemer, Bundesanwalt

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"Ein Urteil, das an einer erwartbaren Stelle hart, an einer unerwarteten Stelle zu hart und an einigen unerwarteten Stellen zu milde war. Das Lebenslang inkl. der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für Frau Z. ist konsequent. Die Haftstrafe von 3 Jahren gegen Carsten S. ist zu hart. Für ihn hatten wir eine Bewährungsstrafe beantragt, alleine schon, weil es bei ihm nichts zu resozialisieren gibt. Er hat zur Aufklärung beigetragen, hat vor langer Zeit mit der Nazi-Szene gebrochen und hat glaubwürdig um Vergebung gebeten. Hingegen sehe ich nicht, dass die Strafen gegen Wohlleben und E. deren Rolle im NSU-Komplex gerecht werden. Beide haben nach meiner Einschätzung eine wichtigere Rolle beim NSU gespielt, als es nun im Strafmaß zum Ausdruck kommt. Dies gilt zum Teil auch für den Angeklagten Holger G. Wir werden deswegen das Urteil genau prüfen und gegebenenfalls Revision einlegen."

André E.s Nachname in Daimagülers Statement wurde durch Redaktion gekürzt. Mehmet Daimagüler, Nebenklage-Anwalt, auf Facebook

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"Es ist bis heute unfassbar, dass der Staat nicht in der Lage war, zu erkennen oder zu verhindern, dass der NSU über Jahre hinweg Menschen aus rassistischen Motiven ermordet hat. (…) Das Bewusstsein bei Polizei und Justiz ist schärfer und die Wachsamkeit größer."

Katarina Barley (SPD), Justizministerin

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"Gegen rassistische Gewalt setzen wir nicht nur die Stärke des Rechts. Gegen Intoleranz und Hass braucht es die Kraft der Vielfalt unserer offenen Gesellschaften - überall auf der Welt. Das Leid, was die Täter angerichtet haben, ist durch nichts wiedergutzumachen. Die Opfer bleiben unvergessen."

Heiko Maas (SPD), Bundesaußenminister, per Mitteilung

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"Mein ganzer Respekt gilt der Kraft der Angehörigen der ermordeten Opfer und den zum Teil schwer verletzten Überlebenden des NSU. Nach Jahren der Ungewissheit und zum Teil falschen Verdächtigungen durch die Strafverfolgungsbehörden wurden sie bei der gerichtlichen Aufarbeitung mit den Details der menschenverachtenden Taten konfrontiert. Mit dem heutigen Urteil hat die Justiz ihre Arbeit abgeschlossen. Das Gerichtsurteil kann jedoch den Schmerz der Angehörigen und das Leid der überlebenden Opfer nicht lindern."

Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister, per Mitteilung

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"Mit der Verurteilung Beate Zschäpes geht der #NSU-Prozess zu Ende. Was bleibt, ist das Entsetzen über die Morde und über das Unvermögen unseres Staates, diese Terroristen zu stoppen."

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, auf Twitter

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"Ich kann nur sagen, dass das Urteil dem entspricht, was die Familien erwartet und erhofft haben."

Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer

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"Der Verfassungsschutz hat massenhaft Akten geschreddert. Der Verfassungsschutz hat in allen Untersuchungsausschüssen gemauert."

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag

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"Mit dem Urteil können die Menschen gut leben und stehen auch dahinter. (…) Das ist ein Signal ins Land hinein gegenüber all solchen Gruppen, die so was vielleicht vorhaben, und ist aber auch ein Signal in die Weltgemeinschaft hinaus, dass bei uns alle, die sich so benehmen, hart bestraft werden."

Markus Söder (CSU), bayerischer Ministerpräsident

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"Trotz lebenslang für Zschäpe darf es keinen Schlussstrich geben. Zu viele Fragen zur Rolle des Staates und des Verfassungsschutzes bleiben offen. Es wurde geschreddert und vertuscht. Ein wirklicher Aufklärungswille war nicht vorhanden."

Bernd Riexinger, Linken-Parteichef, auf Twitter

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"Das Gericht hat Recht gesprochen, mit dem Urteil über Frau Zschäpe hat einer der wichtigsten Prozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte ein juristisches Ende gefunden. Dennoch vermag sich keine Erleichterung einstellen."

Bodo Ramelow (Linke) , Thüringens Ministerpräsident, mit Verweis auf noch offene Fragen zum NSU wie einem möglichen Unterstützernetzwerk und die Mitverantwortung der Geheimdienste

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"Während wir hier stehen, ist die Gefahr von weiteren rechtsextremen Taten weiter relevant."

Petra Pau, Linken-Bundestagsabgeordnete und Obfrau der Linken im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags

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"Obwohl die Angeklagten zugegeben haben, Unterstützung speziell vom Geheimdienst und vom Staat im Staate erhalten zu haben, wurde nicht aufgeklärt, wer diese Personen oder Institutionen sind. (…) Wer steckt hinter diesen Morden? Wer vom Geheimdienst steckt dahinter? Wer vom Staat im Staate steckt dahinter?"

Mevlüt Cavusoglu, Außenminister der Türkei

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"Angela Merkel und viele andere haben den Opfern eine lückenlose Aufklärung versprochen. Dieses Versprechen wurde gebrochen."

Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland

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"Leider musste das Urteil unvollständig bleiben, weil die Anklage das hinter dem Trio stehende Terrorsystem konsequent ausgeblendet hat."

Irene Mihalic, Innenpolitikerin der Grünen

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Reaktionen zum NSU-Urteil: "Es darf keinen Schlussstrich geben"