Gesundheit

Weltweiter Vergleich

Deutschlands Gesundheitssystem landet auf Platz 20

Nirgends ist die Gesundheitsversorgung so gut wie in Andorra, das behauptet eine neue Studie. Deutschland landet auf Platz 20, noch hinter Griechenland.

DPA

Vorbereitung eines Computertomografen in Jena

Freitag, 19.05.2017   10:33 Uhr

Die Gesundheitsversorgung hat sich in den allermeisten Ländern der Welt zwischen 1990 und 2015 verbessert. Das zeigt zumindest eine internationale Studie unter der Leitung von Christopher Murray von der University of Washington in Seattle. Demnach hat die medizinische Betreuung in 167 von 195 untersuchten Ländern in den vergangenen Jahren an Qualität gewonnen.

Auf einer Skala von 0 bis 100 erreichte 2015 Andorra mit 94,6 den höchsten Wert, die Zentralafrikanische Republik mit 28,6 den niedrigsten. Das deutsche Gesundheitswesen landete mit 86,4 Punkten im weltweiten Vergleich auf dem 20. Platz, unter anderem hinter der Schweiz, Griechenland und Slowenien.

Rang Land HAQ-Index
1 Andorra 94,6
2 Island 93,6
3 Schweiz 92
4 Norwegen 90,5
4 Schweden 90,5
6 Australien 89,8
7 Finnland 89,6
7 Spanien 89,6
9 Niederlande 89,5
10 Luxemburg 89,3
11 Italien 88,7
12 Irland 88,4
13 Österreich 88,2
14 Belgien 87,9
14 Frankreich 87,9
16 Kanada 87,6
17 Brunei Darussalam 87,4
18 Griechenland 87,0
19 Singapur 86,7
20 Deutschland 86,4
21 Neuseeland 86,2
22 Südkorea 85,8
23 Dänemark 85,7
24 Israel 85,5
25 Zypern 85,3
26 Katar 85,2
27 Malta 85,1
28 Tschechische Republik 84,8
29 Vereinigtes Königreich 84,6
30 Japan 84,5
30 Portugal 84,5
32 Slowenien 84,3
33 Kuwait 82
34 Kroatien 81,6
35 Estland 81,4
36 Vereinigte Staaten von Amerika 81,3
37 Montenegro 80,7
38 Polen 79,6
38 Ungarn 79,6
40 Saudi-Arabien 79,4
41 Malediven 79,2
42 Bahrain 79
42 Bermuda 79
44 Slowakei 78,6
45 Albanien 78,2
46 Bosnien und Herzegowina 78
47 Lettland 77,7
48 Taiwan 77,6
49 Oman 77,10
50 Libanon 77
51 Litauen 76,6
51 Puerto Rico 76,6
53 Jordanien 76,5
54 Türkei 76,2
55 Chile 76
55 Mazedonien 76
57 Serbien 75,4
58 Syrien 74,6
59 El Salvador 74,4
59 Rumänien 74,4
60 Weißrussland 74,4
62 China, Volksrepublik 74,2
63 Moldawien 73,1
64 Kuba 73
65 Costa Rica 72,9
66 Sri Lanka 72,8
67 Ukraine 72,7
68 Vereinigte Arabische Emirate 72,2
69 Uruguay 72
70 Nördliche Marianen 71,8
71 Russische Föderation 71,7
72 Bulgarien 71,4
73 Iran, Islamische Republik 71,1
74 Grönland 71
75 Thailand 70,8
76 Britische Jungferninseln 70,2
77 Tunesien 70,1
78 Libyen 69,9
79 Peru 69,6
80 Argentinien 68,4
81 Kolumbien 67,8
82 Armenien 67,5
83 Barbados 66,8
84 Antigua und Barbuda 66,7
85 Malaysia 66,6
86 Vietnam 66,3
87 Seychellen 66,1
88 Venezuela 64,7
89 Aserbaidschan 64,5
90 Panama 64,4
91 Nicaragua 64,3
92 Bahamas 63,9
93 Algerien 63,7
94 Guam 63,4
94 Samoa 63,4
96 Mauritius 63,3
97 Brasilien 62,6
97 Mexiko 62,6
99 Dominikanische Republik 62,5
99 St. Lucia 62,5
101 Nordkorea 62,3
101 Usbekistan 62,3
103 Georgien 62,1
103 Tonga 62,10
104 Trinidad und Tobago 62,1
106 Marokko 61,3
106 Palästina (Hamas) 61,3
108 Ecuador 61,2
109 Kasachstan 61,1
110 Kirgisistan 60,4
110 Paraguay 60,4
112 Irak 60,1
113 Bolivien 59,2
114 Tadschikistan 58,6
115 Mongolei 58,5
116 Belize 58,3
116 Grenada 58,3
118 Ägypten 58,2
119 Dominica 58,1
119 Turkmenistan 58,1
121 St. Vincent und die Grenadinen 57,5
122 Suriname 56,7
123 Guatemala 55,7
124 Honduras 53,9
125 Mikronesien 53,8
126 Namibia 53,7
127 Bhutan 52,7
128 Mauretanien 52
128 Philippinen 52
129 Südafrika 52
131 Bangladesch 51,7
132 Osttimor 51,6
133 Gabun 51,4
134 Nigeria 51,3
135 Botswana 51,1
136 Nepal 50,8
137 Kambodscha 50,7
138 Sudan 50,1
139 Tansania 49,9
140 Guyana 49,8
140 Marshallinseln 49,8
142 Gambia 49,7
142 Ghana 49,7
144 Jemen 49,6
144 São Tomé und Príncipe 49,6
146 Indonesien 49,2
147 Kenia 48,7
147 Simbabwe 48,7
149 Äquatorialguinea 48,4
149 Burma 48,4
151 Kap Verde 48,3
152 Ruanda 47,8
153 Komoren 47,7
154 Malawi 47
155 Fidschi 46,6
156 Mali 45,6
157 Liberia 45,4
158 Kiribati 44,9
158 Laos, Demokratische Volksrepublik 44,9
160 Indien 44,8
160 Westsahara 44,8
162 Dschibuti 44,7
163 Senegal 44,4
164 Togo 44,3
165 Äthiopien 44,2
166 Kamerun 44
167 Madagaskar 43,7
168 Pakistan 43,1
168 Salomonen 43,1
169 Vanuatu 43,1
171 Benin 43
171 Mosambik 43
173 Burkina Faso 42,9
173 Uganda 42,9
175 Elfenbeinküste 42,4
176 Swasiland 41,9
177 Sambia 41,6
178 Sierra Leone 41,3
179 Niger 41
180 Angola 40,7
181 Burundi 40,4
181 Kongo, Demokratische Republik 40,4
182 Republik Kongo 40,4
184 Südsudan 38,8
185 Guinea 38,6
185 Papua-Neuguinea 38,6
187 Haiti 38,5
187 Jamaika 38,5
189 Eritrea 38,1
190 Tschad 37,7
191 Guinea-Bissau 36,3
192 Lesotho 35,7
193 Somalia 34,2
194 Afghanistan 32,5
195 Zentralafrikanische Republik 28,6

HAQ-Index = Healthcare Access and Quality Index; Quelle: "The Lancet"

Im globalen Durchschnitt verbesserte sich die Gesundheitsversorgung zwischen 1990 und 2015 von 40,7 auf 53,7 Punkte, schreiben die Autoren in der Fachzeitschrift "The Lancet".

32 Krankheiten, die eigentlich gut behandelbar sind

Für ihre Untersuchung betrachteten die Forscher nicht das komplette Gesundheitswesen, sondern konzentrierten sich auf die Todesraten bestimmter Krankheiten. Als Basis diente ihnen die Global Burden of Disease Study, für die Hunderte Wissenschaftler weltweit Daten über das Wohlergehen der Menschen sammeln.

Aus den Unterlagen wählten die Forscher für ihre aktuelle Studie Informationen zu 32 Krankheiten aus, die mit modernen Therapien eigentlich gut behandelbar sind und nicht zum Tod führen müssen. Dazu gehören Tuberkulose, Durchfallerkrankungen, Tetanus, aber auch einige Krebsarten wie Gebärmutterhalskrebs oder Hodenkrebs.

Die Häufigkeit, mit der diese Krankheiten in bestimmten Ländern und Regionen doch zum Tod führen, weise auf die Qualität des Gesundheitssystems hin, so die Argumentation der Forscher. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, erstellten die Wissenschaftler aus den Auswertungen einen Gesundheitswesen-Index (Healthcare Access and Quality Index; HAQ-Index). Je höher der Wert, desto besser.

Deutschland: Gesundheitssystem könnte besser sein

Nachdem sie diesen bestimmt hatten, gingen Murray und seine Kollegen noch einen Schritt weiter: Sie errechneten für jedes Land, welchen HAQ-Index es aufgrund seiner Entwicklungsstufe eigentlich erreichen könnte.

In Deutschland könnte der Gesundheitswesen-Index demnach bei 90,7 liegen, tatsächlich erreicht er jedoch nur 86,4 Punkte. Die Lücke von mehr als vier Punkten spricht dafür, dass das deutsche Gesundheitssystem besser sein könnte. Gleichzeitig dokumentierten die Forscher mit ihrer Messmethode jedoch auch eine positive Entwicklung in Deutschland: 1990 betrug die Lücke demnach noch 10,4 Punkte.

Keine chronischen Krankheiten berücksichtigt

Die Methode der Studie habe mehrere Schwächen, räumte das Team um Murray selbst ein. Dazu zähle, dass keine Krankheiten betrachtet wurden, die unbehandelt nicht tödlich enden, etwa viele chronische Erkrankungen.

In einem Kommentar, ebenfalls in "The Lancet" veröffentlicht, zeigen auch Felicity Goodyear-Smith von der University of Auckland und Chris van Weel von der Australian National University in Canberra einige Mängel der Studie auf. Insgesamt aber sehen sie den Gesundheitswesen-Index positiv: "Wir applaudieren einer Methode, die Einblicke gibt, wie die Gesundheitsversorgung, das Gesundheitswesen und die sozioökonomische Entwicklung zur Gesundheit der Bevölkerung beitragen."

Die Ergebnisse der Studie dürften auch für das G20-Treffen der Gesundheitsminister am 19. und 20. Mai in Berlin von Interesse sein. Die Fachminister tauschen sich unter deutscher Präsidentschaft zum Thema "globale Gesundheit" aus.

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irb/dpa

insgesamt 112 Beiträge
ctwalt 19.05.2017
1. So lange
Ärzte jeden Tag ihre Zeit mit administrativen Tätigkeiten verschwenden und Schreibkraft spielen, scheint ja genug Geld für diese Art Resourcenverschwendung übrig zu sein.
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kritischer-spiegelleser 19.05.2017
2. Da sollte jeder einmal darüber nachdenken
Womit sich unsere Politik täglich befasst Heute mit einem Wahrheutsministerium, und das Gesundheiutssysten geht dabei den Bach runter. Ist schon interessant wenn man ein Ranking zu sehen bekommt.
Womit sich unsere Politik täglich befasst Heute mit einem Wahrheutsministerium, und das Gesundheiutssysten geht dabei den Bach runter. Ist schon interessant wenn man ein Ranking zu sehen bekommt.
bauigel 19.05.2017
3. Toller Artikel
Wieder einmal so ein Artikel mit einer reißerischen Überschrift, bei dem sich bei genauerem Hinsehen ergibt, dass die gemachten Aussagen ziemlich nichtssagend sind. Toller Qualitätsjournalismus von SPON. Die Annäherung an Bild [...]
Wieder einmal so ein Artikel mit einer reißerischen Überschrift, bei dem sich bei genauerem Hinsehen ergibt, dass die gemachten Aussagen ziemlich nichtssagend sind. Toller Qualitätsjournalismus von SPON. Die Annäherung an Bild klappt reibungslos....
Freidenker10 19.05.2017
4.
Keine Ahnung von Andorra, aber unser mieses Gesundheitssystem kann ich in selbigem beschäftigt nur bestätigen. Man geht mit einer Krankheit ins Krankenhaus und kommt mit drei anderen wieder raus. Dazu noch die unzähligen [...]
Keine Ahnung von Andorra, aber unser mieses Gesundheitssystem kann ich in selbigem beschäftigt nur bestätigen. Man geht mit einer Krankheit ins Krankenhaus und kommt mit drei anderen wieder raus. Dazu noch die unzähligen unnötigen OPs die nur aus Geldgier vorgenommen werden. Die Zwei-Klassen Medizin muss man erst gar nicht mehr erwähnen. Dann noch die Igel-Leistungen die der Geldvermehrung unserer "unabhängigen" Ärzteschaft dienen und noch die Pharmaindustrie die wohl in keinem anderen Land so gepampert wird wie bei uns. Abgerundet wird das ganze noch mit dem Kaputtsparen der Belegschaft im Pflegebereich die deutlich schwächer besetzt für den gleichen Lohn arbeitet wie vor 25 Jahren ( hierzu noch einen herzlichen Dank an Verdi! ). Keine Ahnung wo die unzähligen Milliarden versickern, aber bei Personal und den Patienten kommt nur wenig davon an!
realplayer 19.05.2017
5.
Eine bitter Pille für die Regierung die immer mehr Auflagen fordert und den Patienten vergisst.
Eine bitter Pille für die Regierung die immer mehr Auflagen fordert und den Patienten vergisst.
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