Gesundheit

Treffen in Berlin

G20-Gesundheitsminister simulieren Epidemie

Ein unbekannter Erreger breitet sich rasant auf der Erde aus: Solch einen fiktiven Krisenfall simulieren die Gesundheitsminister der G20-Staaten nun in Berlin. Die Übung soll Schwächen der Gesundheitssysteme offenlegen.

DPA

Isolierstation der Uniklinik in Frankfurt am Main (Archivbild)

Freitag, 19.05.2017   11:42 Uhr

Mehr als 10.000 Menschen starben in Westafrika 2014 und 2015 an Ebola. Gerade droht ein erneuter Ebola-Ausbruch in Kongo. Bislang gibt es in der nordöstlichen Provinz Bas-Uélé zwei durch Labortestes bestätigte Fälle, bei 18 weiteren Fällen besteht der Verdacht. Drei Todesfälle wurden offiziell erfasst.

Wie die Staaten auf eine neue Epidemie reagieren sollten, die sich schnell zu einer globalen Pandemie ausweiten kann, darüber beraten die G20-Gesundheitsminister an diesem Freitag und Samstag in Berlin. In einer Übung zum Krisenmanagement wollen die Minister den Ernstfall eines Krankheitsausbruches erproben. Die Zusammenkunft dient auch der Vorbereitung des G20-Gipfels in Hamburg im Juni.

Die Übung am Freitag und Samstag wird in einem abgetrennten Raum des Veranstaltungsorts am Brandenburger Tor stattfinden. Zu dem Raum sollen nur die Minister und Repräsentanten internationaler Organisationen sowie jeweils ein Berater Zugang haben. Ausgehend von dem erdachten Szenario mit einem unbekannten Virus in einem fiktiven Land werden die zur Bewältigung notwendigen Maßnahmen diskutiert, hieß es.

"Hausaufgaben" für alle Staaten

"Die nächste Gesundheitskrise wird kommen", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). "Wir wissen nicht wann, wo und wie gefährlich das Virus sein wird", betonte er. "Deshalb müssen wir jetzt für solche Fälle üben."

Die Welt sei vor einer neuen Epidemie nicht gerüstet sei, sagte der Minister dem "Ärzteblatt". Die Übung solle zeigen, welche Verantwortlichkeiten es vor Ort gebe und wie man sicherstellen könne, dass Informationen schnell weitergegeben würden. Diese Erfahrungen könnten zu "Hausaufgaben" für alle Staaten werden.

Wie schlecht die Weltgemeinschaft auf eine Pandemie vorbereitet ist, hatte sich beim letzten großen Ebola-Ausbruch in Afrika gezeigt. Er begann nach WHO-Erkenntnissen Ende Dezember 2013 im Dorf Guéckédou in Guinea. Von dort aus gelangte das Virus mit Reisenden auf dem Landweg sowie in Flugzeugen in die Nachbarländer Liberia und Sierra Leone sowie schließlich in sieben weitere, wenngleich erheblich weniger stark betroffene Länder.

Zu spät reagiert

Die Weltgesundheitsorganisation war wegen ihrer anfänglich schwerfälligen Reaktion auf die Ebola-Epidemie in die Kritik geraten. In einem von der Organisation selbst in Auftrag gegebenen Bericht kritisierten unabhängige Experten, die WHO habe viel zu spät auf Warnungen reagiert.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hingegen hatte schnell Personal in die betroffenen Länder entsandt und Behandlungszentren aufgebaut, um Infizierte von der Bevölkerung separieren zu können. Denn nur so lässt sich die weitere Ausbreitung des Erregers stoppen.

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hda/dpa

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