Gesundheit

Historisches Tief

Zahl der Organspender in Deutschland fällt auf 769

Jahr um Jahr werden es weniger: Die Zahl der Organspender in Deutschland ist 2017 auf ein historisches Tief gefallen. Nur Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien haben noch weniger - Spanien ist Vorreiter.

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Organspendeausweise

Sonntag, 14.01.2018   18:32 Uhr

Spanien top, Deutschland flop: Die Zahl der Organspender ist in Deutschland im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge erneut stark gesunken. Nachdem es 2016 bereits ein historisches Tief gegeben habe, sei die Zahl der Spender im Jahr 2017 noch einmal um knapp acht Prozent auf nur noch 769 gefallen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dies gehe aus dem noch unveröffentlichten Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant hervor. Beim Spitzenreiter Spanien dagegen nimmt die Zahl der Organspender weiter zu.

Die Zahl der Spender, denen tatsächlich Organe entnommen wurden, lag in Deutschland dem Bericht zufolge bei 9,3 pro Million Einwohner und somit unter der kritischen Marke von 10 pro Million Einwohner, die international als Voraussetzung für ein ernstzunehmendes Organspendesystem gilt. Die Zahl der transplantierten Organe von hirntoten Spendern fiel auf nur noch 2664, im Vorjahr waren es noch 2927 gewesen. Auch die Zahl der Lebendspenden sank von 659 im Jahr 2016 auf 620 im Jahr 2017.

Mit dem neuen Niedrigstand von 9,3 Spendern pro Million Einwohner gehört Deutschland laut "SZ" endgültig zu den europäischen Ländern mit dem geringsten Aufkommen an hirntoten Organspendern. Nur Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien haben noch weniger Spender. Belgien kommt dagegen ebenso wie Kroatien auf mehr als 30 pro Million Einwohner, Spanien ist der langjährige weltweite Spitzenreiter und meldete für 2017 sogar 46,9 Spender pro Million Einwohner.

Angewiesen auf Spender aus dem Ausland

Von der höheren Spendenbereitschaft im Ausland profitieren laut Zeitung Patienten in Deutschland. Denn Herzen, Lebern und Nieren gelangten 2017 ebenso wie in den Vorjahren über den Eurotransplant-Verbund an deutsche Kliniken. Rund 200 zusätzliche Organe aus Belgien, den Niederlanden, Kroatien, Ungarn, Österreich und Slowenien erreichten Deutschland auf diese Weise.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) will ihre Statistiken für 2017 laut "SZ" am Montag vorstellen.

yes/AFP

insgesamt 189 Beiträge
sarido 13.01.2018
1. Bewusst verweigere ich es
Bewusst verweigere ich es, den mir jährlich mit der Jahreslohnübersicht zugeschickten Organspendeausweis auszufüllen und mitzutragen. Warum? Weil das deutsche Organspendeverfahren auch ein Beispiel für verfehlte Politik und [...]
Bewusst verweigere ich es, den mir jährlich mit der Jahreslohnübersicht zugeschickten Organspendeausweis auszufüllen und mitzutragen. Warum? Weil das deutsche Organspendeverfahren auch ein Beispiel für verfehlte Politik und den zu großen Einfluss von Lobbygruppen (Kirche!) ist. Ich hatte gerne eine Umkehr des Verfahrens wie in den Niederlanden: Jeder ist Organspender außer er hat sich bewusst (!) und formal dagegen erklärt. Nur so gibt es auch wieder mehr Leid lindernde Organspender und diejenigen die wirklich perönlich - aus welchen Gründen auch immer - dies nicht möchten; so soll es sein. Go, GroKo, Go!
Crom 13.01.2018
2.
Einfaches Mittel: Wer nicht bereit ist, selber zu spenden, bekommt auch keine Organe.
Einfaches Mittel: Wer nicht bereit ist, selber zu spenden, bekommt auch keine Organe.
sozialismusfürreiche 13.01.2018
3. Frage
Derzeit ist es doch so, dass wenn man sich zur Organspende bereit erklärt erklären muß, was man nicht spenden möchte. Besser wäre es anders herum. Oder irre ich mich? Ich möchte nicht das Gefühl haben einer [...]
Derzeit ist es doch so, dass wenn man sich zur Organspende bereit erklärt erklären muß, was man nicht spenden möchte. Besser wäre es anders herum. Oder irre ich mich? Ich möchte nicht das Gefühl haben einer Vollverwertung zugeführt zu werden wie ich Schlachthof.
joG 13.01.2018
4. Transplantationen wurden im Dlf ....
....besprochen. Ich war einigermaßen entsetzt wie wenige in Deutschland vorgenommen werden. So komplizierte Operationen brauchen Übung und dazu genügen diese Zahlen vielfach kaum. Einige Organe werden in ganz Deutschland kaum [...]
....besprochen. Ich war einigermaßen entsetzt wie wenige in Deutschland vorgenommen werden. So komplizierte Operationen brauchen Übung und dazu genügen diese Zahlen vielfach kaum. Einige Organe werden in ganz Deutschland kaum öfter vorgekommen als an einigen einzelnen Kliniken in Spanien, Belgien oder den USA.
Patrik74 13.01.2018
5. Kein Vertrauen
So ist das halt nach 30 neoliberalem Dogma - es glaubt eben kaum einer mehr, dass die (im Zweifel privatisierten) Kliniken gewinnorientiert Vorgehen, und im Zweifelsfall nicht doch lieber 3 teure OPs (1x Entnahme von 2 Nieren + 2x [...]
So ist das halt nach 30 neoliberalem Dogma - es glaubt eben kaum einer mehr, dass die (im Zweifel privatisierten) Kliniken gewinnorientiert Vorgehen, und im Zweifelsfall nicht doch lieber 3 teure OPs (1x Entnahme von 2 Nieren + 2x Transplantieren bei Privatpatienten) anstatt nur einer (Leben retten des Kassenpatienten) abrechnen. Kannst sich jemand vorstellen, wie PEINLICH es im Golfclub ist, wenn der andere Chefarzt mehr verdient? Unzumutbar! Der Michel ist zwar unglaublich genügsam und einfältig, wenn es um „Gedöns“ wie Gerechtigkeit (Einkommen, Vermögen, Steuern, Bildungs- und Berufschancen) geht, aber wenn es ihm selbst ans Leder geht, dann wacht er auf...
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