Gesundheit

Ausreden für Läufer

Zu kalt, keine Zeit, die Ausrüstung fehlt

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, erste Vorsatzfasser kommen mit lästigen Besserungsvorschlägen um die Ecke. Aber Achim Achilles kennt fünf Gründe, warum jetzt gar kein guter Zeitpunkt ist für einen Laufstart.

DPA

Jogger im Schnee

Donnerstag, 07.12.2017   09:49 Uhr

Achilles-Klassiker

In der Reihe "Achilles-Klassiker" präsentiert SPIEGEL ONLINE Schätze aus dem Archiv des Wunderathleten Achim, der trotz intensiven Lauftrainings kaum von der Stelle kommt.

Dieser Text erschien bei SPIEGEL ONLINE ursprünglich im Jahr 2011.

Ach du Schreck - der Moment der guten Vorsätze naht schon wieder. Mona führt bereits seit dem Frühsommer eine Liste mit den üblichen Besserungsvorhaben: aufräumen, auch mal im Hirn, Yoga, keine Kohlenhydrate, nie wieder Alkohol, dafür mal wieder ein Buch anfassen. Der lebenskluge Ausdauersportler lächelt milde: Wer relativ regelmäßig trainiert, also mehrmals im Monat, der weiß: Alle guten Vorsätze haben eines gemeinsam: Sie halten selten länger als zwei Wochen .

Womit ein Paradox des Lebens erklärt wäre. Demonstrative Vorsatzfasser wollen gar nichts ändern, sondern ihr Gewissen erleichtern. Die große Geste des Vorhabens ersetzt die Tat - symbolisches Handeln eben. "Fang' doch einfach jetzt schon an", sage ich zu Mona, während ich die Laufschuhe schnüre, "so wie ich." Großer Fehler: Wer sich fest vorgenommen hat, sein Leben zu ändern, will auf gar keinen Fall durcheinandergebracht werden mit seinen Plänen. Deswegen hier fünf gute Gründe, warum potentiell Laufwillige mit ihren guten Vorsätzen auf gar keinen Fall schon Anfang Dezember loslegen sollten.

Ein Plan

Große Änderungen brauchen einen großen Plan. Und jeder große Plan braucht ein großes Datum. Nur am historischen 1. Januar ist das menschliche Wesen in der Lage, Tagesablauf, Motivation, Ernährung und Körpergefühl auf einen Schlag in den Athleten-Modus zu switchen. Monatelang angestaute Angst vor diesem Moment erleichtern das Vorhaben immens - und natürlich der puckernde Brummschädel. Völlig unmöglich, schon heute Abend außerplanmäßig mal 20 Minuten Trab zu versuchen, womöglich noch zu einer krummen Zeit.

Kalt

Einfach heute anfangen? Unmöglich. Ist ja viel zu kalt. Und dann noch dieses Kratzen im Rachen, eindeutiger Vorbote einer lebensbedrohenden Bronchial-Dings, die sich bestimmt umgehend auf den Herzmuskel legt. Nein, lieber nicht jetzt. Zu gefährlich. In vier Wochen wird sich die gesundheitliche Lage fundamental geändert haben, auch von der Lust her.

Keine Zeit

Heute laufen, einfach so? Eigentlich gar keine schlechte Idee. Dummerweise liegt noch so viel Papier auf dem Schreibtisch. Bis zum 1. Januar ist das natürlich komplett verschwunden. Und Mails sind auch noch zu machen, allesamt von hoher Priorität. Außerdem lange nicht mehr auf Instagram geguckt. Da werden ja immer viele gute Insta-Storys und Trainingsselfies gepostet.

Allein

Die Idee mit der Lauferei ist ja schön und gut. Aber allein? Unmöglich. Was, wenn man sich den Fuß verknackst? Von Wildschweinen attackiert wird? Oder von Walkern? Erst mal Termin machen, am besten mit jemandem, der berüchtigt ist für seine Absagen in letzter Minute.

Ausrüstung

Laufen ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Steht alle vier Wochen wieder in "Runners' World" - auch nur ein Schritt ohne privaten Coach, ergonomische Aminosäuren sowie sprechende Kompressionssocken und achtlagige Himalaya-Pelle ist überhaupt nicht denkbar.

Also erst mal shoppen. Deutsche Haushalte leiden ja ohnehin an Textilknappheit. In zwei Monaten findet sich im Keller zwischen Snowboard-, Kitesurf-, Qi-Gong- und Fliegenfischausrüstung bestimmt noch ein Plätzchen. Denn spätestens am 15. Januar ist klar: Irgendwie wird das wieder nichts - meist das Knie. Aber 2019 ist ja auch noch ein Jahr. Hauptsache, jetzt nicht.


Dieser Text ist ein Auszug aus:

Anzeige
Achim Achilles:
Keine Gnade für die Wade

Lerne Laufen ohne Leiden

Heyne Verlag; 208 Seiten; 8,99 Euro

insgesamt 3 Beiträge
John McC!ane 08.12.2017
1. Das sind...
keine Ausreden, das ist blanker Sarkasmus - wenn auch gerechtfertigt! :-) Allerdings fällt es mir im Sommer oder zumindest bei Sonnenschein tatsächlich deutlich leichter, mich zu motivieren, als im trüben, kalten Winterwetter. [...]
keine Ausreden, das ist blanker Sarkasmus - wenn auch gerechtfertigt! :-) Allerdings fällt es mir im Sommer oder zumindest bei Sonnenschein tatsächlich deutlich leichter, mich zu motivieren, als im trüben, kalten Winterwetter. Meine besten 10K Zeiten laufe ich immer bei 12-17 Grad - deutlich darüber oder darunter wirkt sich messbar auf die Performance aus. Für Sprints sieht es wieder anders aus, die gehen am besten bei 20-26 Grad. Im Winter sollte man die aber tatsächlich besser ganz bleiben lassen - jedenfalls draußen, es sei denn man steht auf Zerrungen und Muskelfaserrisse...
rindsgingel 08.12.2017
2.
Tja, seit ein Laufband im Haus steht, gibt es keine Ausreden mehr. Ist nicht jedermanns Sache, aber ich mag's.
Tja, seit ein Laufband im Haus steht, gibt es keine Ausreden mehr. Ist nicht jedermanns Sache, aber ich mag's.
trompetenmann 08.12.2017
3. Bin auch ein Schönwetterläufer...
... aber ich gehe seit kurzem lieber 2 Stunden Fußballspielen, und das bei Wind und Wetter. Macht mehr Spaß und ist sicherlich ähnlich anstrengend wie Laufen. Durch den Gruppenzwang ist man auch eher motiviert...
... aber ich gehe seit kurzem lieber 2 Stunden Fußballspielen, und das bei Wind und Wetter. Macht mehr Spaß und ist sicherlich ähnlich anstrengend wie Laufen. Durch den Gruppenzwang ist man auch eher motiviert...

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP