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Ungerechte Bezahlung

Gleichstellungsbehörde prüft BBC-Gehälter

Ihre männlichen Kollegen verdienen offenbar 50 Prozent mehr als sie, deshalb hat Carrie Gracie ihren Job als Korrespondentin hingeschmissen. Nun drohen der BBC Konsequenzen.

DPA

BBC-Journalistin Carrie Gracie

Dienstag, 09.01.2018   15:37 Uhr

"Ich will nicht mehr Geld. Ich will nur, dass die BBC sich an das Gesetz hält und Männer und Frauen gleich wertschätzt." Nachdem China-Korrespondentin Carrie Gracie ihren Job hingeschmissen hat, weil männliche Kollegen für die gleiche Arbeit deutlich besser bezahlt werden, will nun die britische Gleichstellungsbehörde von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt wissen, welche Richtlinien über die Gehälter entscheiden.

Gracie hatte in einem offenen Brief kritisiert, dass Männer in gleichen Positionen mindestens 50 Prozent mehr Lohn bekämen. Sie habe deshalb ihren lukrativen Posten als Bürochefin in China aufgegeben und wolle nun auf ihren alten Posten in London zurückkehren. Gleichzeitig fordert sie die BBC auf, "das Problem einzugestehen, sich dafür zu entschuldigen und eine gleichwertige, faire und transparente Vergütungsstruktur zu schaffen".

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Der Kommission seien "die Äußerungen von Carrie Gracie über unrechtmäßige Lohndiskriminierung bei der BBC bekannt", erklärte die Gleichstellungsbehörde. Die BBC soll nun zu ihren Gehaltsrichtlinien und zum konkreten Fall Auskunft geben, teilte die zuständige Kommission der Regierung mit. "Wir werden auf Basis dieser Informationen prüfen, ob weiterer Handlungsbedarf besteht."

Die BBC geriet bereits im Juli in die Kritik, nachdem sie zum ersten Mal die Jahresgehälter ihrer Top-Moderatoren veröffentlicht hatte. Nur ein Drittel der Spitzenverdiener sind demnach Frauen.

Ein Sprecher der BBC sagte, viele Unternehmen hätten mit ungleicher Bezahlung von Männern und Frauen zu kämpfen. Die BBC schneide deutlich besser ab als der Durchschnitt. Zudem habe eine unabhängige Überprüfung ergeben, dass es keine "systematische Diskriminierung" von Frauen gebe.

koe/dpa

insgesamt 2 Beiträge
weltgedanke 09.01.2018
1.
Mir fällt diese schöne Geschichte ein, die ich vor Jahren mal gelesen habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_Arbeitern_im_Weinberg So wie dem Hausherrn dort zusteht, sein Geld auszugeben, wie er will, steht der [...]
Mir fällt diese schöne Geschichte ein, die ich vor Jahren mal gelesen habe: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_Arbeitern_im_Weinberg So wie dem Hausherrn dort zusteht, sein Geld auszugeben, wie er will, steht der BBC-Dame heute frei, ihren Job zu kündigen, wenn ihr die Bedingungen nicht mehr gefallen. Irgendwie nur komisch, dass es hier auf SPON steht, wenn sie das tut. Was ist daran so besonders? Letztendlich lässt sich die Debatte, die hier seit Monaten losgetreten werden soll, nur damit erklären, dass Frauen (und einige Männer) behaupten, die Marktwirtschaft habe einen Fehler. Klar, die hat sie hier und da. Das bestreitet wohl niemand. Das Problem ist nur, dass man als Kritiker auch bessere Vorschläge machen sollte. Diese Entgeltgesetze fordern letztendlich den Sozialismus. Denn will ich hier in Deutschland ehrlich gesagt nicht wieder sehen. Wenn der Sozialismus als der bessere Vorschlag gelten soll, dann sollte das auch offen so genannt werden, dann können wir das wie erwachsene Leute erörtern, was dafür und dagegen spricht. Die ganze Diskussion lässt sich m.E. niemals zufriedenstellend lösen, weil es die Vergleichbarkeit der Arbeit, die Grundlage der egalitären Gehaltsgerechtigkeit ist, immer seltener gibt. Menschen sind individuell, immer mehr Jobs enthalten kreative Elemente, die Arbeitsleistung lässt sich dadurch immer schwerer objektiv messen, es gibt Softskills, private Einflüsse und so weiter. Am Ende läuft es immer wieder auf die Frage heraus: "Was will der Chef/das Unternehmen mir für das bezahlen, was ICH leiste?" Das entscheidet er/es selbst. Einmischung des Gesetzgebers finde ich da fehl am Platz.
benuron 10.01.2018
2. Thema verfehlt
Es geht eben nicht um die Fälle, die NICHT vergleichbar sind oder vergleichbar gemacht werden können. Es geht um Diskriminierung. Ob nun aufgrund des Geschlechts, der Hautfarbe oder der Religion ist eigentlich unwichtig. In [...]
Es geht eben nicht um die Fälle, die NICHT vergleichbar sind oder vergleichbar gemacht werden können. Es geht um Diskriminierung. Ob nun aufgrund des Geschlechts, der Hautfarbe oder der Religion ist eigentlich unwichtig. In diesem Fall geht es um vergleichbare Posten. Wenn Frauen so eklatant schlechter bezahlt werden (als bspw. ihre Vorgänger auf selbigem Posten), dann ist das Diskriminierung und hat mit dem System Marktwirtschaft nichts zu tun.

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