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Beförderung

Erst Kollege, dann Chef - wie der Übergang gut klappt

Gerade noch mit den Kollegen über die Chefs gemeckert, jetzt ist man plötzlich einer von ihnen. Wie der Übergang gut klappen kann, verrät ein Führungskräfte-Coach.

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Plötzlich Vorgesetzter

Freitag, 12.01.2018   10:13 Uhr

Wer zum Projekt- oder Abteilungsleiter befördert wird, bestimmt plötzlich über die Kollegen, mit denen er gerade noch Seite an Seite gearbeitet hat. Führungskräfte-Coach Bianca Fuhrmann sagt, wie man als Chef gut startet und welche Fehler man vermeiden sollte.

Zur Person

Frage: Gerade war man noch Kollege, jetzt ist man Chef. Welche Fehler könnten einem in der neuen Situation passieren?

Fuhrmann: Das hängt ein bisschen vom Typ ab. Jeder nimmt so eine Beförderung anders auf. Da gibt es zum Beispiel die Rabauken oder die jungen Wilden, die das überschäumend feiern. Die denken dann, dass sich jeder darüber freut - das ist aber oft gar nicht so. Umgekehrt passiert es aber auch, dass ohne offizielle Bekanntgabe der neuen Führungsperson unklar ist, wer jetzt eine Führungsrolle hat. Das ist auch sehr schwierig, weil dann heimliche Führer entstehen, die diese Rolle dann einfach an sich reißen.

Frage: Wie kann der Start in die neue Rolle gelingen?

Fuhrmann: Ich brauche eine Art Kick-off. Das muss keine ganz formelle Veranstaltung sein. Aber ich muss meinen Führungsanspruch klarstellen, ich muss Orientierung und Sicherheit geben. Was sind die Rahmenbedingungen meiner Führung? Wofür bin ich verantwortlich, was sind meine Ziele, wie funktioniert das? Und was ist zum Beispiel auch mit meiner alten Rolle und meinen alten Aufgaben? Das sind so Fragen, die ich definitiv klären muss.

Frage: Also geht es da eher um harte Fakten, nicht um Ansagen wie "Meine Tür ist immer offen"?

Fuhrmann: Doch, das gehört schon auch dazu - aber man muss das unterscheiden. Einerseits sind da die Fakten, andererseits eben die weicheren Faktoren, das Teambuilding. Duze ich zum Beispiel, oder sieze ich plötzlich? Das wäre so eine typische Frage. Und, ganz wichtig: Im Kick-off muss ich auch in den Dialog mit den Mitarbeitern gehen und herausfinden, wo mögliche Knackpunkte und Probleme liegen. Denn wenn ich die nicht finde, kann ich sie auch nicht lösen.

Frage: Eventuell bin ich ja nicht der Einzige im Team, der sich auf die Führungsrolle beworben hat. Wie gehe ich damit um?

Fuhrmann: Aussitzen kann ich es leider nicht. Denn wenn sich jemand auch auf eine Führungsrolle beworben hat, wird er alles tun, nur nicht mitschwimmen. Eher versucht er, meine Führung zu untergraben - und da darf ich dann nicht das Gesicht verlieren. Das ist wie im Tierreich, das ist Rudelverhalten: Wer keine Stärke zeigt, dem folgt man nicht.

Frage: Wie kann ich Konflikte vermeiden?

Fuhrmann: Wenn es mir gleich gelingt, Probleme auszuräumen, ist es natürlich perfekt. Aber meiner Erfahrung nach ist das leider eher die Ausnahme. Wahrscheinlicher ist, dass es eskaliert - und dass dann plötzlich auch Sachen auf den Tisch kommen, die mit dem Konflikt eigentlich gar nichts mehr zu tun haben. Da bin ich als Führungskraft auch dafür verantwortlich, die Streitpunkte sauber voneinander zu trennen.

Frage: Wer kann mich dabei unterstützen?

Fuhrmann: Ich muss mich in einer Führungsrolle immer mit der nächsthöheren Ebene absprechen: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, dass mein Chef einschreiten muss? Das kann nötig sein - gleichzeitig darf der aber nicht wie ein großer Bruder wirken, den ich immer rufe, wenn es ernst wird. Denn das entmachtet mich natürlich auch.

Frage: Kann ich weiterhin mit Kollegen befreundet sein?

Fuhrmann: Davon muss ich mich ein Stück weit verabschieden. Denn ich bin jetzt eben nicht mehr nur der Freund, ich habe jetzt auch eine Verantwortung gegenüber der nächsthöheren Ebene. Das passiert leider sehr oft, dass sich Führungskräfte noch als Teil des Teams sehen - das stimmt aber eben nur noch zum Teil.

Frage: Was bedeutet das konkret?

Fuhrmann: Das heißt zum Beispiel auch, dass ich auf das Bier nach Feierabend im Kollegenkreis erst mal verzichten muss. Und wenn ich es mache, dann eher im großen Kreis. Denn es darf nicht so wirken, als würde ich einzelne Kollegen bevorzugen. Da entsteht dann eine Art Grüppchenbildung, und das sorgt auch wieder für Unzufriedenheit.

Frage: Wäre es nicht einfacher, für eine Führungsrolle das Unternehmen zu wechseln?

Fuhrmann: Es muss nicht gleich ein Unternehmenswechsel sein - oft reicht es schon, innerhalb des Unternehmens in einen anderen Bereich oder eine andere Abteilung zu gehen. Aber ja, aus dem eigenen Team in eine Führungsrolle zu gehen, ist wirklich die denkbar schwierigste Situation.

kha/dpa/Tobias Hanraths

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