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Streit in Berlin

Dürfen Behörden ihren Mitarbeitern Hitzefrei geben?

Sie machten um 14 Uhr Feierabend und durften trotzdem einen vollen Arbeitstag abrechnen: Mitarbeiter mehrerer Senatsverwaltungen in Berlin haben Hitzefrei bekommen. Nun ziehen manche Behörden die Erlaubnis zurück.

imago/Photocase

Sommer in Berlin

Mittwoch, 08.08.2018   08:53 Uhr

Wegen der anhaltenden Hitze durften die Mitarbeiter mehrerer Berliner Senatsverwaltungen in der vergangenen Woche schon um 14 Uhr Feierabend machen - ohne dass ihnen die Stunden abgezogen wurden oder sie die Zeit nacharbeiten mussten.

Wie die "Berliner Morgenpost" berichtete, gab es Hitzefrei unter anderem in den Senatsverwaltungen für Wirtschaft, Gesundheit, Arbeit und Soziales sowie Kultur. Der Artikel löste eine Welle der Empörung aus - und veranlasste einige Behörden nun, die Hitzefrei-Regelung wieder zurückzunehmen, wie aus einem weiteren Bericht hervorgeht.

Die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) hoben die Sondererlaubnis wieder auf. Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) hält weiter daran fest.

"Aufgrund der extremen Hitze in den nächsten Tagen hat die Senatorin entschieden, eine weitergehende Regelung für die Arbeitszeiten zu treffen", sagte eine Sprecherin. In einer Rundmail hieß es laut "Morgenpost", von Dienstag bis Donnerstag könnten alle Mitarbeiter um 14 Uhr den Dienst beenden. Dies gelte als voller Arbeitstag.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), findet das befremdlich. Er verweist darauf, dass es in Berlin - im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie etwa Brandenburg - keine einheitliche Regelung gibt. "Es gibt keine rechtliche Grundlage dafür, Mitarbeitern wegen der Hitze freizugeben, ohne dass die Arbeitszeit nachgearbeitet wird", sagte er der Zeitung. "Wir erwarten doch auch von den Polizisten, Verkäufern und allen anderen, dass sie bei der Hitze arbeiten. Da können wir nicht sagen: Uns in der Verwaltung ist das zu anstrengend."

Allgemein gilt: Für Arbeitnehmer gibt es kein Recht auf Hitzefrei. Nach der Arbeitsstättenregelung soll die Temperatur in Arbeitsräumen zwar grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen. Allerdings müssen Beschäftigte auch bei Temperaturen von 35 Grad und mehr arbeiten. Der Arbeitgeber muss dann allerdings Schutzmaßnahmen ergreifen und zum Beispiel Jalousien an den Fenstern anbringen oder eine Klimaanlage einbauen.

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Foto: BBC

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insgesamt 116 Beiträge
gankuhr 08.08.2018
1.
Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht. Klimaanlagen installieren wäre auch eine mögliche Lösung, kostet aber Geld, was erst einmal beantragt und bewilligt werden muss und außerdem auch eine gewisse Zeit benötigt, bis es [...]
Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht. Klimaanlagen installieren wäre auch eine mögliche Lösung, kostet aber Geld, was erst einmal beantragt und bewilligt werden muss und außerdem auch eine gewisse Zeit benötigt, bis es umgesetzt wird. Hätte ich als Führungskraft also Angst vor Kreislaufproblemen bei meinen Mitarbeitern, würde ich im Zweifel auch den Tag auf Kosten des Unternehmens beenden. Ist am Ende für den Steuerzahler auch deutlich billiger als die Klimaanlagenlösung.
reminder99 08.08.2018
2. Yippie- Neiddebatte
Da ist sie, die Neiddebatte. wo kommen wir denn da hin wenn ein öffentlicher Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nach kommt, mit gutem Beispiel voran geht und seinen Mitarbeitern soweit möglich bei der extremen Nachmittagshitze [...]
Da ist sie, die Neiddebatte. wo kommen wir denn da hin wenn ein öffentlicher Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nach kommt, mit gutem Beispiel voran geht und seinen Mitarbeitern soweit möglich bei der extremen Nachmittagshitze frei gibt. Der ständige Neid in unserer Gesellschaft ist nur noch zum ko**en
TheFunk 08.08.2018
3. Und so lange keine Klimaanlage installiert wurde,
hat man bei so einem Wetter eben hitzefrei. Das ist völlig okay. Schüler bekommen auch hitzefrei.
hat man bei so einem Wetter eben hitzefrei. Das ist völlig okay. Schüler bekommen auch hitzefrei.
tinohsk 08.08.2018
4. Hitze
Wenn im Industriebetrieb Maschinen aufgrund der derzeitigen Hitze durch Übertemperatur ausfallen, wird alles dafür getan, diese durch Klimatisierung oder wo es ausreichend ist, durch zusätzliche Belüftung am Arbeiten zu [...]
Wenn im Industriebetrieb Maschinen aufgrund der derzeitigen Hitze durch Übertemperatur ausfallen, wird alles dafür getan, diese durch Klimatisierung oder wo es ausreichend ist, durch zusätzliche Belüftung am Arbeiten zu halten. Sollten nur die Arbeitnehmer reihenweise umkippen, weil bis zu 45 Grad in Der Halle herrschen, ist das völlig egal. Die sollen sich nicht so haben. Traurige Realität in Deutschland.
MannAusmNorden 08.08.2018
5. Arbeitsstättenregelung...
Es gibt doch gewisse Arbeitsstättenregelungen. Bei einer Bekannten war es mal, dass sie im Winter nach Hause geschickt wurden, weil sie das Büro nicht mehr über 16°C geheizt bekommen haben. Wenn nun in den Räumen der [...]
Es gibt doch gewisse Arbeitsstättenregelungen. Bei einer Bekannten war es mal, dass sie im Winter nach Hause geschickt wurden, weil sie das Büro nicht mehr über 16°C geheizt bekommen haben. Wenn nun in den Räumen der Verwaltung unerträglich hohe Temperaturen sind (über 30°C) dann ist ein arbeiten unzumutbar. Also ist Hitzefrei zulässig, auch für Behörden.

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