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Bundeswehr

"Ich bin stolz, eine Soldatin zu sein"

Sie haben lange Haare, kleiden sich modisch - und arbeiten bei der Bundeswehr. Die Fotografin Yoshiko Jentczak hat Soldatinnen porträtiert, nicht in Uniform, sondern privat.

Yoshiko Jentczak
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Donnerstag, 12.04.2018   10:42 Uhr

Eine junge Frau mit schwarzem Käppi, langen braunen Haaren, Wollschal und Jeanshose blickt in die Kamera. Nichts deutet darauf hin, was sie beruflich macht: Seit rund fünf Jahren ist sie Soldatin und arbeitet in der Sportfördergruppe. Sie sei so ein Typ, dem die Grundausbildung Spaß gemacht habe: das Rumkriechen, im Zelt zu schlafen, lange Zeit in einer Stellung zu verharren.

Die deutsche Fotografin Yoshiko Jentczak wollte herausfinden, wie Frauen dazu kommen, zur Bundeswehr zu gehen und was sie gemeinsam haben. Während ihres Masterstudiums Integriertes Design an der Hochschule für Künste in Bremen bot sich bei einem Kurs zum Thema "Krieg und Frieden" die Möglichkeit dazu.

Mit Hilfe der Bundeswehr kam Jentczak in Kontakt mit geeigneten Kandidatinnen: Die Presseabteilung schickte eine Rundmail, Freiwillige meldeten sich bei der Fotografin. Auf einer Veranstaltung lernte die Studentin außerdem Frauen kennen, die mittlerweile nicht mehr als Soldatinnen arbeiten.

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Fotoserie "Soldatinnen": Frauen außer Dienst

Vor dem Jahr 2001 konnten Frauen nur im Musik- und Sanitätsdienst tätig sein, seitdem sind ihnen alle Laufbahnen geöffnet. Sie können Panzerkommandantin, Crewmitglied auf einem U-Boot oder auch Mitarbeiterin in der Verwaltung werden. Heute arbeiten über 21.000 Frauen bei der Bundeswehr, etwa zwölf Prozent der Angestellten - Tendenz steigend. Laut der Website der Bundeswehr soll der Frauenanteil im Truppendienst langfristig 15 Prozent erreichen, im Sanitätsdienst sogar 50 Prozent.

Die Frauen, die Jentczak porträtiert hat, tragen Anoraks, Schals und Mützen - die Fotografin wollte sie nicht in ihrer Dienstkleidung zeigen: "Wenn man den Begriff Soldatin hört, dann erwartet man gleich Frauen in Uniformen. Mich hat aber das Private interessiert." Jentczak fotografierte die Soldatinnen aus diesem Grund nicht an ihrem Arbeitsplatz, sondern mitten auf einem Feld: "Ich wollte alle in einer ähnlichen Umgebung zeigen, um eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen."

Im Video: Frauen bei der Bundeswehr

Foto: NDR

Mit jeder der Frauen sprach sie ein bis zwei Stunden lang. Die Motivation, bei der Bundeswehr zu arbeiten, sei sehr unterschiedlich, sagt die Fotografin, bei manchen war es der Wunsch nach festen Strukturen, bei anderen der viele Sport, wieder andere kamen durch Zufall auf die Idee.

Den einzelnen Fotos fügte Jentczak nur einen Satz aus dem Interview hinzu, der das Verhältnis der Frauen zu ihrer Arbeit beschreibt. Eine Soldatin sagte, sie habe durch ihren Job das Gefühl, gebraucht zu werden. Eine weitere ist stolz darauf, eine Soldatin zu sein, eine andere gesteht, dass sie die Entscheidung für den Beruf bereut.

Jentczak selbst könnte sich nicht vorstellen, bei der Bundeswehr zu arbeiten. Durch ihr Projekt habe sie aber vor allem eines gelernt: Soldatinnen seien ganz normalen Frauen - Menschen wie du und ich.

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