KarriereSPIEGEL

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Frauenveräppelungsgesetz

Ein neues Gesetz soll dafür sorgen, dass Frauen künftig so viel wie Männer verdienen. Es greift ab Samstag, aber es greift zu kurz - und wird rein gar nichts ändern.

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Ein Kommentar von
Samstag, 06.01.2018   11:17 Uhr

Egal wie man kalkuliert und selbst wenn man alle nur denkbaren Einflussmöglichkeiten herausrechnet, steht am Ende immer ein Ergebnis: Es gibt in Deutschland keine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Frauen verdienen auf den gleichen Positionen durchschnittlich immer noch sechs Prozent weniger als Männer. Und keine Branche ist von diesem Missstand ausgenommen.

Sechs Jahre nachdem die SPD-Fraktion den ersten Entwurf dazu vorgelegt hatte, gibt es nun endlich ein Gesetz zur Lohngerechtigkeit. Der Name könnte bürokratischer kaum sein: Entgelttransparenzgesetz. Jeder soll erfahren können, was die Kollegen verdienen. Das ist ein logischer Schritt zu mehr Gerechtigkeit: Nur wer weiß, dass er diskriminiert wird, kann aktiv werden. Aber leider ist das Gesetz nur ein Papiertiger. Verbessern wird es nichts.

Einen Auskunftsanspruch haben nämlich nur Frauen und Männer, die in einem Betrieb mit mindestens 200 Angestellten arbeiten - und die mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts haben, die einen gleichwertigen Job ausüben wie sie selbst. Aber was ist schon gleichwertig?

Wenn der Chef die Frau abspeist - Pech gehabt

Für Arbeitgeber wird es leicht sein, sich hier herauszuwinden: Der Herr Meier trägt doch mehr Verantwortung! Und der Herr Schmidt hat schließlich mehr Kundenkontakt!

Selbst wenn eine Frau es schafft nachzuweisen, dass sechs Männer den gleichen Job machen wie sie selbst, erfährt sie nur einen Mittlerwert. Genauer gesagt, den Median der Gehälter. Das heißt: Wenn drei exorbitant verdienen und drei weitere unterdurchschnittlich wenig, bildet das noch immer nicht mögliche Gehaltsexzesse ab. Das sieht sogar das Familienministerium so. In deren Leitfaden für Arbeitgeber heißt es dazu: Mit der Ermittlung des Medians sei "noch keine Entgeltdiskriminierung belegt".

Was passiert nun also, wenn eine Frau dank des neuen Gesetzes herausfindet, dass ihr Gehalt niedriger ist als der Median der Kollegen? Erst mal gar nichts!

Sie kann den Chef darauf ansprechen, klar. Wenn der sie abspeist - Pech gehabt. Dann kann sie sich höchstens auf das Allgemeine Geichbehandlungsgesetz berufen und eine Klage vor Gericht anstreben. Wie aussichtsreich so etwas ist, hat vor einem Jahr der Fall einer ZDF-Reporterin gezeigt. Sie wollte ihren Arbeitgeber dazu zwingen, ihr genauso viel zu zahlen wie ihren männlichen Kollegen - und musste sich vom Richter anhören, die Kollegen hätten eben einfach besser verhandelt. "Das nennt man Kapitalismus", belehrte er sie.

In Island wurde auch gerade ein Gesetz zur Lohngleichheit verabschiedet. Dort müssen Frauen jetzt nicht mehr von sich aus nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen ist es ab sofort Pflicht der Unternehmen, eine faire Bezahlung zu dokumentieren - und zwar bei einer Firmengröße ab 25 Mitarbeitern. Das wäre auch für Deutschland der richtige Weg.

insgesamt 173 Beiträge
wasistlosnix 06.01.2018
1. Im Normalfall
einigt man sich immer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ich denke mittelfristig wird das Entgeldniveau bei Außertariflichen Verträgen sinken. Es wird nicht so sein das Frauen soviel wie Männer verdienen. Männer werden in [...]
einigt man sich immer auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ich denke mittelfristig wird das Entgeldniveau bei Außertariflichen Verträgen sinken. Es wird nicht so sein das Frauen soviel wie Männer verdienen. Männer werden in Zukunft soviel wie Frauen verdienen um diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen.
aggro_aggro 06.01.2018
2. Und mehr?
Was ist mit Gehaltserhöhungen für Erfahrungsstufen? Nur weil jemand den Job schon länger macht, leistet man doch "die gleiche Arbeit". Ungerecht? Was ist mit den verbeamteten Lehrern? Die gleiche Arbeit - mehr Geld, [...]
Was ist mit Gehaltserhöhungen für Erfahrungsstufen? Nur weil jemand den Job schon länger macht, leistet man doch "die gleiche Arbeit". Ungerecht? Was ist mit den verbeamteten Lehrern? Die gleiche Arbeit - mehr Geld, viel mehr Pension. Und die Leiharbeiter! Gleiche Arbeit, völlig unterschiedliche Entlohnung. Die unterschiedliche Bezahlung von Frauen ist sicherlich ärgerlich, aber nur die Spitze des Eisberges. Außerdem bin ich geneigt zu glauben, dass Etliches in der Statistik durch Babypausen, unterschiedliche Berufsfelder, Teilzeit und weniger Ellenbogeneinsatz im Karriereaufstieg erklärt wird. Bei tatsächlich gleichen Jobs, mit gleicher Hierarchiestufe und gleichem Arbeitsumfang kann das ja nur Jobs mit verhandelbarem Gehalt betreffen... Tarife machen keinen Geschlechtsunterschied.
klingklong-moinmoin 06.01.2018
3. Zusätzliche Informationen
Guten Tag allerseits, ich möchte zunächst sagen, dass ich es gut finde, dass in diesem Artikel nicht von den 20% sondern von den realistischeren 6 % Lohnlücke die Rede ist. Es gibt aber noch etwas, was man berücksichtigen [...]
Guten Tag allerseits, ich möchte zunächst sagen, dass ich es gut finde, dass in diesem Artikel nicht von den 20% sondern von den realistischeren 6 % Lohnlücke die Rede ist. Es gibt aber noch etwas, was man berücksichtigen sollte und verweise auf den Absatz unter der Grafik der folgenden Webseite: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/03/PD17_094_621.html Man lernt, dass nach Eurostatvorgaben einige Wirtschaftsbereich bei der Lohnlückenberechnung ausgeschlossen werden, wobei bei einigen mit Sicherheit auf faire Bezahlung (Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung - größere Arbeitgeber) geachtet wird. Man lernt weiter, dass das Bundesamt für Statistik diese Wirtschaftsbereiche mit einschließt und trotz Hinzunahme von fair(er) entlohnenden Wirtschaftsbereichen die berechnete Lohnlücke gleich bleibt. Das ist recht schräg und könnte darauf hindeuten, dass die 6% ein statistisches Artefakt sind. Viele Grüße
b.w.s 06.01.2018
4. Doch!
Zitat: „Und keine Branche ist von diesem Missstand ausgenommen.“ Doch, wenn man die Gruppe der Beamtinnen und Beamten als „Branche“ bezeichnet, dann schon! Dort verdienen alle, ob Frau oder Mann, bei gleicher Besoldungsstufe [...]
Zitat: „Und keine Branche ist von diesem Missstand ausgenommen.“ Doch, wenn man die Gruppe der Beamtinnen und Beamten als „Branche“ bezeichnet, dann schon! Dort verdienen alle, ob Frau oder Mann, bei gleicher Besoldungsstufe exakt gleich viel.
paulvernica 06.01.2018
5. Jedenfalls bin ich froh
dass sie nicht von diesem unrealistischen GAP von über 20% ausgehen. Abe wieso ist es ein Frauenveräppelungsgesetz ? Ich bin männlich , und wenn meine 5 anderen männlichen Kollegen deutlich mehr verdienen als ich, dann ist das [...]
dass sie nicht von diesem unrealistischen GAP von über 20% ausgehen. Abe wieso ist es ein Frauenveräppelungsgesetz ? Ich bin männlich , und wenn meine 5 anderen männlichen Kollegen deutlich mehr verdienen als ich, dann ist das nicht diskriminierend sondern ich habe einfach mich zu schlecht verkauft. In Deutschland werden Frauen und Männer gleich bezahlt bei gleicher Arbeit insofern es um tarifvertragliche verhandelte Arbeitsplätze handelt. Und bei den anderen muss man halt gut verhandeln. Daher ist es in der Tat , wie sie es nennen, ein Veräppelungsgesetz , es ist aber auch eine unsinnige Forderung , und gegen diese unsinge Forderung hätte Herr Maas entgegentreten müssen. Das ist aber nicht sein Ding, sich gegen eine feministische Lobby durchzusetzen, und genau wie dieses Gesetz, und das Lohfinkgesetz, und Mietpreisbremsegesetz und das NetzDG zeigt sich nur mal wieder die Inkompetenz unseres Justizministers.

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