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Bundesweiter Vergleich

So unterschiedlich sind Azubi-Gehälter

Sie machen die gleiche Ausbildung, aber verdienen knapp 300 Euro im Monat weniger: Tariflöhne von Lehrlingen unterscheiden sich je nach Region. Eine Studie zeigt, in welchen Branchen die Unterschiede besonders groß sind.

Getty Images/Caiaimage
Mittwoch, 25.07.2018   09:36 Uhr

Endlich eigenes Geld verdienen - darauf freuen sich jedes Jahr Hunderttausende Auszubildende, die in einen Lehrberuf starten. Aber natürlich ist Ausbildung nicht gleich Ausbildung. Zwischen den Branchen gibt es große Unterschiede beim Monatsgehalt. Und auch der Wohnort entscheidet, wie viel auf dem Konto landet. Für die gleiche Tätigkeit zahlt man Lehrlingen in manchen Regionen mehrere Hundert Euro mehr - pro Monat.

So verdient ein Azubi im Kfz-Gewerbe im dritten Lehrjahr in Baden-Württemberg 956 Euro pro Monat und in Brandenburg nur 660 Euro, also 296 Euro weniger. Das zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, für die 16 Branchen untersucht wurden, in denen die Ausbildungsvergütung per Tarifvertrag geregelt ist.

Bundeseinheitliche Tarifreglungen zu Ausbildungsvergütungen gibt es nur in wenigen Branchen, etwa bei Banken und Versicherungen, dem öffentlichen Dienst oder der Druckindustrie. In den anderen Branchen gibt es große regionale Unterschiede - je nach Tarifgebiet. Und Firmen, die nicht tarifgebunden sind, zahlen ihren Azubis teilweise noch niedrigere Löhne.

Zwar kosten Mieten, Essen und Nahverkehr im Osten Deutschlands weniger als im Westen. Allerdings lässt sich kaum sagen, was dies tatsächlich ausmacht. Regionale Unterschiede in den Lebenshaltungskosten werden seit Jahren von keiner amtlichen Statistik mehr erfasst.

In der Fotostrecke können Sie sehen, wo die Unterschiede in der Azubi-Vergütung besonders deutlich sind:

Über alle Branchen hinweg reicht die Spanne der Verdienstmöglichkeiten im ersten Ausbildungsjahr von einem Monatslohn von 610 Euro im Kfz-Gewerbe in Thüringen bis zu 1037 Euro in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg.

Auch unabhängig von der Region bietet die Metall- und Elektroindustrie die höchsten Azubi-Gehälter: Schon im ersten Ausbildungsjahr verdienen Lehrlinge in dieser Branche so gut wie überall mehr als 1000 Euro pro Monat.

Lehrlinge im Bauhauptgewerbe - also zum Beispiel angehende Straßenbauer, Maurer oder Zimmerer - können sich über die höchsten Gehaltssteigerungen während der Ausbildung freuen: Im ersten Ausbildungsjahr starten sie in Westdeutschland mit 850 Euro pro Monat - und im dritten Ausbildungsjahr kriegen sie mit 1475 Euro schon 625 Euro pro Monat mehr.

Im Osten fällt die Gehaltssteigerung im Bauhauptgewerbe etwas geringer aus - von 765 Euro im ersten Lehrjahr auf 1190 Euro im dritten Lehrjahr - ist aber immer noch höher als in anderen Branchen. So steigt beispielsweise der Monatslohn im Versicherungsgewerbe zwischen erstem und drittem Lehrjahr nur um 159 Euro.

Die folgenden Übersichten zeigen die Ausbildungsvergütungen im ersten und dritten Lehrjahr in ausgewählten Berufen nach Tarif:

vet

insgesamt 28 Beiträge
vox veritas 25.07.2018
1.
Kein Unternehmen wird davon abgehalten, mehr zu zahlen als der Tarifvertrag fordert. Dieser setzt lediglich Untergrenzen. Wenn die Löhne so sind, wie sie sind, dann ist der Andrang der Bewerber noch hoch genug.
Kein Unternehmen wird davon abgehalten, mehr zu zahlen als der Tarifvertrag fordert. Dieser setzt lediglich Untergrenzen. Wenn die Löhne so sind, wie sie sind, dann ist der Andrang der Bewerber noch hoch genug.
hardy.stiefel 25.07.2018
2. Gehalt oder Vergütung
Es ist nicht nur ein Wortspiel - es ist ein wichtiges Signal. Denn ein Ausbildungsvertrag ist kein Arbeitsvertrag. Und es wundert mich nicht, dass der Bund - und etwas später auch die Länder - ganz weit oben stehen. Gerade im [...]
Es ist nicht nur ein Wortspiel - es ist ein wichtiges Signal. Denn ein Ausbildungsvertrag ist kein Arbeitsvertrag. Und es wundert mich nicht, dass der Bund - und etwas später auch die Länder - ganz weit oben stehen. Gerade im Handwerk ist es für uns sehr teuer, einen Ausbildungsplatz zu stellen. Der/Die Auszubildenden binden eine weitere Arbeitskraft und sind 1,5 Tage in der Berufsschule. Teilweise auch beim Blockunterricht mit Internat. Das können - leider auch wollen - sich immer weniger Betriebe leisten. Und gute Azubis bleiben dem Betrieb überproportional oft erhalten. Daher ist die Vergütung nur ein Teil der Entscheidung, den einen oder andere Ausbildung zu beginnen. Das Geld spielt schon eine Rolle in der Zeit, in der Führerschein, das erste Auto, die Kommunikation und auch die Hobbys immer mehr Geld kosten. Und ich habe kaum einen Azubi im Gespräch gehabt, der wegen der Ausbildungsvergütung einen Beruf angefangen hätte. zu 80% sind es private Gründe, häufig bestimmt aus dem familiären Umfeld. Daher sind solche Statistiken schön, aber bei der Interpretation darf eines nicht vergessen werden. Der GMF -Der Gesunde Menschenverstand. Einschließlich der Erfahrung aus der Praxis.
Jackpod 25.07.2018
3. Macht doch alles Sinn
Ich finde Lohnunterschiede während Der Ausbildung sehr sinnvoll. In Brandenburg oder Meckpomm zahlst Du 200-300 fur eine 1-Zimmer Wohnung. In München, Bonn oder Frankfurt geht die Miete einer 1-Zimmer-Wohnung eher Richtung [...]
Ich finde Lohnunterschiede während Der Ausbildung sehr sinnvoll. In Brandenburg oder Meckpomm zahlst Du 200-300 fur eine 1-Zimmer Wohnung. In München, Bonn oder Frankfurt geht die Miete einer 1-Zimmer-Wohnung eher Richtung 500-600€. Wenn da nicht auch Mehr gezahlt wird, dann kann man doch einpacken als Azubi. Nicht jeder hat die Möglichkeit zuhause wohnen zu bleiben während Der Ausbildung. Unterschiede machen absolut Sinn,wenn sie sinnvoll gerechnet sind.
stef_ma 25.07.2018
4. Liebe SpiegelOnline,
dass Miete, Essen und der öffentliche Nahverkehr im Osten billiger sind ist ein modernes Märchen. Ihr schreibt doch selbst dass es keine Stelle gibt, die die Preise vergleicht. Warum stellt ihr dann diese Behauptung auf? Aber [...]
dass Miete, Essen und der öffentliche Nahverkehr im Osten billiger sind ist ein modernes Märchen. Ihr schreibt doch selbst dass es keine Stelle gibt, die die Preise vergleicht. Warum stellt ihr dann diese Behauptung auf? Aber dann lieber eine gefühlte Wahrheit schreiben, passt ja so schön zu dem Artikel.
stef_ma 25.07.2018
5. Ich kann aus meiner Erfahrung berichten:
Im ländlichen Raum sind die Mieten günstiger, aber die Lebensmittel teurer. Und das hat nichts mit Himmelsrichtungen zu tun. Da es im Osten mehr ländlichen Raum gibt, ist das tendenziell nicht falsch, aber eben auch nicht [...]
Im ländlichen Raum sind die Mieten günstiger, aber die Lebensmittel teurer. Und das hat nichts mit Himmelsrichtungen zu tun. Da es im Osten mehr ländlichen Raum gibt, ist das tendenziell nicht falsch, aber eben auch nicht richtig.

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