KarriereSPIEGEL

Schlechter bezahlte Frauen

Ein Drittel weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin

Sehr viel weniger Geld für den gleichen Job: Die China-Korrespondentin der BBC will nicht länger hinnehmen, dass ihre männlichen Kollegen deutlich mehr verdienen - und hat ihren Job gekündigt.

BBC News & Current Affairs via Getty Images

Carrie Gracie (Archivbild)

Montag, 08.01.2018   15:47 Uhr

30 Jahre lang war sie Journalistin bei der britischen Rundfunkanstalt BBC, nun hat sie offenbar genug: Die China-Korrespondentin Carrie Gracie hat ihren attraktiven Job in Peking gekündigt, weil sie deutlich weniger verdiene als ihre männlichen Kollegen. Der öffentlich-rechtliche Sender habe es versäumt, die Lücke bei der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen zu schließen, kritisiert die 55-Jährige.

"Genug ist genug", schreibt Gracie in einem offenen Brief. Vor einer Woche habe sie ihren Posten als Korrespondentin in China aufgegeben. Sie wolle nun auf ihren alten Posten in London zurückkehren. "Dort erwarte ich, gleich bezahlt zu werden", schreibt Gracie. Sie betont, dass es ihr nicht darum gehe, mehr Geld zu bekommen. Sie fordert gleiche Bezahlung.

Die BBC habe ihr eine Gehaltserhöhung angeboten, die sie ausgeschlagen habe. Die Rundfunkanstalt habe eingeräumt, dass es Gehaltsunterschiede je nach Position gebe, aber nicht deutlich gemacht, wie diese entstehen.

Seit Jahren wird international über die faire Bezahlung von Männern und Frauen diskutiert - zuletzt angefacht durch die "metoo"-Debatte. Einige Länder verfügen bereits über Gesetze, die mehr Gerechtigkeit bringen sollen. So etwa Island, wo ungleiche Löhne von Männern und Frauen inzwischen verboten sind. In Deutschland gilt seit Anfang Januar das Entgelttransparenzgesetz.

Arbeitgeber müssen jetzt Frauen mitteilen, was Männer verdienen, die einen ähnlichen Job machen wie sie - und Männern umgekehrt den Lohn von Frauen. Dabei gibt es jedoch erhebliche Einschränkungen. Der Nutzen des Gesetzes ist deshalb umstritten. In Deutschland verdienen Frauen auf den gleichen Positionen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich sechs Prozent weniger als Männer.

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Eine Analyse bei der BBC hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass zwei Drittel der Spitzenverdiener Männer sind. Die BBC stecke in einer Vertrauenskrise, riskiere krachende juristische Niederlagen und den Abgang weiblicher Talente auf allen Ebenen, schreibt Gracie in ihrem Statement. Frauen mit Migrationshintergrund seien häufig mit noch größeren Gehaltsunterschieden konfrontiert.

Sie könne ihre Arbeit nicht mehr auf hohem Niveau ausführen, wenn sie gleichzeitig mit ihren Chefs über faire Bezahlung streiten müsse. Sie habe erfahren, dass die zwei männlichen internationalen Redakteure von BBC mindestens 50 Prozent mehr verdienen würden als Gracie und ihre Kollegin.

Es sei schmerzlich für sie, sich von ihren talentierten Kolleginnen in China zu verabschieden. "Ich will nicht, dass sie in der Zukunft diesen Kampf führen müssen, weil meine Generation es nicht geschafft, ihn jetzt zu gewinnen", schreibt Gracie.

Ein Sprecher der BBC sagte, viele Unternehmen hätten mit ungleicher Bezahlung von Männern und Frauen zu kämpfen. Die BBC schneide deutlich besser ab als der Durchschnitt. Zudem habe eine unabhängige Überprüfung ergeben, dass es keine "systematische Diskriminierung" von Frauen gebe.

"Hunger nach fairer Bezahlung"

In sozialen Netzwerken bekommt Gracie indes viel Lob. "Wir unterstützen sie aus vollem Herzen und fordern von der BBC, ohne Verzögerung die ungleiche Bezahlung im Unternehmen anzugehen", schreiben mehr als 130 BBC-Journalisten in einem Statement. Andere solidarisieren sich unter dem Hashtag "IStandWithCarrie" mit der Journalistin.

"Die Unterstützung, die ich in den vergangenen Stunden bekommen habe, spricht für den tiefen Hunger nach einem gleichen, fairen und transparenten Lohnsystem", sagte Gracie dem BBC-Radiosender Radio 4. "Ich freue mich besonders, dass die Leute auch meine Arbeit in China erwähnen. Ich möchte nicht als die Frau in Erinnerung bleiben, die sich über Geld beschwert hat."


Anmerkung: In einer früheren Version lautete die Überschrift "50 Prozent weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin". Sie transportierte den Inhalt des Textes nicht korrekt. Carrie Gracie gibt an, dass ihre männlichen Kollegen mindestens 50 Prozent mehr verdienen als sie selbst. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ihr Gehalt rund ein Drittel geringer ausfällt als das der männlichen Kollegen. Wir haben den Fehler korrigiert.

koe

insgesamt 50 Beiträge
willi9000 08.01.2018
1. mal nachrechnen
Überschrift: 50 Prozent weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin Text: "Sie habe erfahren, dass die zwei männlichen internationalen Redakteure von BBC mindestens 50 Prozent mehr verdienen würden, als Gracie und [...]
Überschrift: 50 Prozent weniger Gehalt - BBC-Redakteurin schmeißt hin Text: "Sie habe erfahren, dass die zwei männlichen internationalen Redakteure von BBC mindestens 50 Prozent mehr verdienen würden, als Gracie und ihre Kollegin. " ==> Das funktioniert so nicht. Rechnen Sie bitte nochmal neu und korrigieren Sie eine der beiden Aussagen. - - - - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. MfG Redaktion Forum
misterxyz0815 08.01.2018
2. 6%: gute recherchiert!
Lob an die SPON Redaktion. Im Gegensatz zu den meisten Seifenbläsern wurde hier die zumindest vom statistischen Bundesamt veröffentlichte korrekte Zahl genannt, 6% Differenz, und nicht die falsche Zahl, also der gesamte Lohn [...]
Lob an die SPON Redaktion. Im Gegensatz zu den meisten Seifenbläsern wurde hier die zumindest vom statistischen Bundesamt veröffentlichte korrekte Zahl genannt, 6% Differenz, und nicht die falsche Zahl, also der gesamte Lohn Unterschied. Was nun leider noch fehlt wäre die gleiche Zahl mal für England (BBC Land), dann die gesamte Lohnlücke mal für England, dann vielleicht noch ein wenig Erklärung warum 26% falsch sind, wie das ganze bereinigt wird und vielleicht als Kür darauf hingewiesen, dass das statistische Bundesamt nur ein Veröffentlicher ist, es jedoch genauso Studien mit Ergebnis 2%, 4% 10% etc. für Deutschland gibt Hoffe das ist nicht zu anspruchsvoll^^
pimpipump 08.01.2018
3.
interessant, denn gerade noch ende 2017 befand ein unabhängiges gutachten (pay gap report durch pwc und der kanzlei eversheds, immerhin beaufsichtigt durch einen ehemaligen richter und lord (sir patrick elias)), dass es beim bbc [...]
interessant, denn gerade noch ende 2017 befand ein unabhängiges gutachten (pay gap report durch pwc und der kanzlei eversheds, immerhin beaufsichtigt durch einen ehemaligen richter und lord (sir patrick elias)), dass es beim bbc keine systematische diskriminierung gegenüber frauen gäbe. entweder ein gefälligkeitsgutachten oder frau gracie vergeneralisiert ihre persönliche wahrnehmnung ... beides wird schwierig in einklang zu bringen sein.
virginia 08.01.2018
4. noch mal zur klarstellung
sie hat ihren job als korrespondentin des peking bueros hingeschmissen. NICHT ABER IHRE FUNKTION ALS BBC REDAKTEURIN. sie waere ja bescheuert, nach 30 jahren ihre satte BBC pension aufzugeben. hinzu kommt, dass sie auf der BBC [...]
sie hat ihren job als korrespondentin des peking bueros hingeschmissen. NICHT ABER IHRE FUNKTION ALS BBC REDAKTEURIN. sie waere ja bescheuert, nach 30 jahren ihre satte BBC pension aufzugeben. hinzu kommt, dass sie auf der BBC webseite auch erwaehnt hat, sie wuerde sehr gut verdienen.
t.gehrmann 08.01.2018
5. #metoo
Zitat: "Seit Jahren wird international über die faire Bezahlung von Männern und Frauen diskutiert - zuletzt angefacht durch die "metoo"-Debatte." #metoo hat genau gar nichts mit fairer Bezahlung zu tun. [...]
Zitat: "Seit Jahren wird international über die faire Bezahlung von Männern und Frauen diskutiert - zuletzt angefacht durch die "metoo"-Debatte." #metoo hat genau gar nichts mit fairer Bezahlung zu tun. Aber was soll's, ist ja für ne gute Sache. Das ist es, was man schon seit Jahrzehnten Frauenlogik nennt, die Zusammenhänge und (oh graus) Fakten spielen keine Rolle, denn es geht ja schließlich um Gefühle. Und zwar um die der schlimmsten Sorte: Unterdrückung und Ausbeutung und das seit Jahrtausenden.

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