Gewalt gegen Lehrer

So können sich Pädagogen wehren

Drohungen, Mobbing, Attacken: Fast die Hälfte aller Schulleiter berichtet in einer aktuellen Studie von Gewalt gegen Pädagogen an ihren Schulen. Was können Lehrer tun?

DPA

Lehrerzimmer (Archivbild)

Mittwoch, 02.05.2018   17:56 Uhr

Mal ist es der Grundschüler, der wild um sich schlagend auf die Lehrerin losstürmt. Mal landet ein heimlich aufgenommenes Video vom Lehrer im Netz. Dann wieder ist es die hingezischte Drohung, man wisse schon, wo der Pädagoge wohne: Gewalt gegen Lehrer, psychisch oder physisch, ist für Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), ein riesiges Problem. Er verweist auf eine neue Studie, nach der fast die Hälfte aller Schulleiter von solchen Problemen in ihrer Einrichtung berichten.

Doch was können betroffene Lehrer konkret tun, wenn eine Situation eskaliert? Wer körperlich angegriffen wird, darf sich wehren - das gilt auch für Lehrer. "Die haben ja nicht weniger Rechte als andere Menschen auch", sagt Anwalt Rolf Tarneden, Experte für Schulrecht. Wird ein Lehrer von einem Schüler geschlagen, darf er also zurückschlagen - und zwar so hart, dass der Angriff beendet wird.

Voraussetzung ist aber, dass von dem Angreifer tatsächlich eine Gefahr ausgeht, es sich also um einen älteren und kräftigen Schüler handelt - und nicht um einen tobenden Grundschüler. Im Ernstfall darf dann nicht nur der Angegriffene selbst körperliche Gewalt anwenden - auch ein anderer Lehrer, der die Situation mitbekommt, kann entsprechend eingreifen. "In der Praxis ist das aber eher theoretischer Natur", sagt Tarneden. Dass es an Schulen wirklich zu solchen Notwehrsituationen kommt, sei selten.

Umfangreicher Strafkatalog

Häufiger kommt es zu anderen Gegenmaßnahmen, die im Schulrecht geregelt sind: Die erste Stufe sind sogenannte Erziehungsmaßnahmen wie

Bei schweren Fällen folgen die Ordnungsmaßnahmen,

Solche Maßnahmen kann ein Lehrer beziehungsweise die Schulleitung in Form einer Sofortmaßnahme auch sehr schnell verhängen. Über längerfristige Verweise entscheidet dann eine Klassenkonferenz. Bei eindeutigen Fällen körperlicher Gewalt können sich Lehrer und Schulen deshalb oft gut wehren, sagt Rechtsanwalt Tarneden.

Schwieriger wird es bei psychischer Gewalt, beim Mobbing gegen Lehrer also. "Das Wort kennen wir alle, es ist aber gar nicht richtig greifbar", sagt der Experte. Solche Situationen richtig zu bewerten, sei deshalb oft schwierig - und damit auch die Wahl der richtigen Gegenmaßnahme. Meistens sei das aber eher ein Fall für die internen Gremien der Schule, so Tarneden:

Unabhängig von den schulischen Maßnahmen stehe es jedem Lehrer, aber auch der Schulleitung frei,

sagt Anwalt Tarneden. Das löse bei manchen Schülern einen heilsamen Schreck aus - auch wenn Unter-14-Jährige gar nicht strafmündig seien und deshalb gar keine Konsequenzen drohten.

him/dpa

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