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Gender-Pay-Gap

Island verbietet ungleiche Löhne von Männern und Frauen

Island macht Ernst bei der Lohngleichheit: Seit Jahresanfang schreibt ein Gesetz gleiches Gehalt für gleichwertige Tätigkeiten vor.

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Isländischer Fußballfan

Donnerstag, 04.01.2018   14:27 Uhr

Sie leisten die gleiche Arbeit, kriegen aber weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen - für viele Frauen ist das Alltag. Island hat nun als erstes Land der Welt ein Gesetz eingeführt, das grundsätzlich gleichen Lohn für gleiche Arbeit garantiert. Der "Equal Pay Act" ist seit Jahresanfang in Kraft.

Betroffene Frauen müssen jetzt nicht mehr nachforschen, ob sie schlechter bezahlt werden. Stattdessen ist es ab sofort Pflicht der Unternehmen, eine faire Bezahlung zu dokumentieren.

Die Regelung gilt für Betriebe mit 25 und mehr Mitarbeitern, der Nachweis muss alle drei Jahre erbracht werden. Schon seit 2012 können isländische Unternehmen ein entsprechendes Zertifikat freiwillig erwerben, nun ist es verpflichtend geworden.

Zwar ist eine durch das Geschlecht bedingte Benachteiligung bei der Bezahlung in Island schon seit Jahrzehnten gesetzlich verboten. Doch die Unternehmen argumentierten bisher oftmals mit der Art der Arbeit - mit dem Effekt, dass Frauen trotzdem weniger Gehalt bekamen. Der "Equal Pay Act" soll diese Benachteiligung jetzt beenden.

Dauer der Ausbildung und Qualifikation als Kriterien

"Nun müssen die Firmen beweisen, dass sie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit zahlen", sagt Maríanna Traustadóttir vom isländischen Gewerkschaftsbund. Entscheidend sei dabei der Begriff der Gleichwertigkeit: "Das heißt zum Beispiel, dass Kindergärtnerinnen nicht weniger verdienen dürfen als ein Chauffeur, der bei der gleichen Gemeinde angestellt ist und der mit dem Lastwagen Sand bringt für den Spielplatz."

Nach der Neuregelung müssen jetzt die Dauer der Ausbildung und die Qualifikation verglichen werden, "sodass klassische Frauenberufe grundsätzlich bessergestellt werden", sagt Traustadóttir. Nur so könne wirkliche Lohngleichheit erreicht werden.

Nach Experteneinschätzungen gilt Island auf diesem Gebiet schon lange als Vorreiter. Das Weltwirtschaftsforum etwa bescheinigt dem Land bereits seit neun Jahren eine weltweite Spitzenposition bei der Gender-Gerechtigkeit. Trotzdem verdienen Frauen dort im Schnitt immer noch fast 17 Prozent weniger als Männer.

In Deutschland beträgt der Gender-Pay-Gap etwa 21 Prozent. Die ungleiche Bezahlung existiert dabei auf allen Qualifikationsstufen - bis hinein ins Management von Unternehmen, zeigen Studien.

Mit dem neuen Entgelttransparenzgesetz erhalten nun auch Arbeitnehmer in Deutschland die Möglichkeit, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wie viel Geld Kollegen in vergleichbaren Positionen verdienen. Das neue Gesetz gilt allerdings nur für Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. Außerdem muss es mindestens sechs Kollegen des jeweils anderen Geschlechts geben, die einen ähnlichen Job haben wie der Antragsteller. Und die Firmen müssen nur den Median der Gehälter nennen.

Schafft die Hausarbeiten ab!

him/dpa

insgesamt 147 Beiträge
vitalik 04.01.2018
1.
Die unverschämte Behauptung mit den 21% Gander-Pay-Gap wird wohl nie mehr aus den Köpfen verschwinden. Es kann kein Gesetzt geben, welches die angebliche Lücke von 21% schließen könnte, denn dazu müsste man die Frauen [...]
Die unverschämte Behauptung mit den 21% Gander-Pay-Gap wird wohl nie mehr aus den Köpfen verschwinden. Es kann kein Gesetzt geben, welches die angebliche Lücke von 21% schließen könnte, denn dazu müsste man die Frauen zwingen bestimmte Berufe zu ergreifen und auf Teilzeit komplett zu verzichten. Es hat nichts (kaum etwas) mit ungleicher Bezahlung zu tun. Was bedeutet diese Aussage: "Das heißt zum Beispiel, dass Kindergärtnerinnen nicht weniger verdienen dürfen als ein Chauffeur, der bei der gleichen Gemeinde angestellt ist und der mit dem Lastwagen Sand bringt für den Spielplatz." Das sind zwei unterschiedliche Berufe, wie kann man da etwas mit einander vergleichen? Die Qualifikation der beiden Berufsgruppen ist doch auch komplett verschieden oder will man nun behaupten, dass ein LKW Führerschein das selbe ist, wie eine Ausbildung/Studium zur Kindergärtnerin?
grabenkaempfer 04.01.2018
2.
von wegen "gleich" "so dass klassische Frauenberufe grundsätzlich bessergestellt werden" das ist schlicht und ergreifend Diskriminierung von Männern
von wegen "gleich" "so dass klassische Frauenberufe grundsätzlich bessergestellt werden" das ist schlicht und ergreifend Diskriminierung von Männern
tiggowich 04.01.2018
3. Ok?
So weit ich weiß, ist Gleichberechtigung in jedem einzelnen Land der westlichen Welt in der Verfassung festgeschrieben... wozu es da jetzt noch ein extra Gesetz brauch? - Keine Ahnung. Absurd. Wer vorher schon diskriminiert hat [...]
So weit ich weiß, ist Gleichberechtigung in jedem einzelnen Land der westlichen Welt in der Verfassung festgeschrieben... wozu es da jetzt noch ein extra Gesetz brauch? - Keine Ahnung. Absurd. Wer vorher schon diskriminiert hat (was ich für totalen Unsinn halte, denn wären Frauen tatsächlich schlechter im gleichen Beruf bezahlt, würden Unternehmer nur ausschließlich 100% Frauen einstellen). Viel mehr sollten all diese engstirnigen und durch die Hardcore-Femnazi Ideologie Verblendeten mal die Augen für die tatsächliche „wage gap“ öffnen. Diese resultiert nämlich gerade NICHT aus Diskriminierung, sondern auf unterschiedlichen Entscheidungen bzgl. Jobwahl, Frauen sind im Schnitt öfter krank, nehmen mehr Urlaub, haben das „Pech“ Kinder zu bekommen und Auszeit zu nehmen, setzen öfter ihre Prioritäten anders als Männer (Freizeit und Lebensqualität vor Karriere und Gehalt) etc etc... Jeder Ökonom und Mensch, der auch nur Ansatzweise Statistiken interpretieren und hinterfragen kann, kann leicht feststellen, dass ganz andere Variablen als Geschlecht das Gehalt bestimmen. Aber hey, bin mir durchaus bewusst, dass im Jahr 2018 die Femnazis die Meinungshoheit haben... Fakten spielen keine Rolle... Mann = böse, Frau = gut
Dr.Fuzzi 04.01.2018
4. Och Joh!
Ich halte es für vorsätzlich, das die Medien in Deutschland immer noch die Mär angeblicher Einkommenslücken zwischen Mann in Höhe von etwa 21 Prozent verbreiten, gleichwohl diese sich faktisch im niedrigen 1-stelligen [...]
Ich halte es für vorsätzlich, das die Medien in Deutschland immer noch die Mär angeblicher Einkommenslücken zwischen Mann in Höhe von etwa 21 Prozent verbreiten, gleichwohl diese sich faktisch im niedrigen 1-stelligen Prozentbereich, so um 3% herum, bewegen. Offensichtlich ein erheblicher Unterschied in der Realität, allerdings nicht ganz so medial wirksam, wie die vorsätzliche Fehlinformation! Dies ist offensichtlich das, was weithin als "Fake-News" bezeichnet wird und viel Bürger immer mehr massiv verärgert!
sammilch 04.01.2018
5.
Darum geht es doch gar nicht. Vereinfacht gesagt: Ein Kindergärtner muss genau so viel verdienen wie eine Kindergärtnerin. Er darf nicht -nur weil er Mann ist- 2€ die Stunde mehr bekommen. Gleiche Arbeit, gleiches Geld. [...]
Zitat von vitalikDie unverschämte Behauptung mit den 21% Gander-Pay-Gap wird wohl nie mehr aus den Köpfen verschwinden. Es kann kein Gesetzt geben, welches die angebliche Lücke von 21% schließen könnte, denn dazu müsste man die Frauen zwingen bestimmte Berufe zu ergreifen und auf Teilzeit komplett zu verzichten. Es hat nichts (kaum etwas) mit ungleicher Bezahlung zu tun. Was bedeutet diese Aussage: "Das heißt zum Beispiel, dass Kindergärtnerinnen nicht weniger verdienen dürfen als ein Chauffeur, der bei der gleichen Gemeinde angestellt ist und der mit dem Lastwagen Sand bringt für den Spielplatz." Das sind zwei unterschiedliche Berufe, wie kann man da etwas mit einander vergleichen? Die Qualifikation der beiden Berufsgruppen ist doch auch komplett verschieden oder will man nun behaupten, dass ein LKW Führerschein das selbe ist, wie eine Ausbildung/Studium zur Kindergärtnerin?
Darum geht es doch gar nicht. Vereinfacht gesagt: Ein Kindergärtner muss genau so viel verdienen wie eine Kindergärtnerin. Er darf nicht -nur weil er Mann ist- 2€ die Stunde mehr bekommen. Gleiche Arbeit, gleiches Geld. Jetzt verstanden?

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