KarriereSPIEGEL

Arbeitsrecht

Wie geht man mit rassistischen Kollegen um?

Sie laufen auf einer Demo von Rechtsradikalen mit, lästern auf Facebook über Flüchtlinge, verschicken fremdenfeindliche Witze über WhatsApp - und dann sitzen sie am Schreibtisch nebenan. Wie verhält man sich? Tipps von der Arbeitsrechtlerin.

Getty Images

Rechte Demonstranten in Chemnitz

Ein Interview von
Dienstag, 11.09.2018   14:29 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: In Chemnitz sind zahlreiche Rechte aufmarschiert, haben den Hitlergruß gezeigt und ausländerfeindliche Parolen gerufen. Was kann man tun, wenn man auf solchen Demos einen Kollegen von sich entdeckt?

Balzer: Was Arbeitnehmer in ihrer Freizeit machen, ist grundsätzlich ihnen überlassen. Wenn sie sich an solchen Demos beteiligen, können sie das tun, solange sie nicht gegen die Gesetze verstoßen. Allerdings gibt es Ausnahmen, insbesondere bei Straftaten wie dem Hitlergruß, wenn erkennbar ist, wo der Kollege arbeitet und somit ein Bezug zum Arbeitgeber möglich ist. Das ist etwa der Fall, wenn der Mitarbeiter den Hausausweis des Unternehmens um den Hals trägt oder an seiner Kleidung zu erkennen ist, wer der Arbeitgeber ist. In diesem Fall schadet das Verhalten des Kollegen dem Ruf des Unternehmens.

SPIEGEL ONLINE: Sollte man dem Chef dann davon berichten?

Balzer: Niemand muss Kollegen verpfeifen, aber wenn man einen Bezug zu einer Firma herstellen kann, ergibt es Sinn, wenn ansonsten ein Schaden für das Unternehmen droht. Erfährt der Arbeitgeber davon, sollte er schon allein aus Eigeninteresse handeln, um seinen Betrieb zu schützen. Insbesondere für Unternehmen, die Waren ins Ausland exportieren oder in denen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt sind, ist das schädlich. Es ist mit dem Image und dem Betriebsfrieden eines internationalen Unternehmens unvereinbar, wenn ein Kollege erkennbar als Unternehmensmitarbeiter auf ausländerfeindlichen Demos mitläuft.

SPIEGEL ONLINE: Was sollte der Arbeitgeber dann tun?

Balzer: Er muss spätestens bei einem solchen Anlass klarstellen, welche Werte am Arbeitsplatz geduldet werden. Das kann er entweder per Mail oder mit einem Aushang tun. Gibt es einen Betriebsrat, kann er mit diesem auch eine Betriebsvereinbarung treffen. Hat sich ein Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens, also beispielsweise in der Kantine oder während der Arbeitszeit, ausländerfeindlich verhalten, muss der Chef ebenfalls intervenieren. Aber es hängt vom Einzelfall ab, wie er das tut. Wenn ein Kollege zum Beispiel einen anderen rassistisch beleidigt hat, kann der Chef ihn versetzen, ihn aber auch abmahnen oder sogar fristlos kündigen.

SPIEGEL ONLINE: Wann ist eine fristlose Kündigung angemessen?

Balzer: Auch das ist eine Einzelfallentscheidung. Sich während der Arbeitszeit ausländerfeindlich zu äußern, stellt zwar grundsätzlich einen wichtigen Grund zur außerordentlichen Kündigung dar. Es muss aber immer der Kontext erfasst werden. Die Richter berücksichtigen in ihrem Urteil etwa auch, welchen Bildungshintergrund ein Mitarbeiter hat, in welchem psychischem Zustand er war und warum er einen anderen beleidigt hat. Es macht einen Unterschied, ob ein Manager im Büro einen Kollegen verbal angreift oder ein Azubi, der sich gerade mit einem anderen Lehrling über etwas gestritten hat.

SPIEGEL ONLINE: Eine Rolle spielt sicher auch, ob jemand in einem Unternehmen angestellt ist oder im öffentlichen Dienst arbeitet, oder?

Balzer: Mitarbeitern im öffentlichen Dienst kommt eine besondere Aufgabe zu. Beamte, Soldaten oder Richter müssen sich eindeutig zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennen und diese schützen. Das gilt auch für alle Angestellten, die hoheitliche Tätigkeiten ausüben - also Lehrer, Erzieher oder Polizisten. Beispielsweise wurde die Kündigung eines rechtsradikalen Erziehers als wirksam erachtet, da sein Freizeitverhalten darauf hindeutete, dass er generell gewaltbereit ist. Dies war unvereinbar mit seinen Erziehungsaufgaben.

SPIEGEL ONLINE: Was sollte man tun, wenn sich Kollegen auf Facebook oder Twitter ausländerfeindlich äußern?

Balzer: Wenn der Account öffentlich ist und ein Bezug zum Arbeitgeber hergestellt werden kann, zum Beispiel, wenn dieser im Profil genannt ist oder jemand ein Foto von sich postet, auf dem er seine Arbeitskleidung trägt, dann können rassistische und verfassungsfeindliche Kommentare Konsequenzen für das Arbeitsverhältnis haben. So hat etwa der Mitarbeiter eines städtischen Nahverkehrs auf einer rechtsradikalen Facebook-Seite unter seinem Namen und in Straßenbahnuniform etwas Ausländerfeindliches gepostet. Dies rechtfertigte die fristlose Kündigung. Es wurde etwa auch einem Hausmeister fristlos gekündigt, der auf seinem öffentlichen Facebook-Profil gegen Ausländer hetzte.

SPIEGEL ONLINE: Was ist, wenn meine Kollegen in einer WhatsApp-Gruppe fremdenfeindliche Witze austauschen?

Balzer: Diejenigen, die sich in einer kleinen, geschlossenen Gruppe darin äußern, dürfen davon ausgehen, dass sie dies in einem privaten Rahmen tun. Auch wenn ein Mitglied dieser Gruppe seinem Chef davon berichtet, kann es sein, dass er die Mitarbeiter nicht deswegen entlassen kann. Allerdings kommt es immer auf den Einzelfall an.

SPIEGEL ONLINE: Was kann ein Mitarbeiter unternehmen, wenn der eigene Chef rechtsradikal ist?

Balzer: Das sollte man gut beobachten und sich gegebenenfalls mit Nachweisen an einen anderen Chef wenden, und den gibt es immer: ein Aufsichtsratsmitglied, ein Gesellschafter, ein anderer Geschäftsführer. Man sollte aber immer erst einmal versuchen, innerbetriebliche Themen auch innerhalb des Betriebes zu klären, bevor man sich etwa an Polizei oder die Presse wendet.

insgesamt 101 Beiträge
zardoz77 11.09.2018
1. Unlustige Naziwitze
Unlustige Naziwitze, ja da gibts leider Kollegen (auch welche mit Migrationshintergrund zB Russland) die posten Dinge die sie für extrem witzig halten. Leider ist es immer nur bitter und verrät den Charakter des Absenders. Viel [...]
Unlustige Naziwitze, ja da gibts leider Kollegen (auch welche mit Migrationshintergrund zB Russland) die posten Dinge die sie für extrem witzig halten. Leider ist es immer nur bitter und verrät den Charakter des Absenders. Viel machen kann man nicht. Anscheinend selbst dann nicht, wenn er es während der Arbeitszeit via whatsapp versendet. Ich hab mal einem Vorgesetzten vom Rassismus erzählt, hat ihn nicht gejuckt. Was er privat macht ist sein Bier. Dass der Mitarbeiter später wegen Querulantentums und mauer Arbeitsleistung geglänzt hat, hat ihn dann seinen Kopf gekostet. Da haben sich dann viele gefreut! Dieser Rassist das hat mich gewundert, hatte aber "Gutmenschen-Sprüche" auf seinem Schreibtisch. Auch Rassisten denken wohl, dass sie selbst positiv eingestellte Engel sind. Strange!
cefio 11.09.2018
2. Wie immer...
... es kommt auf den Einzelfall an. Danke für diesen kostenfreien Rat :D
... es kommt auf den Einzelfall an. Danke für diesen kostenfreien Rat :D
sammilch 11.09.2018
3. Umgang
Wie geht man mit rassistischen Kollegen um? Gar nicht. Mit so jemanden arbeite ich nicht. Rassistisch kann der in seiner Freizeit sein, nicht an der Arbeit. Das bin ich meinen ausländischen Kollegen schuldig. Ebenso sehe ich [...]
Wie geht man mit rassistischen Kollegen um? Gar nicht. Mit so jemanden arbeite ich nicht. Rassistisch kann der in seiner Freizeit sein, nicht an der Arbeit. Das bin ich meinen ausländischen Kollegen schuldig. Ebenso sehe ich das auch mit Sexismus.
spon-1280768952714 11.09.2018
4. Ein Erzieher
übt keine "hoheitliche Tätigkeit" aus, auch nicht im öffentlichen Dienst. Keine gute Fachkenntnis der Fachanwältin für Arbeitsrecht.
übt keine "hoheitliche Tätigkeit" aus, auch nicht im öffentlichen Dienst. Keine gute Fachkenntnis der Fachanwältin für Arbeitsrecht.
jan07 11.09.2018
5. Vorsicht mit Pauschalurteilen
Was ist denn bitte in den Augen der Autorin eine 'ausländerfeindliche Demo'? Mit diesem Gummiwort 'ausländerfeindlich' sollte man vorsichtiger umgehen und genau definieren, was man meint, bevor man so weitreichende Empfehlungen [...]
Was ist denn bitte in den Augen der Autorin eine 'ausländerfeindliche Demo'? Mit diesem Gummiwort 'ausländerfeindlich' sollte man vorsichtiger umgehen und genau definieren, was man meint, bevor man so weitreichende Empfehlungen zum Verhalten am Arbeitsplatz ausspricht, wie die Autorin das tut.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP