Kultur

Mondfaszination

"Wie niemals zuvor inspiriert"

Seit der Landung der chinesischen Sonde reden alle über den Mond. Schon immer war er Inspiration für Filme, Kunst, Musik - ob als Symbol für den Wettlauf zwischen Supermächten oder als Spiegel für Sinnfragen. Eine Auswahl.

ddp images

Filmbild aus: "Die Reise zum Mond" von 1902

Donnerstag, 03.01.2019   20:22 Uhr

1. Psychothriller "Moon"

imago/ Prod.DB

Szene aus "Moon": Träumen Sie manchmal von der Mondreise?

Die chinesische Raumsonde "Chang'e 4", die jetzt auf der Rückseite des Monds gelandet ist, hat auch Saatgut geladen, um zu prüfen, ob dort unter bestimmten Bedingungen Gemüseanbau möglich ist. In dem großartigen Sci-Fi-Thriller "Moon" wird die erdabgewandte Mondseite großzügig durch die Menschheit ausgebeutet: Maschinen bauen dort für einen Riesenkonzern sogenanntes Helium-3 als Energiequelle ab. Der einzige Mann auf dem Mond: ein Astronaut (Sam Rockwell), der in der Einsamkeit den Verstand verliert. Oder lauert der Wahn doch außerhalb des eigenen Kopfs? Den Plot inszeniert Regisseur Duncan Jones als Psychothriller ohne Gewissheiten, "2001"-Zitate, klassischen Sci-Fi-Horror und das All als philosophischen Spiegel des Menscheins inklusive. Mehr will ich nicht verraten, nur eins: Träumen Sie manchmal von der Mondreise? Nach "Moon" wollen Sie lieber nicht mehr hin. eth

2. Kunstprojekt "Dear Moon"

imago/ Kyodo News

Milliardär Yusaku Maezawa: die eigene Bedeutungslosigkeit erkennen

Mit dem Projekt "Dear Moon" will ein japanischer Unternehmer Künstler auf den Mond schicken: Der Milliardär Yusaku Maezawa hat angekündigt, der erste Kunde von Elon Musks bemanntem Raumfahrtprojekt SpaceX zu sein. Im Jahr 2023 will er in fünf Tagen um den Mond fliegen, damit sie dort "wie niemals zuvor inspiriert" würden. Die Kandidaten stehen zwar noch nicht fest, aber der Maler Eric Fischl hat der " New York Times " schon mal verraten, als ersten kreativen Akt nach einer Landung auf dem Mond würde er "seinen Anzug öffnen und in einen Raum ohne Schwerkraft pinkeln". Der Architekt Daniel Libeskind würde dem Mond gern eine quadratische Form geben, indem er Teile davon tiefschwarz färbe, "wie ein Bild von Malewitsch oder Mondrian im Himmel". Für Ai Weiwei wäre der Perspektivwechsel bei einer Mondlandung der entscheidende Punkt, um die eigene Bedeutungslosigkeit in Relation zum Universum zu erkennen. Und die US-Künstlerin Kara Walker würde gerne "für jedes auf der Erde geborene Mädchen einen erwachsenen, sexistischen, weißen Mann in eine Mondkolonie abschieben." Vielleicht hälfe das, um die Welt in einem anderen Licht zu sehen. cpa

3. "The Dark Side of the Moon" von Pink Floyd

"The Dark Side of the Moon": eins der genialsten Rockalben

Gewiss wohl die erste Assoziation, die in den Sinn kommt, wenn es um die Rückseite des Mondes geht. Aber: Pink Floyds "The Dark Side of the Moon" (1973) ist nun mal auch eines der genialsten Rockalben der Geschichte. Alles beginnt und endet mit dem Herzschlag, sowohl im Leben als auch auf dem Album. Thematisch geht es um die inneren Dämonen, den Konflikt mit sich selbst, Tod und Wahn. Angeblich sollen die Mondphasen die Zyklen des Menschen (Loslassen, Neuanfang, Entwicklung, Erfüllung) symbolisieren. Die Rückseite des Mondes aber lässt den Menschen verrückt werden, sie zerstört, und am Ende kann sie sich über die Sonne wie ein Schatten legen. "There is no dark side of the moon really / Matter of fact it's all dark", heißt es in "Eclipse", dem letzten Song des Albums. ipp

4. "Die Reise zum Mond" von George Méliès

ddp images

Szene aus "Die Reise zum Mond": nicht amüsiert

Der Mond ist nicht amüsiert. Die Rakete von der Erde landet ihm direkt im Mondgesicht, die helle Seite des Planeten wird zur schmerzverzerrten Fratze. Schon 1902 inszenierte der Filmpionier George Méliès einen Science-Fiction-Thriller, der den Traum und Albtraum vom Weltraumtourismus der Gegenwart vorwegnahm. Die Menschheit sehnte sich schon immer ins All, und das Kino lieferte die Bilder für eine Reise, die über viele Jahrzehnte unrealisierbar bleiben sollte. Doch inzwischen tummeln sich immer mehr Nationen im Weltraum, und für den einst so Einsamkeits-verwöhnten Mond wird es langsam eng. Um in der Mond-Anatomie von Filmvisionär Méliès zu bleiben: Jetzt zwicken ihn die Chinesen mit ihrer Raumsonde in den Po. cbu

5. "Solaris" von Andrej Tarkowsky

imago/ Prod.DB

Szene aus "Solaris": an das Leben auf der Erde gebunden

Die Sowjetunion war nicht nur das erste Land, dem die bemannte Raumfahrt gelang. Auch in der kulturellen Aufarbeitung leistete es Pionierarbeit: Bereits 1961 verfasste Stanislaw Lem seinen visionären Roman "Solaris", aus dem Andrej Tarkowsky 1972 den definitiven "space age"-Film entwickelte. In beiden Versionen zeigt "Solaris", wie sehr das Streben ins Weltall an das Leben auf der Erde gebunden ist, wie wir dem Bekannten nicht entkommen können und dem Unbekannten verständnislos entgegenblicken müssen. Es geht dabei nicht um den Mond, sondern um den Planeten Solaris. Aber was genau der Mensch im Weltall sucht, wurde selten skeptischer und eindrücklicher gefragt. Die Antwort darauf ist heute so offen wie vor 50 Jahren. hpi

insgesamt 4 Beiträge
KingTut 03.01.2019
1. Simulation der Mondoberfläche bei Köln
Es ist ja nicht so, dass wir durch die chinesische Mondlandung, zu der auch ich herzlich gratuliere, wieder auf den Geschmack gekommen sind. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit befindet sich nahe Köln ein Areal, "which is [...]
Es ist ja nicht so, dass wir durch die chinesische Mondlandung, zu der auch ich herzlich gratuliere, wieder auf den Geschmack gekommen sind. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit befindet sich nahe Köln ein Areal, "which is set to host the largest Moon mock-up ever made" wie das Wissenschaftsmagazin "nature" im Oktober unter dem Titel "How to build a moon base" schrieb: https://www.nature.com/articles/d41586-018-07107-4 Dieses Multimillionen-Projekt wird von der ESA und DLR finanziert. Das Training soll unter anderem der deutsche Astronaut Matthias Maurer absolvieren. Durch Kransysteme wird die geringere Schwerkraft auf dem Mond simuliert. Ein sehr lesenswerter Artikel, der bestätigt, dass auch hierzulande die Forschung nicht nur über eine bemannte Mondlandung, sondern auch über die Errichtung einer dortigen Basis vorangetrieben wird. Wir brauchen uns also hinter den Chinesen nicht verstecken.
Karl Heinz Klaus 03.01.2019
2.
Der Mond fasziniert auch deswegen wieder, weil der technische Fortschritt wirtschaftliche Potentiale eröffnet. Tourismus, bemannte Stationen, Industrie, Städte auf dem Mond? Vor einigen Jahren noch Spinnerei und Scifi. Insb. [...]
Der Mond fasziniert auch deswegen wieder, weil der technische Fortschritt wirtschaftliche Potentiale eröffnet. Tourismus, bemannte Stationen, Industrie, Städte auf dem Mond? Vor einigen Jahren noch Spinnerei und Scifi. Insb. durch einige kommerzielle Akteure aus den USA scheint eine Kolonialisierung des Monds nur noch eine Frage des "wann", nicht des "ob". Bereits in weniger als 10 Jahren könnten die ersten Touristen auf der Mondoberfläche Urlaub machen.
testuser2 04.01.2019
3. Gut dass zumindest im Nachhinein berichtet wird
Gut finde ich, dass zumindest im Nachhinein berichtet wird. Ausgesprochen schlecht finde ich es aber, wie wieder einmal die Leistungen anderer Länder in den Deutschen Medien herabgewürdigt werden. Während in China die erste [...]
Gut finde ich, dass zumindest im Nachhinein berichtet wird. Ausgesprochen schlecht finde ich es aber, wie wieder einmal die Leistungen anderer Länder in den Deutschen Medien herabgewürdigt werden. Während in China die erste Mondlandung auf der "Rückseite" des Mondes überhaupt live gesendet wurde, beschreibt Ingo Zamperoni die Mondforschung Chinas als "All-Machtsfantasien" (Wortspiel aus All und Herablassung gegenüber der aufkommenden Großmacht). Die Ignoranz unserer Medien ist kaum zu verstehen, denn schließlich ist sogar Kieler Technik dabei. Ich hätte mir schon Wochen vorher Informationen dazu gewünscht. Vielleicht hätten die Chinesen ja sogar einer Live-Schaltung durch Deutsches TV zugestimmt, wenn wirkliches Interesse von Deutscher Seite dagewesen wäre.
uhrentoaster 04.01.2019
4. Alle
"Seit der Landung der chinesischen Sonde reden alle über den Mond." Hm, wirklich alle? Ich nicht. Mich interessiert vor allem das, was New Horizons über Ultima Thule zur Erde funkt.
"Seit der Landung der chinesischen Sonde reden alle über den Mond." Hm, wirklich alle? Ich nicht. Mich interessiert vor allem das, was New Horizons über Ultima Thule zur Erde funkt.

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung

TOP