Kultur

Türkische Starautorin Shafak

"Wir sind ein wütendes Volk geworden"

Verfolgungswahn, Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen prägen das Leben in der Türkei, sagt Elif Shafak. Die Schriftstellerin sorgt sich um ihr Heimatland - auch, wenn der Staat sie fast ins Gefängnis brachte.

DPA

Erdogan-Anhänger in Istanbul

Ein Interview von
Freitag, 16.09.2016   07:36 Uhr

SPIEGEL ONLINE: Frau Shafak, Sie sind in Frankreich aufgewachsen und haben in vielen Ländern gelebt. Wie türkisch fühlen Sie sich?

Shafak: Sehr, ich bin selbstverständlich türkisch. Aber das ist nicht alles: Ich bin auch Istanbulerin, Londonerin, habe Wurzeln auf dem Balkan. Es gibt Elemente aus dem Mittleren Osten in meinem Leben. Gleichzeitig bin ich Europäerin durch eigene Wahl, in meinen Werten und in meinem Denken. Vor allem aber bin ich eine globale Seele. Ich bin eine Nomadin mit vielen Zugehörigkeiten.

SPIEGEL ONLINE: Also in gewisser Weise heimatlos?

Shafak: Nein. Man kann in seinem Leben mehrere Heimaten haben. Schriftsteller haben vor allem ein Heimatland: das Land der Geschichten. Es ist ein tragbares Heimatland, man kann es überall hin mitnehmen. Ich schreibe in zwei Sprachen, Englisch und Türkisch. Wenn wir in mehr als einer Sprache träumen können, wozu dann diese Abgrenzungen? Ich mag keine nationalistischen oder religiösen Grenzen. Der Sufi-Mystiker Rumi benutzt das Bild von einem zeichnenden Zirkel: Ein Schenkel steht fest, während der andere sich in weiten Kreisen bewegt.

SPIEGEL ONLINE: Wie halten Sie es in der Türkei aus, wo sehr viele Menschen Nationalisten, Islamisten oder islamistische Nationalisten sind?

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insgesamt 2 Beiträge
DerNachfrager 16.09.2016
1. Bitte mal genau hinhören:
... sie fast ins Gefängnis brachte." In einer Demokratie ist das Land und der "Staat" (=die Regierung) niemals automatisch dasselbe: Ein Demokrat kann sein Land lieben und trotzdem die Regierung hassen. In der [...]
... sie fast ins Gefängnis brachte." In einer Demokratie ist das Land und der "Staat" (=die Regierung) niemals automatisch dasselbe: Ein Demokrat kann sein Land lieben und trotzdem die Regierung hassen. In der Türkei ist dies derzeit nicht möglich; wer gegen die AKP ist ist automatisch gegen die Türkei. Aber in einer SPON-Überschrift sollte eigentlich etwas mehr demokratisches Selbstverständnis stecken als bei den Herren Putin&Erdogan.
wolf.jungeroth 18.11.2016
2. Heimat?
"Spiegel online: Also in gewisser Weise heimatlos?" Was für ein begrenztes / eingeschränktes / völlig unrealistisches Verständnis des Begriffs HEIMAT! Wie oft müssen wir 2016 eine Thematik der sechziger Jahre [...]
"Spiegel online: Also in gewisser Weise heimatlos?" Was für ein begrenztes / eingeschränktes / völlig unrealistisches Verständnis des Begriffs HEIMAT! Wie oft müssen wir 2016 eine Thematik der sechziger Jahre wiederkauen?

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