Leben und Lernen

Tod nach Hitzschlag

Landwirt muss 8000 Euro zahlen

Sein Erntehelfer starb, als er in glühender Hitze schuften musste - doch das Verfahren gegen einen Landwirt wurde nun eingestellt. Ihm konnte keine Schuld nachgewiesen werden.

DPA

Heuballen (Archivfoto)

Freitag, 02.02.2018   12:20 Uhr

Stundenlang musste der rumänische Erntehelfer in der Sommerhitze und bei direkter Sonneneinstrahlung Heuballen stapeln. Der 32 Jahre alte Mann, der zuvor laut Staatsanwalt über gesundheitliche Probleme geklagt hatte, erlitt einen Hitzschlag und starb. Nun ist in Freiburg das Strafverfahren gegen den Landwirt gegen Geldauflagen eingestellt worden.

Eine Schuld des 48 Jahre alten Deutschen habe nicht festgestellt werden können, entschied das Amtsgericht Freiburg am Freitag. Die Beweisaufnahme habe kein klares Bild der Ereignisse erbracht. Das Verfahren werde daher nicht fortgeführt. Der Landwirt, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt war, müsse aber 8000 Euro zahlen. 6000 Euro davon gingen an die Witwe des Erntehelfers, der Rest gehe zur Begleichung der Gerichtskosten an die Staatskasse.

Mit der Einstellung des Verfahrens erklärte sich der Landwirt, wie die anderen Prozessbeteiligten auch, einverstanden. Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig. Erst wenn das Geld überwiesen ist, wird das Verfahren endgültig eingestellt, sagte Richterin Jule Lempfert. Der Landwirt gelte dann als nicht vorbestraft.

Landwirt hatte Vorwürfe zurückgewiesen

Ihm war vorgeworfen worden, den Mann und einen zweiten Helfer zu sehr schwerer Arbeit angetrieben zu haben. Sie hätten 800 bis 900 jeweils 20 Kilogramm schwere Heuballen auf einem Anhänger stapeln müssen. Der Landwirt habe den Helfern keine Pausen erlaubt und keine Getränke bereitgestellt. An diesem Tag im Juni 2014 seien im Schatten 31 Grad gemessen worden, es habe Windstille geherrscht. Die beiden Männer arbeiteten den Angaben zufolge zehn Stunden am Tag für sechs Euro Stundenlohn. Es war der zweite Arbeitstag des 32-Jährigen.

Der Landwirt hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. "An den Vorwürfen ist nichts dran", hatte der Landwirt vor Gericht gesagt. Er habe die Erntehelfer korrekt behandelt. Die gesundheitlichen Probleme des Mannes seien ihm nicht klar gewesen, dieser habe kein Deutsch gesprochen. Zudem hätten seine Helfer stets Zugang zu Getränken gehabt und hätten Pausen machen können. Am Tod des Saisonarbeiters trage er keine Schuld.

Der Landwirt hatte nach dem Tod des Helfers einen Strafbefehl erhalten, gegen diesen aber Widerspruch eingelegt. Bereits vor einem Jahr hatte es einen ersten Prozess gegeben. Kurz nach dem Auftakt war jedoch der Verteidiger des Angeklagten gestorben. Daher musste der Prozess nun neu aufgerollt werden.

kha/dpa

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