Leben und Lernen

SPD-Pläne

Schulz plädiert für Abitur nach neun Jahren

Mehr Geld für Bildung statt Steuersenkungen: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will Milliarden in Ganztagsschulen, Sozialarbeiter und die Modernisierung von Schulen stecken. Und er befürwortet die Rückkehr zu G9.

DPA

Martin Schulz

Donnerstag, 18.05.2017   17:22 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat einen nationalen Bildungspakt mit Milliardeninvestitionen in Schulen und mehr Zuständigkeiten für den Bund vorgeschlagen. "Ich will, dass Deutschland das weltweit stärkste Land in der Bildung wird", sagte Schulz am Donnerstag in Berlin. Bildungspolitik sei "die entscheidende Weichenstellung", um die Zukunftsfähigkeit der Bundesrepublik zu sichern.

Schulz sagte, dass Deutschland bei den Bildungsausgaben mit 4,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes unterhalb des Durchschnitts der Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liege. Allein um den OECD-Schnitt von 5,2 Prozent zu erreichen, seien Mehrausgaben von um die zehn Milliarden Euro jährlich notwendig. Sein Ziel sei, "mindestens" auf das Niveau der skandinavischen Länder von knapp sieben Prozent zu kommen.

Der SPD-Kanzlerkandidat stellte seine bildungspolitischen Pläne bei einer Diskussionsveranstaltung im Berliner Bezirk Neukölln vor. Dabei bekräftigte er seine Forderung, die Bildung in Deutschland von der Kita bis zur Hochschule und zum Meisterabschluss kostenfrei zu machen.

Außerdem will er ein Programm zur Schulmodernisierung auflegen, das Angebot an Ganztagsschulplätzen ausbauen und mehr Sozialarbeiter an Schulen anstellen. "Das, was ich hier sage, kostet viel Geld", sagte Schulz. Allerdings sei es "sinnvoller", die Milliardenüberschüsse des Staates in die Bildung zu investieren, als sie in die Aufrüstung oder pauschale Steuersenkungen zu stecken.

Die in der Föderalismusreform 2006 festgeschriebene alleinige Zuständigkeit der Länder für die Bildung nannte der SPD-Kanzlerkandidat einen "in Verfassungsrecht gegossenen Irrtum". In der Bildungspolitik müssten "alle Anstrengungen und Mittel" gebündelt werden. "Der Bildungsföderalismus in seiner radikalen Form hat sich überholt. Wir brauchen weder Kleinstaaterei noch Kooperationsverbote." Eine "Bundesschulpolitik" wolle er aber nicht. "Ich bekenne mich dazu, dass Bildung Ländersache ist."

Schulz sprach sich in der Diskussion für ein Abitur nach 13 Schuljahren aus. "Ich bin für mehr Zeit und dagegen, dass wir die Schule durchökonomisieren", sagte er. Schule müsse "auch Spaß machen". Der frühere EU-Parlamentspräsident kündigte zudem an, sich im Fall eines Wahlsiegs dafür einzusetzen, dass die Europäische Union mehr Geld für Austauschprogramme bereitstellt.

Der SPD-Kanzlerkandidat trat auch für ein gerechteres Schulsystem ein. Noch immer würden soziale Herkunft und Wohnort viel zu oft über die Chancen der Kinder entscheiden, sagte er. Außerdem kritisierte er den "übertriebenen Reformeifer" und das "Herumdoktern" in der Schulpolitik der Länder. Dies sage er auch an die Adresse seiner eigenen Partei.

mamk/afp

insgesamt 105 Beiträge
satissa 18.05.2017
1. Halbherzig
Im deutschen Bildungssystem werden Millionen verschwendet, weil wir alles 16 mal machen. Das schulische Bildung Ländersache ist, ist in den Zeiten der Globalisierung so fortschrittlich wie Dampflokomotiven. Hinzu kommt, das [...]
Im deutschen Bildungssystem werden Millionen verschwendet, weil wir alles 16 mal machen. Das schulische Bildung Ländersache ist, ist in den Zeiten der Globalisierung so fortschrittlich wie Dampflokomotiven. Hinzu kommt, das Deutschland kein G8 oder G9 hat, sondern ein G7,7 oder G8,7. Warum hält man an dem alten Zopf fest, dass in der letzten Klasse ab den Osterferien Schluss ist? In anderen Ländern, in denen G8 oder G9 kein Thema, sondern G8 Standard ist, wird bis zu einer Woche vor den Prüfungen unterrichtet und die Prüfungen finden im Juni statt und nicht im Mai. Dass heißt, es wird effektiv 3 Monate länger unterrichtet. Hier sollte man ansetzen statt diese Grundsatzdiskussion zu führen.
Leser161 18.05.2017
2. Billig
Kaum wurde die Wahl in NRW wegen Bildungsthemen verloren schon sagt Schulz was zu Bildung? Anschlussfrage: Wie will er das denn machen? Bildung ist Ländersache. Das zeigt für mich, das Schulz einfach nur Stimmen will, und [...]
Kaum wurde die Wahl in NRW wegen Bildungsthemen verloren schon sagt Schulz was zu Bildung? Anschlussfrage: Wie will er das denn machen? Bildung ist Ländersache. Das zeigt für mich, das Schulz einfach nur Stimmen will, und nicht Probleme anpacken. Das Problem ist nämlich der Bildungsföderalismuswirrwarr und das lustige Rumexperimentieren mit unseren Kindern.
gehel 18.05.2017
3. Programm ohne sinnvollen Mitteleinsatz
Hier wird wieder einmal der zweite oder dritte Schritt vor dem ersten gemacht. Keines der Länder, die Schulz als Vorbilder anspricht, hat so einen Flickenteppich in der Bildung, wie Deutschalnd. Das grundlegende Problem ist doch [...]
Hier wird wieder einmal der zweite oder dritte Schritt vor dem ersten gemacht. Keines der Länder, die Schulz als Vorbilder anspricht, hat so einen Flickenteppich in der Bildung, wie Deutschalnd. Das grundlegende Problem ist doch hier zunächst einmal die föderative Struktur in der Bildungspolitik. Die Zuständigkeit der Länder gehört abgeschafft und als zentrale Bundesaufgabe definiert. Ein Problem in der Bildung ist doch, dass die Länder finanziell kaum husten können und ständig nach dem Bund rufen, nur Mitsprache wollen sie keine. Bevor man viel zusätzliches Geld in die Bildung pumpt, solte man erst einmal die Strukturen hin zu zentraler Veratwortung ändern. Auch seine Aussage, dass das Geld besser hier als in der Rüstung eingesetzt sei, ist dummes Gerede. Ein Staat muss sich verteidigen können und dazu müssen auch Ausgaben in die Rüstung fließen. Wenn an dann die Verteidigung gemeinschaftlich ausrichten will, dann müssen die Lasten auch nach Wirtschaftskraft verteilt werden. Das ist nur gerecht. Da hat Deutschland durchaus Nachholbedarf, auch wenn das mancher nicht hören möchte.
g_bec 18.05.2017
4. Passt ins Bild.
Bestätigt jedes Vorurteil über SPD-Bildungspolitik: Bloß keine Leistung oder Anstrengung verlangen, die Kinder könnten ja was lernen. Man will wohl wieder zum Abi mit Leistungskurs "Theater" sowie Reli und Sport [...]
Bestätigt jedes Vorurteil über SPD-Bildungspolitik: Bloß keine Leistung oder Anstrengung verlangen, die Kinder könnten ja was lernen. Man will wohl wieder zum Abi mit Leistungskurs "Theater" sowie Reli und Sport zurück, um die Abiturientenquote zu erhöhen. Allerdings: selbst die Bayern brauchen offensichtlich ein Jahr länger fürs Abi. Drum sind die BAB Richtung Südwesten am Sonntagabend auch immer noch so voll: Ohne die Arbeitsmigranten aus der Ex-Zone (Turbo-Abi!) wär das Licht nämlich im Süden auch schon aus. Das im Übrigen zeitgleich mit dem Beginn dieser Pendlerströme erst richtig anging:-)
BlackRainbow666 18.05.2017
5. Einsparung und Stimmenfang
Ernsthaft, es geht doch nur um Geld - darum ist das einzig politsch durchsetzbare, sowie der Fehler, dem man seit 20 Jahren aufsitzt, das Konzept Ganztagsschule. Kinder profitieren nicht davon, täglich doppelt so lange wie nötig [...]
Ernsthaft, es geht doch nur um Geld - darum ist das einzig politsch durchsetzbare, sowie der Fehler, dem man seit 20 Jahren aufsitzt, das Konzept Ganztagsschule. Kinder profitieren nicht davon, täglich doppelt so lange wie nötig in die Schule gesperrt zu sein. Es profitiert aber die Wirtschaft, die plötzlich pädagogisch legitimiert mehr Arbeitnehmer erhält und die Preise drücken kann. Und da es zum Standard erhoben wird, wird man irgendwann schief angeschaut, wenn man nicht versteht, warum eine Familie nicht mit einem Gehalt zu ernähren ist.

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