Leben und Lernen

Experiment im Unterricht

Lehrer sprüht Schülern Pfefferspray ins Gesicht

Darf man Schülern aus didaktischen Gründen Pfefferspray in die Augen spritzen? Diese Frage wirft ein Video aus einer Schule in Ohio auf, das in sozialen Medien kursiert.

viralhog youtube

Training an einer High-School in Ohio mit Pfefferspray

Freitag, 19.05.2017   16:48 Uhr

"Wehr dich nicht", sagt ein Lehrer. Dann sprüht er Schülern, die in einer Reihe an einer Wand stehen, einzeln Pfefferspray ins Gesicht. Nach einem kurzen Moment setzen jeweils verzweifelte Schmerzensschreie ein. Rund zweieinhalb Minuten lang ist das in einem Video zu sehen, das an einer Schule im US-Bundesstaat Ohio gefilmt wurde - im Unterricht.

Die Aufnahmen dokumentieren eine "Übung" an der Baberton High School im Fach Kriminaltechnologie. Die Jugendlichen einer 11. Klasse sollen dabei lernen, wie Pfefferspray wirkt - eine Erfahrung, die wichtig sei, falls sie zum Beispiel später beim Militär oder als Polizisten in der Strafverfolgung arbeiten möchten, heißt es in einem Brief der Schule an die Eltern, aus dem der TV-Sender CNN zitiert.

Das Spray sorge für eine Irritation und ein Brennen in den Augen und in der Nase für rund 30 bis 60 Minuten, heißt es demnach in dem Schreiben. Und weiter: "Dies ist eine kontrollierte und sichere Erfahrung für die Schüler und komplett freiwillig." Mit dem Lehrer, einem früheren Polizisten, seien die Schüler in professionellen Händen.

"Dieser Lehrer müsste gefeuert werden"

Einige Kommentatoren im Netz, wo das Video schnell die Runde machte, fanden die Aufnahmen allerdings extrem verstörend. "Dieser Lehrer müsste gefeuert werden", schrieb einer. Mehrere hielten die Aktion für "übertrieben" und "nicht mehr lustig" oder kritisierten, dass eine Mutter die Schüler gefilmt und die Aufnahmen veröffentlicht hatte.

Eine Kopie des Clips ist schon rund 15 Millionen Mal angeklickt worden. Einige Schüler berichten, sie seien nun hämischen und teils rassistischen Kommentaren ausgesetzt.

High school students voluntarily get pepper sprayed

Beteiligte Schüler und die filmende Mutter verteidigen die Aktion. "Das Programm ist exzellent", sagte Melody Steinhour der Nachrichtenagentur AP. "Wenn du später einmal Pfefferspray dabei hast und es wie eine Waffe einsetzt, musst du wissen, wie es wirkt, bevor du einem anderen diesen Schmerz zufügst."

Auch der Schüler Joshua, 17, der Polizist werden will, meinte: "Das lehrt uns, was wir da draußen einmal tun werden." Die Aktion würde zudem abschrecken, Blödsinn zu machen.

Umstritten ist, wie freiwillig die Teilnahme der Schüler an dem Training war. Zwar wurden kein Jugendlicher gezwungen, sich Pfefferspray ins Gesicht sprühen zu lassen. Wer mitmachte, erhielt Medienberichten zufolge aber Extra-Leistungspunkte.

fok

insgesamt 25 Beiträge
giithuub666 19.05.2017
1. Next: Schusswaffen!
"Wenn du später einmal Pfefferspray dabei hast und es wie eine Waffe einsetzt, musst du wissen, wie es wirkt, bevor du einem anderen diesen Schmerz zufügst." Wird das demnächst auch mit Schusswaffen so gehandhabt? [...]
"Wenn du später einmal Pfefferspray dabei hast und es wie eine Waffe einsetzt, musst du wissen, wie es wirkt, bevor du einem anderen diesen Schmerz zufügst." Wird das demnächst auch mit Schusswaffen so gehandhabt? Wenn es nach dem Prinzip der besonders intelligenten Mutter geht, wohl schon.
bamesjond0070 19.05.2017
2. Freiwillig
Klingt tatsächlich sinnvoll. Gerade in den USA ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Waffen bekanntlich problematisch.
Klingt tatsächlich sinnvoll. Gerade in den USA ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Waffen bekanntlich problematisch.
stoffi 19.05.2017
3. Ich habe es gestern im TV gesehen
Und dachte erst, das wäre ein Scherz, bis die Jugendlichen vor Schmerzen schrien. Ich bin fassungslos, das sowas erlaubt ist. Stechen sie demnächst auch mal kurz aufeinander ein, um zu zeigen, wie weh das tut? Nicht zu fassen, [...]
Und dachte erst, das wäre ein Scherz, bis die Jugendlichen vor Schmerzen schrien. Ich bin fassungslos, das sowas erlaubt ist. Stechen sie demnächst auch mal kurz aufeinander ein, um zu zeigen, wie weh das tut? Nicht zu fassen, was da gemacht wird
fraumitmeinung 19.05.2017
4. Die spinnen, die Amis...
learning by doing (suffering)? kopfschüttel Ich bin sehr befremdet.
learning by doing (suffering)? kopfschüttel Ich bin sehr befremdet.
Newspeak 19.05.2017
5. ...
Ich finde das gut. Ja, Polizisten sollten wissen, welche Mittel sie einsetzen. Gerade Pfefferspray oder Taser verleiten doch durch ihre "nur" verletzende Wirkungsweise dazu, sie vielleicht leichtfertiger einzusetzen. Da [...]
Ich finde das gut. Ja, Polizisten sollten wissen, welche Mittel sie einsetzen. Gerade Pfefferspray oder Taser verleiten doch durch ihre "nur" verletzende Wirkungsweise dazu, sie vielleicht leichtfertiger einzusetzen. Da kann es nicht schaden, wenn man weiss, aus eigener Erfahrung, was man tut. Nebenbei, Pfefferspray klingt so niedlich, ist aber strenggenommen ein chemischer Kampfstoff. Nur leider gibt es in der Chemiewaffenkonvention Ausnahmen fuer die Polizei. Anders ausgedrueckt, wenn ein Soldat das im Kampf macht, gibt es internationale Schwierigkeiten, wenn Polizisten dasselbe mit Buergern machen, ist es "normal".
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Mehr im Internet

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP