Leben und Lernen

Abitur 2017

Was Abituraufgaben mit Glücksspiel zu tun haben

Gerechter und vergleichbarer soll das Abitur werden, deshalb gibt es seit 2017 zentrale Aufgabenpools für einige Fächer. Doch die Angleichung gelingt nur teilweise.

DPA

Abiturprüfung an einem Stuttgarter Gymnasium (2017)

Von
Donnerstag, 09.08.2018   16:54 Uhr

Gleiche Aufgaben, gleiche Chancen, vergleichbare Abiturzeugnisse: Das war das Ziel der Bundesländer, als sie 2017 für vier Kernfächer - Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch - bundesweite zentrale Aufgabenpools einrichteten. Vorangegangen waren jahrelange Diskussionen über eine Vereinheitlichung der Prüfungen.

Verbindlich sind diese Pools jedoch nicht. Die Länder können selbst entscheiden, ob und welche Aufgaben sie übernehmen, ob sie diese Aufgaben ändern oder ob sie lieber auf landeseigene Abiturfragen zurückgreifen. Trotz des Aufgabenpools hängt es damit stark vom jeweiligen Bundesland ab, wie das Abi aussieht - von einem Zentralabitur jedenfalls kann keine Rede sein.

"Fachspezifische Auffälligkeiten"

Im Auftrag der Kultusminister hat jetzt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität untersucht, ob sich die 2017 gestellten Aufgaben bewährt haben. Die Frage: Sind die Abituraufgaben aus dem zentralen Pool und diejenigen aus den Ländern überhaupt vergleichbar? Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Insgesamt könne "ein positives Fazit zum erstmaligen Einsatz von Aufgaben aus den Pools" gezogen werden, resümieren die Forscher. Allerdings gebe es in allen vier Fächern Prüfungsbereiche, in denen "fachspezifische Auffälligkeiten" zu verzeichnen sind. Die wichtigsten davon:

Für Schüler bedeutet das unterm Strich: Die Aufgabenwahl wird zum Glücksspiel.

Ob die Prüflinge überhaupt die Möglichkeit haben, zentrale Poolaufgaben zu bearbeiten, hängt vom Bundesland ab. Sollte das der Fall sein, können die Abiturienten jedoch in der Prüfung selbst nicht erkennen, ob eine Aufgabe aus dem Pool oder vom Land stammt. Je nach Aufgabenwahl kann das Abitur dadurch etwas leichter oder etwas schwieriger werden. Insgesamt, schreiben die Forscher, seien "nur geringe Unterschiede zwischen Aufgaben aus den Pools und landeseigenen Aufgaben festzustellen".

Konkrete Empfehlungen, wie die Schulminister die Aufgaben der zentralen Pools gerechter gestalten könnten, enthält die Untersuchung nicht - ebenso wenig wie eine Auswertung nach einzelnen Bundesländern, die Aufschluss darüber geben könnte, wo tendenziell schwerere und wo etwas leichtere Abituraufgaben gestellt werden.

Abitur: Das raten Lehrer zur Prüfungsvorbereitung

Ohnehin gibt es immer wieder Diskussionen über den Schwierigkeitsgrad von Abituraufgaben. In Baden-Württemberg hatten in diesem Jahr Schüler eine Petition gegen die Aufgaben im Fach Englisch auf den Weg gebracht, weil sie die Fragen zu schwierig fanden. Und in Sachsen-Anhalt empfahl ein Mathematiklehrer sogar, gegen die diesjährige Abiturbewertung zu klagen.

Das Zentralabitur bringt auch praktische Probleme mit sich, Pannen haben wegen der vielen Beteiligten oft größere Auswirkungen: So mussten 2018 in mehreren Bundesländern zentrale Poolaufgaben kurzfristig ausgetauscht werden, nachdem an einer Schule in Niedersachsen ein Tresor mit Abituraufgaben geknackt worden war. Und in Brandenburg waren falsche Aufgaben an einige Schüler verteilt worden.

insgesamt 16 Beiträge
spon-tan 2012 09.08.2018
1. Am Ende ist es wie im Fußball ...
Qualität setzt sich langfristig durch, spätestens im Master-Studium. Im Mix werden die meisten Schüler ihre Vornoten und auch ihren Durchschnitt aus den letzten Schuljahren bestätigen, war schon immer so, so what ?
Qualität setzt sich langfristig durch, spätestens im Master-Studium. Im Mix werden die meisten Schüler ihre Vornoten und auch ihren Durchschnitt aus den letzten Schuljahren bestätigen, war schon immer so, so what ?
Susi64 09.08.2018
2. Viel zu viele Anforderungen
Das Abitur soll gerecht sein, den Stand des Wissens wiederspiegeln, einheitlich und objektiv sein. Diese Anforderungen kann kein Abitur gleichzeitig erfüllen. Jedes Fach wird durch den Lehrer geprägt und es gibt immer bessere [...]
Das Abitur soll gerecht sein, den Stand des Wissens wiederspiegeln, einheitlich und objektiv sein. Diese Anforderungen kann kein Abitur gleichzeitig erfüllen. Jedes Fach wird durch den Lehrer geprägt und es gibt immer bessere und schlechtere Schüler, Schüler, die leichter lernen oder nicht. Auf all diese Besonderheiten kann ein "lokales" Abitur einegehen. Das widerspricht dann natürlich dme Zentralabitur, wo alle die gleichen Aufgaben haben. Aber in keinem Abitur der Welt können alle Aufgabentypen, alle Dinge, die behandelt wurden abgefragt werden. Deshalb braucht man in jeder Prüfung ein gewisses Quentchen Glück. Deshalb sollte im Abitur das Minimum für eine Studierfähigkeit abgefragt werden und dann eben auch ein paar spezielle Themen. Ob jemand, der 14 Punkte hat tatsächlich letztendlich besser ist als einer mit 12 Punkten wage ich zu bezweifeln. Was schädlich ist, ist die Fixierung auf Punkte und den numerus clausus. Viele berühmte Wissenschaftler waren als Schüler in ländlichen Schulen, in eher rückständigen Ländern und mussten im Studium viel nachholen. Das haben aber geschafft und das macht den Unterschied. Ein Zentralabitur manifestiert nur die Unterschiede in der Ausbildung, aber nicht das Potential der Schüler. Das Abitur bescheinigt die allgemeine Studierfähigkeit, nicht mehr und nicht weniger.
bstendig 09.08.2018
3. Genau, den Stand des Wissens..
aufzeigen. Einheitlich für alle. Bestimmte Anforderungen gibt es eben. Schließlich heißt es "Allgemeine Hochschulreife". Man muss hier nicht auf "lokale Gegebenheiten" eingehen. Deshalb finde ich ein [...]
aufzeigen. Einheitlich für alle. Bestimmte Anforderungen gibt es eben. Schließlich heißt es "Allgemeine Hochschulreife". Man muss hier nicht auf "lokale Gegebenheiten" eingehen. Deshalb finde ich ein Zentralabitur klasse. Auch in denselben Fächern. In NRW können Sie ja Mathe mehr oder weniger rauswählen. Das ist Irrsinn. Übrigens: Es heißt "widerspiegeln", nicht "wiederspiegeln". Allgemeinwissen für die Allgemeine Hochschulreife:-)
Spiegelleserin57 09.08.2018
4. zu tun hat es mit dem Glücksspiel gar nichts!
im Abitur stellen Lehrer die Fragen die zu beantworten sind. Es sollte keinen Unterschied darstellen ob es schwere oder leichte Fragen sind denn wer diese Fragen beantworten kann hat eben das Abitur bestanden. Die ersten [...]
im Abitur stellen Lehrer die Fragen die zu beantworten sind. Es sollte keinen Unterschied darstellen ob es schwere oder leichte Fragen sind denn wer diese Fragen beantworten kann hat eben das Abitur bestanden. Die ersten -Semester sieben sowieso die Studenten aus denn die Gangart an den Unis ist eine deutlich härtere als an den Schulen und da muss echte Qualifikation unter Beweis gestellt werden. Hier rächt sich wer mit scheinbar guten Noten das Abi bestanden hat. Diese Studenten werden nicht den Stoff verstehen der im Eiltempo an den Unis vermittelt wird. Deswegen sollte besonders beim Abitur auf hohe Qualität geachtet werden und ein " Gut" eben auch ein "gut" sein. Viele verrennen sich in den Gedanken dass das Abitur der Schlüssel zum Erfolg darstellt was aber in er Realität ganz anders ist. Es gibt viele Prominente die eine glänzende Karriere ohne Abitur vorweisen können. Das Noten sagen später im Leben nichts aus, da zählen ganz andere Faktoren! Personaler wissen das und prüfen ihre Kandidaten selbst!
AxelSchudak 09.08.2018
5. Zentralabitur ist (auch) ungerecht
Ich erlebe immer wieder, dass das Zentralabitur eher ungerecht ist. Insbesondere in Mathe sehen die Richtlinien einen Themenumfang vor, der in der realen Welt mit realen Schülern schlichtweg illusorisch ist. Daher gibt es auch [...]
Ich erlebe immer wieder, dass das Zentralabitur eher ungerecht ist. Insbesondere in Mathe sehen die Richtlinien einen Themenumfang vor, der in der realen Welt mit realen Schülern schlichtweg illusorisch ist. Daher gibt es auch schon immer angekündigte Schwerpunkte, die dann vermutlich im Abitur auftauchen. Aber wenn dann doch mal andere Aufgaben ausgewählt werden, oder der Stil der Aufgabe seltsam bis merkwürdig ist - so dass ein Schüler, der bisher immer auf 1 stand, und auch in allen anderen Fächern eine 1 hat, nur mit einer schlechten 4 rauskommt - dann ist das nicht gerecht, und dient auch nicht der Vergleichbarkeit. Wie normale oder schwäche Schüler von so was betroffen sind, kann sich jeder denken.

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