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Jeder zehnte Schüler hat keinen deutschen Pass

Elf Millionen Schüler werden in Deutschland unterrichtet - jeder zehnte ist Ausländer, jeder dritte hat einen Migrationshintergrund. Dass der Anteil so hoch ist, liegt auch an der Methode der Statistiker.

DPA

Schülerinnen in Duisburg (Nordrhein-Westfalen)

Dienstag, 13.03.2018   11:19 Uhr

In Deutschland steigt die Zahl der Schüler ohne deutschen Pass. Das geht aus vorläufigen Zahlen für das aktuelle Schuljahr hervor, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. Demnach werden in Deutschland 1,2 Millionen Schüler unterrichtet, die nur eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Im Schnitt hat damit jeder zehnte Schüler keinen deutschen Pass.

"Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von 5,4 Prozent", berichtete Andrea Malecki von Destatis. Die Zunahme ausländischer Schüler an allgemeinbildenden Schulen betrug fast sieben Prozent, an beruflichen Schulen stieg die Zahl der ausländischen Schüler gegenüber dem vorhergehenden Schuljahr um 2,8 Prozent.

Die Herkunft wird in der Schülerstatistik allerdings nicht erfasst. Außerdem ist unklar, wie viele der ausländischen Schüler Flüchtlinge sind. Schulpflichtige Flüchtlinge werden zwar in der Regel den jeweiligen Schulen zugerechnet, die sie besuchen. Eine flächendeckende gesonderte Erfassung von Flüchtlingskindern erfolgt allerdings derzeit nicht.

"Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ist wesentlich höher", sagte Malecki. Laut Mikrozensus lag der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund im Jahr 2016 bei 32,5 Prozent. Das klingt erst mal viel, die Definition des Statistischen Bundesamts ist jedoch breit gefasst.

Als Schüler mit Migrationshintergrund gelten alle, die unabhängig von ihrer heutigen Staatsangehörigkeit entweder selbst aus dem Ausland zugewandert sind oder von mindestens einem zugewanderten Elternteil abstammen. Deshalb haben laut der Definition auch in Deutschland geborene Schüler mit deutschem Pass einen Migrationshintergrund, wenn nur ein Elternteil eingewandert ist.

Außerdem gehören auch die Kinder ohne deutschen Pass in die Gruppe der Schüler mit Migrationshintergrund. Sie tauchen in der Statistik deshalb doppelt auf: einmal bei den Schülern ohne deutschen Pass und bei den Schülern mit Migrationshintergrund.

Migration lässt Einwohnerzahl steigen

Dass die Zahl der ausländischen Schüler steigt, ist nicht überraschend. Durch Zuwanderung ist die Einwohnerzahl in Deutschland 2016 um 500.000 Menschen gestiegen. Die Zuwanderung nach Deutschland ebbt damit weiter ab. 2015 waren noch mehr als eine Million Menschen mehr nach Deutschland gezogen, als ausgewandert sind.

Wie das Statistische Bundesamt berichtete, waren 2016 mehr als 1,8 Millionen Menschen nach Deutschland gezogen, davon mehr als 1,7 Millionen Menschen mit einem ausländischen Pass. Gleichzeitig wanderten 1,3 Millionen Menschen aus.

Mehr als die Hälfte aller Zuwanderer hatte einen EU-Pass, während neun Prozent aus anderen europäischen Staaten kamen. Unter den außereuropäischen Zuwanderern stellten Asiaten mit 26 Prozent die größte Gruppe, während nur fünf Prozent der Migranten eine afrikanische Staatsbürgerschaft besaßen.

Rund 146.000 der Zuwanderer waren Deutsche - entweder Spätaussiedler oder aus dem Ausland zurückkehrende Deutsche. Das war ein Anstieg um 25.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig wanderten 281.000 deutsche Staatsangehörige aus. Auch mehr als eine Million Menschen mit ausländischem Pass wanderte ab.

Zahl der Erstklässler steigt

Die steigende Zahl ausländischer Schüler hat insgesamt nicht für überfüllte Klassenzimmer gesorgt. Im laufenden Schuljahr werden laut Statistischem Bundesamt rund elf Millionen Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterrichtet. Das sind 0,4 Prozent weniger als im vorherigen Schuljahr. Damit setzte sich der rückläufige Trend seit dem Schuljahr 2000/2001 weiterhin fort.

Demnach gehen 8,3 Millionen Schüler auf allgemeinbildende Schulen - 0,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang bei den Berufsschülern beträgt 0,7 Prozent. Damit gibt es derzeit etwa 2,5 Millionen Azubis an Berufsschulen.

Langfristig könnten die Schülerzahlen jedoch wieder deutlich steigen. Seit Jahren werden immer mehr Kinder eingeschult, die dann irgendwann auf die weiterführenden Schulen drängen. Laut einer Analyse der Bertelsmann Stiftung könnte es bis 2025 eine Million Schüler mehr geben als gedacht. Bildungsforscher warnen vor dramatischen Engpässen bei Lehrern und Schulgebäuden.

koe/dpa

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