Leben und Lernen

Lange Schulwege

Schon Schüler sind vom Pendeln gestresst

Je länger der Weg, desto mehr Stress: Nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Schüler leiden unter täglichem Pendeln, zeigt eine Studie.

imago/Michael Schick

Schüler warten auf den Schulbus

Donnerstag, 11.01.2018   16:04 Uhr

Nicht nur die Schule selbst macht Stress, auch der Weg dahin. Pendelstress beginnt schon im Schulalter - das zeigt eine neue Studie des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) der University of Applied Science in Frankfurt. "Jugendliche, die einen langen Schulweg zurücklegen müssen, klagen signifikant häufiger über mentale Gesundheitsprobleme", sagt Andreas Klocke, Leiter des FZDW.

Im Rahmen einer Langzeitstudie befragen die Frankfurter Forscher jedes Jahr rund 10.000 Jugendliche an weiterführenden Schulen in 14 Bundesländern. Im vergangenen Schuljahr gab es dabei an die Siebtklässler auch einen ausführlichen Frageteil zum Schulweg.

Das Ergebnis: Im Schnitt brauchen die Schüler 27 Minuten von ihrer Haustür bis zur Schule - inklusive Fußweg. Doch die Dauer variiert erheblich:

Und die Länge des Weges wirkt sich direkt auf das Gesundheitsempfinden der Kinder aus: Von zehn Schülern, die jeden Tag pro Weg mindestens 45 Minuten brauchen, geben vier an, mehr als einen Tag pro Woche gereizt zu sein, und drei, dass sie an mehr als einem Tag pro Woche Probleme haben, sich zu konzentrieren. Zudem schätzen sie ihren Gesundheitszustand schlechter ein als Schüler mit kürzerem Schulweg.

"Ich möchte das Pendeln nicht missen"

Die Ergebnisse entsprechen dem, was Stressforscher auch bei erwachsenen Pendlern festgestellt haben: Mit steigender Pendelstrecke nimmt das subjektive Stressempfinden deutlich zu, die Lebenszufriedenheit sinkt. Die Frankfurter Forscher plädieren deshalb dafür, bei der Diskussion über Schulschließungen auch das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen.

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der weiterführenden Schulen in Deutschland seit 1990 von damals rund 15.500 auf heute unter 12.000 gesunken - ein Minus von 24 Prozent. "Das Thema Pendeln wird häufig allein auf die Gruppe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bezogen", sagt FZDW-Forscher Sven Stadtmüller, "wir sollten aber bedenken, dass auch Schülerinnen und Schüler zum Teil sehr weite Wege zur Schule zurücklegen müssen."

him

insgesamt 33 Beiträge
Plasmabruzzler 11.01.2018
1. Und gesamt?
Zieht man die im Text genannten Prozentwert zusammen, kommt man auf knapp 60%. Bedeutet das nun, dass 40% der Schüler(innen) viel mehr als 45 Minuten unterwegs sind?
Zieht man die im Text genannten Prozentwert zusammen, kommt man auf knapp 60%. Bedeutet das nun, dass 40% der Schüler(innen) viel mehr als 45 Minuten unterwegs sind?
NauMax 11.01.2018
2.
Was auch nicht unterschätzt werden darf sind die zum Teil horrenden Wartezeiten, wenn man z.B. aus dem Umland mit dem Bus anreist. Während meiner Schulzeit (1999-2012) hatten mehrere Klassenkameraden das "Glück", in [...]
Was auch nicht unterschätzt werden darf sind die zum Teil horrenden Wartezeiten, wenn man z.B. aus dem Umland mit dem Bus anreist. Während meiner Schulzeit (1999-2012) hatten mehrere Klassenkameraden das "Glück", in einer kleinen Gemeinde ca. 30km vom Unterrichtsort entfernt zu wohnen. Zusätzlich zur ohnehin schon sehr langen Busfahrt kamen da noch einmal Wartezeiten von bis zu 2 Stunden hinzu, sodass diese Schüler an einigen Tagen trotz Unterrichtsschluss um 14 Uhr erst sehr spät am Nachmittag zuhause ankamen. Die Zeit für Hausaufgaben o.ä. zu nutzen ging übrigens auch nicht, weil gem. Schulordnung alle Schüler das Schulgebäude nach Unterrichtsschluss ihrer Klassen zu verlassen hatten - Zuwiderhandlung würde als Hausfriedensbruch gewertet. Diese Schüler saßen also im Endeffekt bei Wind und Wetter 2 Stunden an der Haltestelle. Ein Erwachsener würde an dieser Stelle völlig zurecht mit dem eigenen Auto fahren - für Schüler bleibt nur der Bus.
sv74 11.01.2018
3. Schulweg von über 1 h üblich in Sachsen
Seit Jahren haben unsere Kinder mehr als eine h Schulweg pro Richtung - ab Klasse 5. 5.30 Uhr aufstehen, 6.10 Uhr losgehen auf der Landstraße ohne Gehweg ca. 1 km zur Bushaltestelle an der nächsten Kreuzung, 6.28 kommt der Bus [...]
Seit Jahren haben unsere Kinder mehr als eine h Schulweg pro Richtung - ab Klasse 5. 5.30 Uhr aufstehen, 6.10 Uhr losgehen auf der Landstraße ohne Gehweg ca. 1 km zur Bushaltestelle an der nächsten Kreuzung, 6.28 kommt der Bus und fährt 30 Min, dann nochmal 1 km vom Bus zur Schule zu Fuß, kommen ca. 7.15 Uhr an, um 7.30 geht Unterricht los. Nachmittags je nach Stundenzahl nach 7 oder 8 h zurück gleicher Weg. Wenn wegen Krankheit mal eine Arbeit nach dem Unterricht nachgeschrieben werden muss passen die Buszeiten gar nicht mehr und es sind teils Wartezeiten von 30-45 Min notwendig, bevor der nächste Bus fährt... Ab Klasse 5 ist das soziale Leben vorbei für Kinder auf dem Land - wenn die gegen 14 oder 15 Uhr zu Hause ankommen muss erstmal gegessen werden (Schul-Mittagessen gibt es logistisch bedingt 10.50 Uhr!), dann Hausaufgaben und die eine oder andere Hilfe im Haushalt, um 20.30 ins Bett wenn früh wieder 5.30 Uhr der Wecker klingelt. Soviel zu Stress bei pendelnden Schulkindern...
dasfred 11.01.2018
4. Allein schon früher aufstehen
ist für die Kinder ein Nachteil gegenüber schulnahen Wohnens. Dazu kommt, dass die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen zu Hause sich erheblich verlängert und das hat auch Einfluss auf den jungen Organismus. Wenn man denn [...]
ist für die Kinder ein Nachteil gegenüber schulnahen Wohnens. Dazu kommt, dass die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen zu Hause sich erheblich verlängert und das hat auch Einfluss auf den jungen Organismus. Wenn man denn noch die oftmals überfüllten Schulbusse sieht, ist nachvollziehbar, warum Kinder schon gestresst ankommen und nachmittags weniger Zeit zum regenerieren haben.
bremde 11.01.2018
5. Gesamt
Der Vollständigkeit halber sollte man auch die Hauptgruppe derjenigen mit aufführen, die über 20 bis unter 45 Minuten für ihren Schulweg brauchen (40,7 %). Ansonsten könnten Spekulationen entstehen wie unter Nr. 1 der [...]
Der Vollständigkeit halber sollte man auch die Hauptgruppe derjenigen mit aufführen, die über 20 bis unter 45 Minuten für ihren Schulweg brauchen (40,7 %). Ansonsten könnten Spekulationen entstehen wie unter Nr. 1 der Beiträge.

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