Leben und Lernen

Panne in Brandenburg

Schüler bekommen falsche Prüfungsaufgaben

Weil sie zu Themen befragt wurden, die sie nie behandelt haben, dürfen brandenburgische Schüler ihre Mathe-Prüfung wiederholen.

DPA

Schüler bei Prüfung (Symbolbild)

Freitag, 18.05.2018   11:12 Uhr

Damit hatten die Oberstufenschüler bei der Mathe-Prüfung in Brandenburg nicht gerechnet: In Cottbus und Lübben wurden die Schüler zu Themen befragt, die im Unterricht nie gelehrt worden waren, wie das Potsdamer Bildungsministerium am Freitag zu der neuen Prüfungspanne im Land mitteilte. Die Schulen hatten offenbar einige Themengebiete nicht behandelt, obwohl sie im Rahmenplan standen.

In Cottbus seien die Schüler noch rechtzeitig mit neuen Aufgaben versorgt worden, in Lübben sei die Panne zu spät gemeldet worden, die Schüler bekamen also quasi die falschen Prüfungsaufgaben. 83 betroffene Schüler könnten die Prüfung deshalb wiederholen. Bei den betroffenen Prüfungen ging es um die Fachhochschulreife. Sie berechtigt zum Studium an Fachhochschulen und einigen Universitäten wie Potsdam oder Cottbus.

Bereits im vergangenen Jahr waren Brandenburger Abiturienten mit Mathematik-Fragen konfrontiert, die nicht behandelt worden waren. Viele Lehrer in Brandenburg hatten damals offensichtlich nicht gewusst, wie der aktuelle Lehrplan in Mathe für die Oberstufe aussah. Etwa jede dritte Schule hatte ihre Mathematiklehrer nicht zu vorgeschriebenen Fortbildungen zum Rahmenlehrplan geschickt, hieß es aus dem Bildungsministerium.

Nach der Mathe-Prüfung hatten deshalb viele Lehrer und Schüler kritisiert, dass Fragen aus dem Zentralabitur gar nicht im Unterricht drangekommen waren. Rund 6000 Schüler durften die Prüfung wiederholen. 2600 Schüler machten davon Gebrauch. Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher nannte den neuerlichen Vorfall "ärgerlich". Beide Fälle seien aber in ihrer Dimension nicht zu vergleichen.

Bundesweit beschweren sich derzeit Schüler massiv über ihre Abituraufgaben. In mehreren Bundesländern wurden deshalb bereits Petitionen gestartet. Lehrer in Sachsen-Anhalt raten Abiturienten sogar dazu, wegen der schweren Aufgaben zu klagen.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes hieß es, die Panne sei bei einer Abiturprüfung passiert. Tatsächlich handelte es sich um eine Prüfung zur Fachhochschulreife. Wir haben den Text korrigiert.

koe/dpa

insgesamt 19 Beiträge
equigen 18.05.2018
1. Her mit dem Zentralabitur
Schluss mit dieser bildungspolitischen Kleinstaaterei. Als ob Mathe in Bayern oder Brandenburg anders funktionieren würde. Ein Lehrplan für alle, weniger Spielraum für Fehler, gleiche Bewertungsbasis für alle Schüler und [...]
Schluss mit dieser bildungspolitischen Kleinstaaterei. Als ob Mathe in Bayern oder Brandenburg anders funktionieren würde. Ein Lehrplan für alle, weniger Spielraum für Fehler, gleiche Bewertungsbasis für alle Schüler und angehenden Studenten.
HansChristianKommenter 18.05.2018
2. @equigen: Zentralabitur
Na dann gute Nacht. Es gibt dann genau 2 Möglichkeiten: Entweder fast alle Schüler in nord-östlichen Deutschland fallen um 1-2 Schulnoten ab oder das Gesamtniveau des Gymnasiums sinkt auf deren Niveau (das ist wohl der Wunsch [...]
Na dann gute Nacht. Es gibt dann genau 2 Möglichkeiten: Entweder fast alle Schüler in nord-östlichen Deutschland fallen um 1-2 Schulnoten ab oder das Gesamtniveau des Gymnasiums sinkt auf deren Niveau (das ist wohl der Wunsch hinter allem). Dankeschön. Wenn nicht mal die Lehrer ordendlich ausgebildet sind, wie ist wohl der Rest der Schulbildung dort? In Berlin ist Gymnasium das, was in B-W oder Bayern die Realschule (nicht: Werkrealschule oder Gesamtschule, damit wir uns richtig verstehen) ist. "Dummerweise" zählen z.B. für den NC immer noch nur die Noten, aber einer, der jemand einstellt, weiss den Unterschied hier durchaus zu würdigen...
unnglaublich 18.05.2018
3. Das scheint ein Lehrerproblem zu sein
Durch den Lehrplan vorgeschriebene Inhalte werden nicht gelehrt; die perfekte Zuspitzung ist dann natürlich die Aufforderung durch Lehrer, gegen die Benotung zu klagen (wie hier kürzlich thematisiert). Dazu würde ich gerne mal [...]
Durch den Lehrplan vorgeschriebene Inhalte werden nicht gelehrt; die perfekte Zuspitzung ist dann natürlich die Aufforderung durch Lehrer, gegen die Benotung zu klagen (wie hier kürzlich thematisiert). Dazu würde ich gerne mal nicht einen 5Zeilen-DPA lesen, sondern eine Einordnung von Fachjournalisten.
SabineAusDemNorden 18.05.2018
4. Kommentar Nr.2 nein wieso?
nicht nur das Abi, auch der Lehrplan muss zentralisiert werden. Ich bin selbst während der Gymnasialzeit 2x umgezogen - unglaublich, was für ein Zirkus das war
nicht nur das Abi, auch der Lehrplan muss zentralisiert werden. Ich bin selbst während der Gymnasialzeit 2x umgezogen - unglaublich, was für ein Zirkus das war
lelo_de 18.05.2018
5. Oh, wie schön ist Brandenburg
Es ist ja nicht nur Brandenburg. Man fragt sich auch in anderen Bundesländern, wer genau die Aufgaben erstellt bzw. deren Kompatibilität zum Lehrplan prüft. Auch in Niedersachsen gab es diesmal im Politik-Abitur eine Aufgabe [...]
Es ist ja nicht nur Brandenburg. Man fragt sich auch in anderen Bundesländern, wer genau die Aufgaben erstellt bzw. deren Kompatibilität zum Lehrplan prüft. Auch in Niedersachsen gab es diesmal im Politik-Abitur eine Aufgabe gegen die man sicher klagen könnte. Gleiches gilt für diverse Aufgaben in anderen Fächern und Bundesländern. Aber in einem Land, das inzwischen nicht mal mehr in der Lage ist einen Flughafen zu bauen wundert einen das eigentlich auch nicht.

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