Leben und Lernen

Niedersachsen

Unbekannte knacken Tresor mit Abi-Aufgaben

In ein niedersächsisches Gymnasium sind Diebe eingebrochen - womöglich hatten sie es auf Abi-Prüfungen abgesehen. In einer Blitzaktion mussten mehrere Bundesländer ihre Matheaufgaben austauschen.

DPA

Abiturienten in Frankfurt am Main

Mittwoch, 02.05.2018   17:03 Uhr

Weil in ein niedersächsisches Gymnasium eingebrochen wurde, brauchten viele Schulen in Deutschland in aller Eile neue Aufgaben für das Mathe-Abitur. In Baden-Württemberg ist es deshalb zu Verspätungen gekommen. Laut dem zuständigen Kultusministerium konnte die Prüfung erst um 9 Uhr starten und nicht wie geplant bereits um 8.30 Uhr.

Der Einbruch ereignete sich demnach in der Nacht vom 29. auf den 30. April. Wie der "Münchner Merkur" berichtet, wurde dabei auch ein Schultresor geknackt. Laut dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) konnte nicht ausgeschlossen werden, dass auch Prüfungsaufgaben bekannt geworden seien. Das Land Niedersachsen habe daher einen Austausch der Aufgaben vorgenommen.

Da die Aufgaben aus dem länderübergreifenden IQB-Aufgabenpool stammen, ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Bundesländer ebenfalls betroffen ist, hieß es vom IQB. Laut "Münchner Merkur" musste der Austausch bundesweit angeordnet werden, weil ein Teil der Aufgaben bundesweit gleich ist.

Nicht die erste Abi-Panne

Die Ersatzaufgaben bekamen die Schulen teilweise bereits am Montag zugeschickt - allerdings nur verschlüsselt. Am Mittwochmorgen erhielten die Schulleiter online auch das zugehörige Passwort, mit dem sie die Prüfungen öffnen und ausdrucken konnten.

Laut dem baden-württembergischen Kultusministerium konnte so verhindert werden, dass der bundesweit einheitliche Termin für die Matheprüfung ganz verschoben werden muss. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg lobte die schnelle Reaktion. "Dass das Kultusministerium jetzt den Weg gegangen ist, die Ersatzaufgaben schon frühzeitig an die Schulen zu schicken und das Passwort erst heute Morgen, ist wirklich ein cleverer Weg", sagte die Landesvorsitzende Doro Moritz dem SWR.

"Wenn das schon in Bad Urach so gehandhabt worden wäre, hätte es die Panne nicht gegeben, bei der die Lehrerin die Aufgaben im Schulamt abholen musste", sagte Moritz weiter. In Bad Urach war das Siegel eines Umschlags mit Realschulprüfungen aufgetaucht. Später kursierten Deutschprüfungen bei WhatsApp.

Es ist nicht das erste Mal, dass Abi-Aufgaben geklaut werden. Bereits im vergangenen Jahr mussten deshalb die Aufgaben in Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern in den Fächern Mathematik und Englisch ausgetauscht werden.

koe

insgesamt 25 Beiträge
maria3333 02.05.2018
1. Warum werden Aufgaben nicht immer digital und verschlüsselt versendet?
Da frage ich mich schon, warum die Aufgaben nicht von vorn herein digital und verschlüsselt versendet werden und die Schulleitungen sie am Morgen der Prüfung mit einem Passwort öffnen? Klar ist es viel Aufwand, das alles noch [...]
Da frage ich mich schon, warum die Aufgaben nicht von vorn herein digital und verschlüsselt versendet werden und die Schulleitungen sie am Morgen der Prüfung mit einem Passwort öffnen? Klar ist es viel Aufwand, das alles noch auszudrucken und zu organisieren innerhalb weniger Stunden. Aber anders geht es doch offenbar nicht mehr. Das Rumschicken von Papieren und Lagern in Tresoren ist doch offenbar gescheitert. Schulen sind halt kein Hochsicherheitstrakt. Irgendwo bricht neuerdings immer irgendein Idiot ein oder ein verpeilter Mensch an einer Schule öffnet aus Versehen die Umschläge. Dass deswegen immer irgendwelche Notfall-Rettungspläne durchgezogen werden müssen oder gar Prüfungen verschoben werden, ist doch nicht mehr zumutbar. Ich hoffe, dass das System jetzt mal nach so vielen Vorfällen überdacht wird.
gerd33 02.05.2018
2. Geheimhaltung ausgeschlossen
Wei viele Personen sind an den Aufgabenstellungen des Zentralabiturs je Fach beteiligt?? IT-ler, Lehrer, Ministerialbeamte, Sachbearbeiter, Schreibkräfte, Schulhausmeister (irgendwer muss die Aufgaben ja ausdrucken, [...]
Wei viele Personen sind an den Aufgabenstellungen des Zentralabiturs je Fach beteiligt?? IT-ler, Lehrer, Ministerialbeamte, Sachbearbeiter, Schreibkräfte, Schulhausmeister (irgendwer muss die Aufgaben ja ausdrucken, zusammentackern ...) und und und.. Wer glaubt wirklich, dass die alle dicht halten? Die haben bestimmt Angehörige die sich über eine Klausur vorab freuen würden. ganz zu schweigen von den Kindern der Lehrer, die zwar am anderen Gymnasium zur Schule gehen, aber dank Zentralabi dir gleichen Aufgaben erhalten. Zumal ein Geheimnisverrat schwer nachweisbar ist. Und schließlich handelt es sich auch juristisch wohl nicht um Top-Secret Material, sondern allenfalls nur um VS -nfD oder VS-vertr. Glaube kaum, dass ein Lehrer, der die Aufgaben vorab kennt, seine Kinder ins offene Messer laufen lässt. Da außerdem im Abitur fast niemand durchfällt, ist es unangebracht und völlig überzogen, wegen verschwundener oder evtl. geleakter Klausuren, einen großflächigen Aufgabentausch vorzunehmen, wobei die Aufgabenstellungen vorab schon einem großen Personenkreis bekannt sein dürften.
spon_2999637 02.05.2018
3. Vorschlag
In Zukunft gleich sofort genau so machen wie hier erst als Workaround: Daten verschlüsselt ablegen und planmäßig erst vor der Prüfung ausdrucken. Den Schlüssel wenige Stunden vor Prüfung versenden, dann ist auch nichts vorab [...]
In Zukunft gleich sofort genau so machen wie hier erst als Workaround: Daten verschlüsselt ablegen und planmäßig erst vor der Prüfung ausdrucken. Den Schlüssel wenige Stunden vor Prüfung versenden, dann ist auch nichts vorab einsehbar.
maria3333 02.05.2018
4. Lehrer kennen die Aufgaben erst am Morgen der Prüfung!
Ich kann Ihnen leider nicht beantworten, wie viele Leute bei der Erstellung des Abiturs beteiligt sind. Aber eines kann ich Ihnen als Lehrerin in Ba-Wü (wo es Zentralabitur gibt) ganz sicher sagen: Wir Lehrer wissen NICHT [...]
Zitat von gerd33Wei viele Personen sind an den Aufgabenstellungen des Zentralabiturs je Fach beteiligt?? IT-ler, Lehrer, Ministerialbeamte, Sachbearbeiter, Schreibkräfte, Schulhausmeister (irgendwer muss die Aufgaben ja ausdrucken, zusammentackern ...) und und und.. Wer glaubt wirklich, dass die alle dicht halten? Die haben bestimmt Angehörige die sich über eine Klausur vorab freuen würden. ganz zu schweigen von den Kindern der Lehrer, die zwar am anderen Gymnasium zur Schule gehen, aber dank Zentralabi dir gleichen Aufgaben erhalten. Zumal ein Geheimnisverrat schwer nachweisbar ist. Und schließlich handelt es sich auch juristisch wohl nicht um Top-Secret Material, sondern allenfalls nur um VS -nfD oder VS-vertr. Glaube kaum, dass ein Lehrer, der die Aufgaben vorab kennt, seine Kinder ins offene Messer laufen lässt. Da außerdem im Abitur fast niemand durchfällt, ist es unangebracht und völlig überzogen, wegen verschwundener oder evtl. geleakter Klausuren, einen großflächigen Aufgabentausch vorzunehmen, wobei die Aufgabenstellungen vorab schon einem großen Personenkreis bekannt sein dürften.
Ich kann Ihnen leider nicht beantworten, wie viele Leute bei der Erstellung des Abiturs beteiligt sind. Aber eines kann ich Ihnen als Lehrerin in Ba-Wü (wo es Zentralabitur gibt) ganz sicher sagen: Wir Lehrer wissen NICHT vorab, welche Aufgaben drankommen - auch nicht der Schulleiter, die Sekretärinnen oder der Hausmeister. Die Aufgaben werden nämlich nicht in der Schule kopiert. Es kommt per Post ein dicker Packen Papier mit den fertigen Kopien für alle Prüflinge. Dieser kommt ungeöffnet in einen Safe. Am Morgen der Prüfung (frühestens 6.30 Uhr, glaube ich) ist die sog. "Eröffnung", wo das noch verschlossene Paket unter Anwesenheit von mehreren Augenzeugen geöffnet wird und die Lehrer der jeweiligen Fächer sich die Aufgaben ansehen können, um im Notfall noch in den Aufgaben vorhandene Fehler zu melden bzw. in manchen Fächern (z.B. Mathe) eine von mehreren Aufgaben auszuwählen. Es kann also kein "Normalo", der irgendeinen Job an einer Schule macht, seinen Kindern, Freunden und Bekannten die Aufgaben vorab rumreichen. Um das tun zu können, müsste man schon zum exklusiven Kreis derer gehören, die die Aufgaben erstellen. Wie gesagt, weiß ich nicht, wie viele Leute das sind, aber sicher nicht viele. Was Sie dagegen erzählen, ist völlig uniformierter Quatsch.
grotefend 02.05.2018
5. Umkehrschluss
Lehrer erfahren die Abi-Aufgaben am selben Tag wie die Schüler. Die Umschläge sind versiegelt und werden am Morgen unter Zeugen geöffnet. Ich möchte ich Ihr Argument aufgreifen: es sind so viele an der Geheimhaltung [...]
Zitat von gerd33Wei viele Personen sind an den Aufgabenstellungen des Zentralabiturs je Fach beteiligt?? IT-ler, Lehrer, Ministerialbeamte, Sachbearbeiter, Schreibkräfte, Schulhausmeister (irgendwer muss die Aufgaben ja ausdrucken, zusammentackern ...) und und und.. Wer glaubt wirklich, dass die alle dicht halten? Die haben bestimmt Angehörige die sich über eine Klausur vorab freuen würden. ganz zu schweigen von den Kindern der Lehrer, die zwar am anderen Gymnasium zur Schule gehen, aber dank Zentralabi dir gleichen Aufgaben erhalten. Zumal ein Geheimnisverrat schwer nachweisbar ist. Und schließlich handelt es sich auch juristisch wohl nicht um Top-Secret Material, sondern allenfalls nur um VS -nfD oder VS-vertr. Glaube kaum, dass ein Lehrer, der die Aufgaben vorab kennt, seine Kinder ins offene Messer laufen lässt. Da außerdem im Abitur fast niemand durchfällt, ist es unangebracht und völlig überzogen, wegen verschwundener oder evtl. geleakter Klausuren, einen großflächigen Aufgabentausch vorzunehmen, wobei die Aufgabenstellungen vorab schon einem großen Personenkreis bekannt sein dürften.
Lehrer erfahren die Abi-Aufgaben am selben Tag wie die Schüler. Die Umschläge sind versiegelt und werden am Morgen unter Zeugen geöffnet. Ich möchte ich Ihr Argument aufgreifen: es sind so viele an der Geheimhaltung beteiligt, sodass ein Missbrauch an der Schule auffliegen würde!

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