Leben und Lernen

Polizeigewerkschaft

Jugendämter sollen hart gegen antisemitische Erziehung vorgehen

Werden Kinder zu Hause zu antisemitischem Hass angestachelt, sollen Jugendämter härter durchgreifen, fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft. Notfalls müsse man den Eltern ihre Kinder wegnehmen.

DPA

DPolG-Chef Rainer Wendt

Mittwoch, 04.04.2018   10:33 Uhr

Nach religiösem Mobbing in Schulen hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) ein härteres Einschreiten der Jugendämter gefordert. Das müsse notfalls bis zur Inobhutnahme der Kinder gehen.

"Wenn Kinder zu Antisemiten erzogen werden, darf man nicht davor zurückschrecken, sie aus ihren Familien herauszunehmen", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Augsburger Allgemeinen". Antisemitismus brächten viele Kinder von zu Hause mit.

Hintergrund der Forderung sind aktuelle Fälle. An einer Grundschule in Berlin war eine Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit beschimpft worden.

Wendt begrüßte den Vorstoß des Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) für ein bundesweites Melderegister antisemitischer Vorfälle an Schulen. "Leider haben viele Schulleiter bisher nach dem Motto 'in meiner Schule gibt es das nicht' gehandelt", sagte Wendt. "Hier wurde bisher vieles von dem, was an Antisemitismus von Muslimen ausgeht, nicht gern registriert." Doch das müsse vorurteilsfrei erfasst werden, um wirksame Gegenstrategien entwickeln zu können. Auch der Zentralrat der Juden setzt sich für ein bundesweites Meldesystem für antisemitische Vorfälle ein.

Wendt forderte auch eine Korrektur der Erfassung antisemitischer Straftaten in den Statistiken bei Polizei und des Verfassungsschutzes. "An der Art, wie diese Straftaten bisher erfasst werden, sind erhebliche Zweifel angebracht", sagte Wendt.

"Wenn etwa jüdische Einrichtungen beschmiert oder beschädigt werden und die Täter unbekannt sind, wird für die Statistik automatisch von einer rechtsextremen Tat ausgegangen." Es sei aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, was von Muslimen begangene antisemitische Taten betreffe.

cht/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

TOP