Leben und Lernen

Giffey kritisiert Fasten im Ramadan

"Gesundheit und Schule gehen vor"

Schüler müssten regelmäßig essen und trinken, um dem Unterricht folgen zu können, sagt Familienministerin Franziska Giffey. Religiöses Fasten dürfe Kinder nicht in der Schule einschränken.

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Franziska Giffey

Von
Mittwoch, 16.05.2018   12:00 Uhr

Am 16. Mai beginnt in Deutschland der Fastenmonat Ramadan. Immer wieder wird die strikte Auslegung des Fastens in der Schule kritisiert. Nun warnt auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey davor. Bei der Diskussion müssten die Gesundheit und das Wohl der Kinder im Mittelpunkt stehen. "Kinder müssen regelmäßig trinken und essen, sonst können sie nicht mehr aufmerksam dem Unterricht folgen und manche klappen sogar im Sportunterricht zusammen", sagte Giffey dem SPIEGEL.

Als Bezirksbürgermeisterin von Neukölln hatte Giffey viel Kontakt in die muslimischen Communitys. Als Bürgermeisterin war sie bekannt dafür, Integrationsprobleme in ihrem Bezirk klar zu benennen. Das will sie offenbar auch auf Bundesebene fortführen.

Auf die Frage, was wichtiger sei, Schule oder Religion, sagte Giffey: "Gesundheit und Schule gehen vor." Religiöses Fasten dürfe die Kinder nicht in ihrer Gesundheit und auch nicht in der Schule einschränken.

Vor einem Jahr brachte Giffey gemeinsam mit Neuköllner Vereinen, Schulvertretern und Moscheen die sogenannte Neuköllner Empfehlung heraus, die Kindern und Lehrern als Stütze dienen soll, um "Denk- und Diskussionsprozesse in Gang zu setzen", wie es darin heißt.

Die Empfehlung enthält zwölf Punkte, einer davon heißt zum Beispiel: "Es gibt keinen Zwang in der Religion. Eine gesundheitliche Gefährdung des Kindes oder Jugendlichen ist nicht im Sinne des Islam." Die knappen Handreichungen sollen auch als Orientierungshilfe dienen und sind auch für Eltern gedacht.

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Unterricht an einer Schule in Frankfurt (Archiv)

"Bislang gibt es kaum Hilfestellungen, wie mit dem Ramadan in Schulen umgegangen werden kann." Deshalb gab es sehr viele dankbare Zuschriften aus dem gesamten Bundesgebiet von Praktikern, die die Handreichung für ihre Arbeit nutzen konnten, sagte Giffey.

Sich auf die zwölf Punkte zu einigen, sei ein schwieriger Weg gewesen. Es hätten sich bei Weitem nicht alle Moscheen an dem damaligen Prozess beteiligt. In der Schule müsse über den Ramadan gesprochen werden, damit die Lehrerinnen und Lehrer Bescheid wüssten. Vor allem aber auch, um dem Gruppendruck, der häufig unter Schülern aufkommen könne, entgegenzuwirken. "Da darf es keine Diskriminierung geben, egal ob jemand fastet oder nicht", sagte Giffey.

Auch der Lehrerverband warnt vor dem Fasten während des Ramadans. "Sehr viele Schüler nehmen das Fasten inzwischen sehr ernst", sagte dessen Präsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung "Welt". Der frühere Gesundheitsminister und Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU fordert eine offensivere Debatte zu dem Thema. Religiös begründeter Druck müsse ebenso vermieden werden wie die Verächtlichmachung religiöser Gebote.

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