Leben und Lernen

Unhygienische Toiletten

Warum putzen Schüler nicht selbst die Klos?

Überall Siff und mal wieder kein Papier: Der Toilettenbesuch ist in vielen Schulen nicht angenehm. Eine Umfrage zeigt, welche Lösungen sich Eltern vorstellen können.

DPA

Toilette einer Berliner Grundschule (Archivfoto von 2013)

Donnerstag, 09.08.2018   14:42 Uhr

Schulklos sind selten Wohlfühlorte: Überall liegt abgerolltes Papier und vor allem Schmutz. Immer wieder gibt es Schreckensmeldungen aus Schulen, die dieses Klischee bestätigen - und laut einer Umfrage des Instituts Civey machen sich 38 Prozent der Eltern von Schulkindern "eher häufig" oder "sehr häufig" Sorgen um die Sauberkeit der Schultoiletten.

Sicher, im ein oder anderen Fall sagt das vielleicht mehr über die Empfindlichkeit der Eltern aus als über den Zustand der Klos. Aber wenn das Thema für ein Drittel der Befragten so wichtig ist, dann darf man durchaus von unhygienischen Toiletten in vielen Schulen ausgehen.

Die nächste Frage lautet dann: Was tun? Eine Reinigungskraft, die ständig anwesend ist und den Benutzern hinterherfeudelt, funktioniert in vielen öffentlich zugänglichen Toiletten gut. Rund jeder fünfte Befragte befürwortet das laut der Umfrage auch für Schulen. Eine Überwachung der Räume kommt für fast zwölf Prozent infrage.

Doch zusätzliches Personal, egal, ob zur Überwachung oder zum Putzen, kostet Geld. Und deutlich über die Hälfte der Befragten, genau 57,1 Prozent, will für saubere Schulklos kein extra Geld ausgeben. Immerhin ein gutes Drittel wäre dazu bereit.

Die populärsten Maßnahmen in dieser Umfrage sind gemeinsame Reinigungsaktionen. Knapp 38 Prozent stimmen dafür, wohl in der Hoffnung: Schüler, die diese Arbeit selbst erlebt haben, verhalten sich anschließend reinlicher. Das ist fast doppelt so viel Zustimmung wie für die Hygiene-Aufklärung der Schüler (21,5 Prozent).

Für diese praktische Herangehensweise sprechen interessante Beispiele von Schulen, die das Problem bereits kreativ angehen:

Auch finanzieller Druck scheint mitunter zu funktionieren: An einer Gesamtschule im hessischen Marburg müssen Schüler für frisch geputzte Klos zahlen. Eine Reinigungskraft kassiert dort zehn Cent pro Benutzung. Eine kostenlose Toilette gibt es weiterhin - es muss sie geben, damit Toilettenzugang keine Frage des Geldes ist. Die wird aber nur einmal pro Tag gereinigt.

Details zur Erhebung

Wer wurde befragt?
Befragt wurden 2500 Elternteile aus der gesamten Bundesrepublik, in deren Haushalt Kinder unter 18 Jahren leben. Bei einigen Fragen wurden hier nur die Befragten berücksichtigt, deren Kinder aktuell noch zur Schule gehen.
Ist die Umfrage repräsentativ?
Ja, für Eltern mit Kindern unter 18 Jahren. Der statistische Fehler lag bei 5 Prozent.
Wie wurde befragt?
Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 14.05.2018 bis 23.05.2018 online über das Umfragenetzwerk von Civey auf 25.000 Internetseiten ausgespielt. Bei den Fragen gab es vorgegebene Antwortmöglichkeiten. Den Teilnehmern der Umfrage wurde kein Geld gezahlt.
Welche Unternehmen waren an der Umfrage beteiligt?
Durchgeführt wurde die Umfrage vom Institut Civey im Auftrag von Essity, dem Mutterkonzern von Tempo und Zewa. SPIEGEL ONLINE kooperiert selbst bei anderen Umfragen mit Civey, einem Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mamk

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