Leben und Lernen

Streit in Tokio

Grundschule will Uniformen von Armani einführen

Soll es Burberry sein, Chanel oder Hermès, fragte sich der Rektor einer öffentlichen Grundschule in Tokio - und entschied sich für Armani. Dass sie für Schuluniformen 600 Euro ausgeben sollen, erzürnt nun Eltern.

AP/Taimei Elementary School

Schuluniformen vom italienischen Designer Giorgio Armani

Freitag, 09.02.2018   16:49 Uhr

Immerhin ein Ziel hat Schuldirektor Toshitsugu Wada bereits erreicht: Indem er an seiner Grundschule in Japans Hauptstadt Tokio italienische Designerkleidung einführe, wolle er die Schule bekannter machen, teilte er mit. Das ist ihm gelungen.

Seine Pläne, wonach die Grundschüler der öffentlichen Taimei-Schule ab April Uniformen der italienischen Modemarke Armani tragen sollen, haben in Japan zu einer heftigen Debatte geführt.

Viele Eltern zeigten sich wenig begeistert von der Idee, Kleidung im Wert von mindestens 600 Euro für ihre Kinder zu kaufen. Die aktuellen Uniformen kosten laut Nachrichtenagentur AP weniger als die Hälfte. Eltern wiesen darauf hin, dass sie zum Kauf der Uniform gezwungen seien, damit sich ihre Kinder nicht ausgeschlossen fühlen.

Die Schule verpflichtet zwar nicht zum Kauf, empfiehlt aber das Tragen ebenjener Kleidung. Auch im Netz äußerten Nutzer ihren Ärger: "Das ist einfach unverschämt, Kinder ändern schnell ihre Klamottengröße", schrieb einer.

Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo verteidigte die 150 Jahre alte öffentliche Schule ihre Entscheidung mit dem Argument, sie wolle künftig stärker dem Image des Viertels entsprechen. Die Schule liegt im exklusiven Einkaufsviertel Ginza.

Er habe sich dazu entschieden, um seine Schule bekannter zu machen, verteidigte sich Schulleiter Wada außerdem am Freitag auf einer Pressekonferenz. Er habe auch andere Designermarken wie etwa Burberry, Chanel oder Hermès in Betracht gezogen.

Offenbar hat ihm dann die dunkelblaue Uniform der Italiener aus Jacke, Hose oder Rock, Shirt und Hut am meisten zugesagt - zudem liegt der Shop in der Nähe der Schule. Wada räumte zwar ein, dass der Preis für die neue Uniform nicht gerade "niedrig" sei - an seinem Plan will er trotzdem festhalten.

Die Diskussion erreichte inzwischen auch das japanische Parlament. Der Oppositionsabgeordnete Manabu Terada fragte, warum eine Schule, die für Kinder aus allen Schichten da sei, eine derart teure Uniform brauche. Finanzminister Taro Aso stellte fest, dass die Uniform für eine öffentliche Schule teuer sei. "Sollte nur ein einziger Schüler nicht in der Lage sein, sie zu kaufen, könnte das zu einem Problem werden", sagte der Minister.

Die Preise für Uniformen, die an japanischen Schulen flächendeckend üblich sind, sind in den vergangenen Jahren gestiegen und bedeuten ohnehin schon eine recht große Ausgabe für Eltern schulpflichtiger Kinder.

lgr/AFP/AP

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