Leben und Lernen

Toilettenstreit

US-Erziehungsbehörde will Beschwerden von Transgendern ignorieren

Ein Transgender-Schüler fühlt sich als Mädchen, muss in seiner Schule aber auf die Jungentoilette: Um solche Fälle will sich das US-Erziehungsministerium nicht mehr kümmern.

REUTERS

Toilettenschild in Kalifornien (Archivbild)

Dienstag, 13.02.2018   11:45 Uhr

Das US-Erziehungsministerium hat klargestellt, dass es Beschwerden von Transgender-Schülern, die sich an ihrer Schule bei der Toilettennutzung diskriminiert fühlen, künftig ignorieren wird.

Wie das Nachrichtenportal "Buzzfeed" zuerst berichtete, könne es laut Ministerium gesetzlich nicht als Diskriminierung gelten, wenn Kinder auf die Toilette gehen müssten, die ihrem angeborenen Geschlecht entspreche.

In den USA ist die Wahlfreiheit bei der Toilettennutzung schon lange ein Streitthema. Im Mai 2016 hatte der damalige US-Präsident Barack Obama alle öffentlichen Schulen des Landes angewiesen, dass Transgender-Schüler die Toilette nutzen dürfen, die ihrer geschlechtlichen Identität entspricht. Mehrere Bundesstaaten hatten dagegen geklagt.

Vor einem Jahr nahm Obamas Nachfolger Donald Trump die Anweisung dann zurück. Danach war monatelang unklar gewesen, wie sich das Ministerium in dieser Frage verhalten würde.

Schüler können sich ansOffice of Civil Rights wenden, wenn sie sich in US-Bildungsstätten benachteiligt fühlen. Die Beschwerdestelle ist beim Erziehungsministerium angesiedelt. Wie viele Klagen dort eingehen, ist nicht bekannt.

Vor einigen Tagen hatte jedoch die "Huffington Post" berichtet, dass das Office of Civil Rights in den vergangenen Monaten mehrere Beschwerden in Bezug auf die Nutzung von Schultoiletten zurückgewiesen habe, weil es dafür nicht zuständig sei.

Kritiker warnen, dass die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender-Personen unter der Regierung von Donald Trump beschränkt werden. So wollte der Präsident Transgender zuletzt aus dem Militär verbannen.

In Bildungsfragen sind die US-Bundesstaaten jedoch weitgehend autonom. Im Januar stimmte eine Schulbehörde in Wisconsin nach zwei Gerichtsprozessen einem Vergleich zu: Sie zahlt einem ehemaligen Transgender-Schüler 800.000 Dollar und erlaubt ihm rückwirkend, jederzeit die Männertoilette seiner Schule zu benutzen.

lov

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