Leben und Lernen

Reaktionen auf Exzellenzinitiative

"Eine immer starrere Elite"

Eine halbe Milliarde Euro soll in den kommenden zehn Jahren an deutsche Spitzenforscher fließen. Dabei mangelt es vielen Unis woanders: Es fehlen sichere Stellen und Geld für die Lehre.

Universität Heidelberg

Universität Heidelberg: Beispiel für eine Elite-Hochschule

Freitag, 22.04.2016   17:13 Uhr

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) ließ sich die Summe auf der Zunge zergehen: "Eine halbe Milliarde hinzulegen ist nicht ohne." So begann sie ihre Präsentation der Pläne für die neue Runde der Exzellenzinitiative und sprach von einem Grund zur Freude für die deutschen Universitäten.

Was sie dann als Plan verkündete, entsprach in etwa dem, was vorher erwartet worden war . In der am Freitag vereinbarten dritte Runde des Bund-Länder-Programms für Spitzenforschung werden binnen zehn Jahren 533 Millionen Euro jährlich ausgeben. Und zwar, um einerseits bis zu 50 Exzellenzcluster deutscher Hochschulen zu fördern - also Forschungsschwerpunkte, die interdisziplinär und zum Teil auch hochschulübergreifend bearbeitet werden -, und um andererseits acht bis elf Elitehochschulen zusätzlich mit Geld zu versorgen.

Doch Wankas Freude teilen längst nicht alle. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, sieht Spitzenforschung durch das Programm zwar "weiter gestärkt". Allerdings sieht er große Unis gegenüber kleinen im Vorteil, was "der Vielfalt der deutschen Universitäten nicht gerecht" wird. Ziel seiner Kritik: Um sich überhaupt als Eliteuniversität bewerben zu können, muss eine Institution bereits die Förderung von zwei Exzellenzclustern gewonnen haben.

Vertreter von Studierenden halten den Ansatz der Exzellenzinitiative ohnehin für einseitig. So fordert die Konferenz der Sächsischen Studierendenschaften (KSS), das Geld lieber in eine bessere Finanzausstattung aller Hochschulen zu stecken und neben der Forschung auch die Lehre zu stärken.

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Elite-Unis: Das sind die deutschen Exzellenzen

Ganz ähnlich argumentiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW): "Die Politik hat sich entschieden, für Spitzenforschung weiterhin große Projektgelder in das System zu pumpen, obwohl wir eigentlich eine bessere Grundfinanzierung bräuchten", sagt der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller. Der Vorteil des deutschen Hochschulsystems "war ja immer, dass wir bestimmte Qualitätsstandards hatten, die überall galten, ob in Aachen oder in Passau. Nun haben wir eine künstliche Differenzierung. Es geht darum, ein Zweiklassensystem zu etablieren."

Geld für den Nachwuchs

Dieser Trend könnte sich mit der neuen Runde der Exzellenzinititative noch verstärken, fürchten die Kritiker. Denn der Bund will nun in die langfristige Förderung von Eliteuniversitäten einsteigen. Zwar sollen deren Leistungen in einem Sieben-Jahres-Turnus evaluiert werden, sie müssen sich aber nicht immer wieder neu um ihren Elitestatus bewerben. Max Meisenheimer vom Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen hält das für den "größten Fehler" des Konzepts: "In der Folge bildet sich eine immer starrere Elite heraus. Wie davon das gesamte Hochschulwesen profitieren soll, ist fraglich."

Ein Problem deutscher Hochschulen wird in dem Plan weitgehend ausgeblendet: wie nämlich die prekäre Beschäftigungssituation vieler Hochschulmitarbeiter zur gewünschten Exzellenz ihrer Arbeit passen soll. Deshalb hatte die GEW schon im Vorfeld gefordert, das schon länger geplante Bund-Länder-Programm für den wissenschaftlichen Nachwuchs aufzustocken.

Ministerin Wanka wies Einwände zurück, durch die Förderung bestimmter Spitzenuniversitäten blieben die anderen Hochschulen auf der Strecke. Der Bund übernehme die Kosten für das Bafög komplett, dadurch würden bei den Ländern Mittel zur Förderung von Hochschulen frei. Zudem habe die Exzellenzinitiative "mit bescheidenen Mitteln enorme Effekte erzielt".

mamk/dpa/afp

insgesamt 63 Beiträge
franz.v.trotta 22.04.2016
1.
Eliteuniversitäten werden weiter finanziell gut ausgestattet und gefördert, kleinere Universitäten werden abgehängt. Das entspricht der Ideologie der CDU.
Eliteuniversitäten werden weiter finanziell gut ausgestattet und gefördert, kleinere Universitäten werden abgehängt. Das entspricht der Ideologie der CDU.
53er 22.04.2016
2. Hippler hat recht,
was Deutschland braucht, sind Innovationen, Gründer- und Erfindergeist im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich und keine Eliteseilschaften aus der Wirtschafts- und Juraecke, denn dorthin fließt weit mehr Geld aus Schavans [...]
was Deutschland braucht, sind Innovationen, Gründer- und Erfindergeist im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich und keine Eliteseilschaften aus der Wirtschafts- und Juraecke, denn dorthin fließt weit mehr Geld aus Schavans Schnapsidee. Dass Frau Wanka dies einfach ohne Änderungen weiterführt, wundert mich schon lange.
mgerhard 22.04.2016
3. Zum Teil viel rausgeworfenes Geld
Ich bin selber im akademischen Mittelbau einer großen Uni. Manchmal kann man aber nur den Kopf schütteln, wie im Rahmen von Projekten Geld vergeudet wird - oft dient es nicht der Forschung und dem Projekt, sondern dem [...]
Ich bin selber im akademischen Mittelbau einer großen Uni. Manchmal kann man aber nur den Kopf schütteln, wie im Rahmen von Projekten Geld vergeudet wird - oft dient es nicht der Forschung und dem Projekt, sondern dem (vermeintlichen) Renommee eines Professors. Eitelkeiten können unheimliche Summen verschlingen. Die Sinnhaftigkeit eines Projekts (z.B. auch finanziert von der DFG) sollte auch von "Praktikern" beurteilt werden. Da kämen spannende Ergebnisse dabei heraus ...
interessierter Laie 22.04.2016
4. @franzv.trotta
Wie kommen Sie darauf? Das Gegenteil ist der Fall. Ohne die Konservativen hätte man längst eine sozialistische Einheitsgesamtschule vom Kindergarten bis zur Uni und Forschung und Lehre nach bundesweitem Zentralplan. [...]
Wie kommen Sie darauf? Das Gegenteil ist der Fall. Ohne die Konservativen hätte man längst eine sozialistische Einheitsgesamtschule vom Kindergarten bis zur Uni und Forschung und Lehre nach bundesweitem Zentralplan. Sozialistische Ideologie ist nicht nur in Sachen Bildung gegen Vielfalt. Unterschiedliche Bildung ist schließlich potentiell ungerecht und mit Freiheit ist eine Erziehung zum neuen Einheitsmenschen nicht vereinbar.
Newspeak 22.04.2016
5. ...
Wie alt sind Sie? Ü80? Vielleicht wissen Sie es noch nicht, aber der Kommunismus ist seit 1989 Geschichte. Oder erklären Sie mir, was an bundesweiten Standards schlecht sein soll? Sie wollen anscheinend die Vielfalt der [...]
Zitat von interessierter LaieWie kommen Sie darauf? Das Gegenteil ist der Fall. Ohne die Konservativen hätte man längst eine sozialistische Einheitsgesamtschule vom Kindergarten bis zur Uni und Forschung und Lehre nach bundesweitem Zentralplan. Sozialistische Ideologie ist nicht nur in Sachen Bildung gegen Vielfalt. Unterschiedliche Bildung ist schließlich potentiell ungerecht und mit Freiheit ist eine Erziehung zum neuen Einheitsmenschen nicht vereinbar.
Wie alt sind Sie? Ü80? Vielleicht wissen Sie es noch nicht, aber der Kommunismus ist seit 1989 Geschichte. Oder erklären Sie mir, was an bundesweiten Standards schlecht sein soll? Sie wollen anscheinend die Vielfalt der Schwächen und Probleme. Bildung sollte Bundessache sein, Föderalismus schafft überall nur Probleme statt Lösungen. Wieso sollte z.B. die gleiche Tätigkeit je nach Bundesland anders bezahlt werden? Je nach Leistung mag ja sein, aber nur weil jemand in einem anderen Bundesland arbeitet? DAS würde ich Planwirtschaft nennen. DAS hat nichts mit Freiheit zu tun. Nebenbei verwechseln sie eigentlich das Thema. Es geht nicht darum, daß Unis vorgekaut bekommen, was sie zu denken und zu lehren und zu forschen haben, sondern darum, daß Geld fließt. Bedingungslos. Einfach nur, um das System zu finanzieren. Die Exzellenzinitiative verschlingt dagegen mehr, als sie bringt. Alle Unis, die leer ausgehen haben nicht nur nichts gewonnen, sondern sehr viel Zeit und Potential mit sinnlosen Anträgen vertan. In dieser Zeit hätte man forschen können. An sich ist es aber eine geniale politische Idee. Statt die Unis zu einen, so daß alle zusammen gegen die zu niedrige Grundfinanzierung ins Feld ziehen, spaltet man sie, indem man um die zu niedrigen Mittel einen Wettbewerb veranstaltet. Das ist regelrecht teuflisch genial. Ich hoffe auch, das Ganze geht zum Teufel, denn... wie nämlich die prekäre Beschäftigungssituation vieler Hochschulmitarbeiter zur gewünschten Exzellenz ihrer Arbeit passen soll. ...das wird noch mal auf uns zurückfallen. In 20 Jahren werden wir ein intellektuelles Entwicklungsland sein. In den Geisteswissenschaften sind wir es heute schon.

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