Leben und Lernen

Elite-Uni Harvard

Studentenverbindungen klagen wegen Diskriminierung

Elitäre Männerklubs, die Frauenhass pflegen - damit sollte auf dem Harvard-Campus Schluss sein. Die Uni stellte Regeln auf. Aber damit verärgerte sie auch etliche Bruderschaften und Schwesternschaften.

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Harvard University in Cambridge, Massachusetts

Dienstag, 04.12.2018   18:31 Uhr

Mehrere Studentenverbindungen in den USA haben Klage gegen die Harvard-Universität eingereicht. Der Vorwurf: Die Hochschule diskriminiere Studenten aufgrund ihres Geschlechts und rücke diejenigen in ein schlechtes Licht, die sich in rein weiblichen oder rein männlichen Vereinigungen zusammenschließen würden.

Zwei nationale Bruderschaften und zwei Schwesternschaften klagten vor dem Bundesgericht von Boston, eine andere Schwesternschaft verklagte die Schule vor dem Massachusetts State Court.

In dem Streit geht es um eine Regel aus dem Jahr 2016. In Harvard sind demnach gleichgeschlechtliche Gruppen nicht verboten. Aber: Studenten, die sich diesen Gruppen anschließen, müssen Nachteile in Kauf nehmen. Sie dürfen zum Beispiel keine Campusgruppen leiten oder Kapitän einer Sportmannschaft werden und haben kaum Chancen auf prestigeträchtige Stipendien.

Vorwurf gegen Männerklubs: Frauenhass

Der Hintergrund: Die Uni wollte das Agieren bestimmter rein männlicher Geheimklubs eindämmen, die in die Kritik geraten waren. 2016 wurde in einem Harvard-Bericht festgestellt, dass in diesen Männervereinigungen eine große Frauenfeindlichkeit herrsche. Die Mitglieder hätten "zutiefst misogyne Einstellungen". Die Klubs wurden zudem mit Problemen mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht.

Die Regel trifft nun aber auch diverse andere gleichgeschlechtliche Gruppen, darunter Bruderschaften, Schwesternschaften oder zum Beispiel auch Chorgruppen. Die Kläger argumentieren, die Regel habe in erster Linie Frauengruppen geschadet. Einige seien bereits aufgelöst worden oder hätten unfreiwillig Männer bei sich aufgenommen, um den Sanktionen der Uni zu entgehen.

"Diese Studentinnen werden dafür bestraft, dass sie privaten, gesetzestreuen Vereinigungen außerhalb des Campus beigetreten sind", sagte Laura Doerre, ehemalige Präsidentin der Kappa-Alpha-Theta-Studentenschaft bei einer Pressekonferenz. "Sie werden dafür bestraft, dass sie Frauen sind, die sich einfach mit anderen Frauen zusammenschließen wollen."

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Laura Doerre

Harvard erkennt offiziell zwar keine Bruderschaften oder Schwesternschaften an. In der Vergangenheit gab es aber mehrere Verbindungen, die Harvard-Studenten offen standen und ihre Häuser in der Nähe des Campus in Cambridge, Massachusetts, hatten. Bevor die Regel in Kraft getreten sei, hätten sich die Mitgliederzahlen in den Frauenbünden auf einem Rekordhoch befunden, sagen die Kläger. Nun hätten viele Studentinnen das Gefühl, sie müssten ihre Verbindung zu diesen Gruppen verbergen.

Die Bundesklage wurde von den nationalen Vereinigungen Kappa Alpha Theta und Kappa Kappa Gamma sowie von den nationalen Bruderschaften Sigma Chi und Sigma Alpha Epsilon eingereicht. Die Brüdergemeinschaften teilten mit, sie hätten Mühe, neue Studenten zu rekrutieren und würden aufgrund sinkender Mitgliederzahlen in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Vorwurf: Sexismus

In der Klageschrift werfen die Bruderschaften der Harvard-Uni Sexismus vor. "Harvards Ansicht, rein männliche Bündnisse würden sexuelle Übergriffe verursachen, eben weil sie rein männlich seien, und dass rein weibliche oder männliche Bündnisse keinerlei Wert an sich haben, ist extrem sexistisch."

Von der Harvard-Universität gab es zunächst keine Stellungnahme. Die 2016 eingeführte Regel hatte auch dazu geführt, dass mehrere bis dato rein männliche Vereinigungen Frauen in ihren Reihen zugelassen hatten.

Video: 7 Tage... In der Studentenverbindung

Foto: NDR

fok/AP/Reuters

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