Leben und Lernen

Urteil zu Hausarbeiten

Studenten müssen geforderten Seitenrand einhalten

Weil er mehr schreiben wollte, schummelte ein Student in seiner Hausarbeit beim Seitenrand. Der Dozent ließ ihn durchfallen, der Student zog vor Gericht - und kassierte eine Niederlage.

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Student beim Schreiben (Symbolbild)

Donnerstag, 11.01.2018   16:05 Uhr

Ein bisschen tricksen, was ist schon dabei? Das dachte sich offenbar ein Nürnberger Jurastudent - und verringerte den Seitenabstand in seiner Hausarbeit um 2,5 Zentimeter, um mehr Text unterzubringen. Aber dem Dozenten gefiel das gar nicht.

Für die Hausarbeit der "Übung im Bürgerlichen Recht für Fortgeschrittene" hatte er festgelegt:

"Der Umfang der Hausarbeit darf 20 Seiten (ohne Deckblatt, Gliederung und Literaturverzeichnis, aber mit Fußnoten) nicht übersteigen. Schrifttyp: Times New Roman; Schriftgröße: 12pt, Fußnoten Schriftgröße: 10 pt; Laufweite normal; Zeilenabstand: 1,5; rechts 5 cm Korrekturrand, links 2,5 cm Rand."

Der verringerte Seitenabstand fiel ihm sofort auf. Er rechnete die Textmenge um, kam auf insgesamt 23 Seiten und zog für jede halbe Seite über dem Limit einen Notenpunkt ab. Endergebnis: 0 Punkte, Note sechs - nicht bestanden.

Das wiederum wollte der Jurastudent nicht hinnehmen. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht Ansbach - vergeblich. Die Prüfung sei korrekt verlaufen, die Note "ungenügend" liege im Bewertungsspielraum des Dozenten, heißt es im Urteil, das jetzt veröffentlicht wurde (Aktenzeichen AN 2 K 17.00008). In einer Hausarbeit müsse ein Student zeigen, dass er "auch die formalen Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens" beherrsche - und genau das sei bei Überschreiten der maximalen Länge nicht gelungen.

Schafft die Hausarbeiten ab!

Die Richter griffen damit die Argumentation des Dozenten auf. Der hatte betont, dass "die prägnante und konzentrierte Präsentation aller im Sachverhalt angelegten Probleme auf einem begrenzten Platz" ein wesentlicher Teil der Prüfung sei.

Der Student hatte argumentiert, dass der Dozent ja nur die ersten 20 Seiten der Arbeit hätte benoten können. Dass er das abgelehnt hatte, konnte das Gericht nachvollziehen: Der Prüfling hätte damit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Studenten gehabt.

Und an der Note geändert hätte es auch nichts, sagt der Dozent: Die Hausarbeit habe "zwar brauchbare Passagen insbesondere im zweiten Teil" enthalten, zeige aber auch zahlreiche Mängel im Hinblick auf "grundlegende Fertigkeiten und Kenntnisse zum bürgerlichen Recht".

him

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