Leben und Lernen

Tariq Ramadan

Oxford-Professor kommt in Untersuchungshaft

Mehrere Frauen werfen Tariq Ramadan Vergewaltigung vor. Vor einer Woche wurde er in Frankreich festgenommen. Nun sitzt er auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Vorwürfe.

AFP

Tariq Ramadan

Mittwoch, 07.02.2018   15:35 Uhr

Nach Vergewaltigungsvorwürfen hat die französische Justiz den bekannten Islamwissenschaftler Tariq Ramadan in Untersuchungshaft genommen. Das bestätigten Justizkreise.

Ramadan ist seit 2009 Professor für zeitgenössische Islamstudien an der Eliteuniversität Oxford. Er wurde in der Schweiz geboren und hat ägyptische Wurzeln. Ramadan ist bekannt, aber auch umstritten: Einerseits gilt er als Vordenker eines europäischen Islam, andererseits gibt es auch immer wieder den Vorwurf, er stehe dem Islamismus zu nahe.

Der Vorwurf von Sexualstraftraten gegen den Wissenschaftler ist nicht neu: Im November 2017 wurde er in gegenseitigem Einvernehmen von der Universität Oxford beurlaubt, nachdem zwei französische Frauen ausgesagt hatten, sie seien von Ramadan vergewaltigt worden. Zudem gaben mehrere Frauen aus der Schweiz an, in den Achtziger- und Neunzigerjahren von Ramadan sexuell bedrängt worden zu sein. Einige von ihnen waren damals noch minderjährig.

In der vergangenen Woche wurde Ramadan in Frankreich festgenommen, wo er sich nach seiner Beurlaubung von der Uni Oxford aufhielt. Ein Ermittlungsverfahren wurde eröffnet. Nun sitzt der Wissenschaftler auf unbestimmte Zeit in Untersuchungshaft. Ein Antrag auf eine Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt.

Ramadan bestreitet die Vorwürfe. Er hatte Anzeige gegen die Frauen wegen falscher Anschuldigung gestellt und von einer "Verleumdungskampagne" gesprochen, die von seinen "langjährigen Gegnern" orchestriert werde.

koe/dpa

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