Leben und Lernen

Hilfe von der WG-Therapeutin

"Unser Mitbewohner trinkt zu viel"

Hans hat sich gut in die WG integriert, dann zieht er sich plötzlich zurück, trinkt viel Alkohol und beschwert sich bei der Vermieterin über die anderen Mitbewohner. Was sollen sie tun?

DPA

"Acht Bembel am Tag"

Aufgezeichnet von
Dienstag, 26.12.2017   20:03 Uhr

Justin* schreibt:

Ich lebe mit meinem Bruder, einem Freund und einem Bekannten in einer Wohnung, die meiner Mutter gehört. Sie ist unsere Vermieterin. Für manche wäre das wohl schwer vorstellbar, aber bei uns ist das kein Problem.

Wer bei uns wohnen möchte, sollte nicht so viel Alkohol trinken (keine Partys) und sich fürs Computerspielen interessieren. Wir wollen einfach jemanden, der zu unserem Leben passt. Mit unserem vierten Mitbewohner - nennen wir ihn mal Hans - lief es in den ersten Wochen sehr gut. Er machte einen ordentlichen Eindruck und war immer bemüht, den Putzplan einzuhalten.

Nur irgendwann begann er, sich von seiner wahren Seite zu zeigen. Er trinkt sehr viel Alkohol, mindestens acht Gläser am Tag. Ich würde schon sagen, dass er abhängig ist. Seit einiger Zeit hält er sich auch komplett aus allen Aktivitäten raus und macht sich immer unbeliebter in der WG. Eigentlich möchte keiner mehr, dass er länger hier wohnt.

Wir haben vor kurzem auch herausgefunden, dass er meiner Mutter schreibt, wenn einer mal nicht aufräumt. Er schickt ihr sogar Fotos von der Wohnung und möchte sich bei ihr besser darstellen als meinen Bruder und mich. Das geht gar nicht, deswegen wollen wir, dass er auszieht. Aber können wir ihn wegen so etwas rausschmeißen?

*Name geändert

Zur Person

Sabine Stiehler antwortet:

Lieber Justin,

Sie schreiben, wer bei Ihnen wohnen möchte, sollte nicht so viel Alkohol trinken. Sie können mit Hans zwar darüber sprechen, was Sie von ihm als Mitbewohner erwarten, aber Sie können ihm schlecht vorschreiben, nur zwei Bier am Tag zu trinken und an mindestens zwei Tagen die Woche mit Ihnen Computer zu spielen.

Welche Auswirkungen hat denn sein Trinkverhalten? Putzt er deswegen nicht mehr oder vernachlässigt er etwas anderes?

Sie schreiben, Hans zeige sich nun von seiner "wahren Seite". Aber die wahre Seite eines Menschen beinhaltet ja immer alle seine Seiten, und die hatte er schon, als er sich bei Ihnen um das WG-Zimmer beworben hat. Vielleicht ist Hans in eine Krise gerutscht, trinkt deswegen viel und zieht sich zurück.

Sie können Hans fragen, ob er Probleme hat und Hilfe braucht. Wenn Sie ihn auf seinen Alkoholkonsum ansprechen, wird er vermutlich leugnen, dass er viel trinkt. Vielleicht wird er auch aggressiv darauf reagieren. Das Verhältnis zu Ihnen wird sich aber nicht verschlechtern, es ist ohnehin schon schlecht.

Ich finde es auch seltsam, dass Sie "herausgefunden haben", dass er Ihrer Mutter schreibt und sogar Fotos schickt. Dass Hans so etwas macht, finde ich inakzeptabel. Aber warum erzählt Ihnen Ihre Mutter das nicht selbst?

Ich rate Ihnen dazu, dringend mit ihr darüber zu sprechen und sie in die WG einzuladen. Dann kann sie sich ein Bild von der Wohnung machen und Sie können Hans fragen, warum er Ihrer Mutter schreibt, anstatt mit Ihnen zu reden.

Es kann aber auch sein, dass sich Hans von Ihnen ausgegrenzt fühlt, weil Sie drei ohnehin "ihr eigenes Ding" machen. Vielleicht wollte er sich in die WG integrieren und als es nicht klappte, hat er sich zurückgezogen. Mit dem Rückzug und dem Alkohol wollte er das Problem vielleicht auch kompensieren. Hans wäre in jedem Fall besser aufgehoben, wenn er woanders wohnen würde.

Welches Mietverhältnis haben Sie mit Hans? Wenn Sie Hauptmieter sind, können Sie das Mietverhältnis mit ihm kündigen. Sind Sie gleichberechtige Mieter bei Ihrer Mutter, müssten Sie mit ihr darüber sprechen - dann müsste sie ihm kündigen.

Du hast WG-Kummer?

insgesamt 25 Beiträge
till-ulrich_hepp 26.12.2017
1.
Wenn Ich diese ganzen WG Kommentare lese, dann fühle Ich mich in die eigene jüngere Vergangenheit zurück versetzt und denke auch an die Gegenwart (zur Zeit in einer WG) und es fällt mir ein grundsätzliches Problem bei diesem [...]
Wenn Ich diese ganzen WG Kommentare lese, dann fühle Ich mich in die eigene jüngere Vergangenheit zurück versetzt und denke auch an die Gegenwart (zur Zeit in einer WG) und es fällt mir ein grundsätzliches Problem bei diesem Konzept auf: Es gibt Leute, die meinen, man miete sich da als Kumpels oder Familie auf Zeit ein. Das ist aber nicht verpflichtend. Es ist so, dass Leute sich ein Zimmer mit einem separaten Vertrag mieten und sich dann gemeinsam um die gemeinsam genutzte Wohnfläche kümmern und sich an die vom Vermieter gesetzten Regeln zu halten haben. Ansonsten kann man erwarten von Mitbewohnern mit Lärm, Trubel, Trunkenheit etc. verschont zu werden. Wenn man dieses Grundkriterium ansetzt, dann lassen sich auch viele Probleme objektiver und zielführender lösen. Wenn der Mitbewohner trinkt und dadurch zum Problem wird, dann sollte man sich beschweren. Wenn er aber Grund für seine Beschwerden hat sind die anderen evtl. die, welche falsch liegen. (ob und wie viel er trinkt kann diesen auch egal sein, bis dies zum Problem durch Verhaltensauffälligkeit etc. wird).
schnarchn 26.12.2017
2.
Was für ein seltsames Verhältnis zur eigenen Mutter, wenn es zu so einer Konstellation kommen kann...
Was für ein seltsames Verhältnis zur eigenen Mutter, wenn es zu so einer Konstellation kommen kann...
Cäsarenwächter 26.12.2017
3. Erst Suff, dann druff!
Hans könnte fristlos gekündigt werden. Allerdings muss Hans zuvor von der Vermieterin abgemahnt werden. Eine Kündigung durch die Vermieterin kommt in Betracht, wenn Hans wegen seines Alkoholismus den Hausfrieden erheblich und [...]
Hans könnte fristlos gekündigt werden. Allerdings muss Hans zuvor von der Vermieterin abgemahnt werden. Eine Kündigung durch die Vermieterin kommt in Betracht, wenn Hans wegen seines Alkoholismus den Hausfrieden erheblich und nachweislich stört, z. B. andere Mitbewohner belästigt, beschimpft, terrorisiert. Der Alkoholkonsum an sich reicht nicht aus, um Hans loszuwerden. Es sollte unbedingt das Gespräch mit ihm durch die Vermieterin gesucht werden, bzw. durch den Hauptmieter und ihm die Grenzen aufgezeigt werden. Man sollte ihm auch empfehlen, sich zu therapieren. Denn wenn er sich bei nachgewiesener Alkoholkrankheit nicht therapieren lässt, kann das für ihn rechtlich nachteilig werden.
dasfred 27.12.2017
4. Gar nicht lange diskutieren
Raus mit ihm. Er hält sich nicht an Absprachen, treibt einen Keil in die Familie der Vermieterin und ist nach acht Gläsern Bier nicht mehr bei klarem Verstand. Es ist nicht die Aufgabe von Laien, sich hier der Alkoholtherapie [...]
Raus mit ihm. Er hält sich nicht an Absprachen, treibt einen Keil in die Familie der Vermieterin und ist nach acht Gläsern Bier nicht mehr bei klarem Verstand. Es ist nicht die Aufgabe von Laien, sich hier der Alkoholtherapie anzunehmen. Jedes Verständnis und Mitgefühl ist am falschen Platz. Er hat sich für Alkohol und gegen die Mitbewohner entschieden und sich somit selbst als WG untauglich präsentiert. Jeder weitere Tag belastet nur die anderen Bewohner.
touri 27.12.2017
5.
Warum, weil die Mutter als Vermieterin auftritt? Das halte ich jetzt nicht für so ungewöhnlich, insbesondere wenn ein Einkommen vorhanden sein sollte. Außerdem steht ja nicht im Text, was die Kinder an Miete zahlen.
Zitat von schnarchnWas für ein seltsames Verhältnis zur eigenen Mutter, wenn es zu so einer Konstellation kommen kann...
Warum, weil die Mutter als Vermieterin auftritt? Das halte ich jetzt nicht für so ungewöhnlich, insbesondere wenn ein Einkommen vorhanden sein sollte. Außerdem steht ja nicht im Text, was die Kinder an Miete zahlen.
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