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Hilfe von der WG-Therapeutin

"Mein Zimmernachbar ist für mich die Pest"

Er trampelt über den Flur, tritt Türen auf und lässt nachts den Wasserhahn laufen: Katharina erträgt ihren Nachbarn im Wohnheim kaum noch. Was kann sie tun?

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Mittwoch, 24.01.2018   12:10 Uhr

Katharina* schreibt:

Ich wohne in einem Studentenwohnheim. Auf jedem Stockwerk gibt es 16 Zimmer (mit Waschbecken), die alle von einem Flur abgehen. Es gibt eine große Gemeinschaftsküche und einige Badezimmer. Ausgerechnet der Mitbewohner, der sein Zimmer gegenüber von meinem hat, ist für mich die Pest.

Er hat ein offensichtliches Problem mit Hygiene: Er putzt nicht und bringt den Müll nicht runter. Oft öffnet er die Türen nicht mit den Händen, sondern tritt sie mit den Füßen auf, teilweise mit dreckigen Straßenschuhen. Er ist auch nicht in der Lage, seine Zimmertür leise zu schließen. Nachts schrecke ich deshalb oft im Bett auf oder habe Albträume von ihm. Außerdem trampelt er über den Flur und lässt nachts häufig das Wasser aus dem Wasserhahn laufen.

Du hast WG-Kummer?

Wenn man ihn darauf anspricht, ist er beleidigt. Wir hatten schon einige Reibereien, weil ich nicht alles hinnehmen möchte. Er kann nicht damit umgehen, dass ihm jemand seine Grenzen aufzeigt und keine Narrenfreiheit gewährt. Seither redet er nicht mehr mit mir, und ich ignoriere ihn ebenfalls.

Ich weiß, dass man gerade im Wohnheim Verständnis haben muss. Diese Person scheint jedoch eine tiefgreifende, psychische Störung zu haben: Keimphobie gepaart mit Narzissmus, Größenwahn und Egozentrik. Als der Techniker da war, um die Feuermelder zu warten, wurde sogar der Hausmeister davor gewarnt, dass er sein Zimmer nicht reinigt.

Nicht nur mir fällt sein Verhalten negativ auf, aber ich leide vermutlich am meisten, weil mein Zimmer direkt gegenüber ist. Ich überlege schon, ihn einweisen zu lassen, da mir seine Gegenwart sehr unangenehm ist und er mich auch schon ohne Grund angeschrien hat, ich mich also gar nicht sicher fühle.

*Name geändert

Zur Person

Sabine Stiehler antwortet:

Liebe Katharina,

Sie können Ihren Mitbewohner nicht einweisen lassen, das bekommen Sie allein nicht hin. Beschweren Sie sich lieber bei der Wohnheimverwaltung über ihn. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen aufgefallen ist, und tragen Sie dies vor. Am besten Sie machen auch Fotos, zum Beispiel von den dreckigen Türen.

Fragen Sie auch die anderen auf dem Flur, was ihnen aufgefallen ist, und nehmen Sie noch ein oder zwei Mitbewohner zum Gespräch mit der Wohnheimverwaltung mit. Diese können Ihren Mitbewohner abmahnen oder ihm kündigen. Darauf wird es sicher auch hinauslaufen. Drohen Sie ihm nicht damit, zur Verwaltung zu gehen, machen Sie es einfach.

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

Zudem rate ich Ihnen, ein anderes Zimmer zu beantragen, damit Sie nicht mehr direkt gegenüber wohnen müssen. Es kann zwar eine Weile dauern, bis Sie ein neues Zimmer bekommen, aber die Fluktuation in Wohnheimen ist ja recht hoch. Bis dahin: Versuchen Sie, den Mitbewohner so gut es geht zu ignorieren, und kaufen Sie sich Ohrstöpsel, damit Sie sein Trampeln nachts nicht mehr so stark mitbekommen.

insgesamt 29 Beiträge
matthias_lehmann 24.01.2018
1. Pseudopsychologin
Schon spannend wie die junge Dame sich herausnimmt, ein psychologisches Gutachten über den Mitbewohner zu verfassen... sogar einweisen will sie ihn. Erschreckend was da zwischen den Zeilen hervorblitzt....
Schon spannend wie die junge Dame sich herausnimmt, ein psychologisches Gutachten über den Mitbewohner zu verfassen... sogar einweisen will sie ihn. Erschreckend was da zwischen den Zeilen hervorblitzt....
dosmundos 24.01.2018
2.
Mir würden da eine ganze Reihe Ideen kommen, wie man kurzfristig Abhilfe schaffen könnte, insbesondere, wenn man unter den anderen Bewohnern (und evtl. sogar beim Hausmeister) willige Verbündete findet, aber die sind natürlich [...]
Mir würden da eine ganze Reihe Ideen kommen, wie man kurzfristig Abhilfe schaffen könnte, insbesondere, wenn man unter den anderen Bewohnern (und evtl. sogar beim Hausmeister) willige Verbündete findet, aber die sind natürlich eher physischer denn psychologischer Natur und würden dem Zweck dieser Kolumne klar entgegenlaufen...
nose 24.01.2018
3. Neues Zimmer beantragen
Das hatte ich auch in meiner Studienzeit. Ich hab ein neues Zimmer beantragt und bekommen. Wenn man schon im Wohnheim wohnt, kriegt man schnell mit, was eine "gute Wohnlage", sprich Stockwerk ist. Das hab ich dann auch [...]
Das hatte ich auch in meiner Studienzeit. Ich hab ein neues Zimmer beantragt und bekommen. Wenn man schon im Wohnheim wohnt, kriegt man schnell mit, was eine "gute Wohnlage", sprich Stockwerk ist. Das hab ich dann auch gemacht und hatte von da an nicht nur meine Ruhe sondern auch eine schöne Zeit mit den neuen Stockwerk-Mitbewohnern.
tuvalu2004 24.01.2018
4. Armseliger Kommentar
@matthias_lehmann Ein wirklich armseliger Kommentar. Jemanden "einweisen" zu lassen ist Umgangssprache in dieser Klientel. Also kein Grund gleich etwas "zwischen den Zeilen" zu lesen oder zu glauben jemand [...]
Zitat von matthias_lehmannSchon spannend wie die junge Dame sich herausnimmt, ein psychologisches Gutachten über den Mitbewohner zu verfassen... sogar einweisen will sie ihn. Erschreckend was da zwischen den Zeilen hervorblitzt....
@matthias_lehmann Ein wirklich armseliger Kommentar. Jemanden "einweisen" zu lassen ist Umgangssprache in dieser Klientel. Also kein Grund gleich etwas "zwischen den Zeilen" zu lesen oder zu glauben jemand würde ein "psychologisches Gutachten" verfassen. Ist "zwischen den Zeilen" lesen nicht auch eine Art der Ferndiagnose ohne die Person überhaupt zu kennen? Nein? Ein Schelm wer böses dabei denkt.
mintie 24.01.2018
5.
"Keimphobie gepaart mit Narzissmus". Lol. Damit beschreibt sich ja wohl eher die Studentin selbst.
"Keimphobie gepaart mit Narzissmus". Lol. Damit beschreibt sich ja wohl eher die Studentin selbst.

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